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Syrischer Schleuser schon wieder auf Anklagebank

Amtsgericht Hannover Syrischer Schleuser schon wieder auf Anklagebank

Im vergangenen Jahr wurde Mohamad A. schon wegen seiner Anwerbertätigkeit für Schiffs-Schleusungen verurteilt. Nun wird dem 35-Jährigen vorgeworfen, in drei Fällen Schlepperdienste auf dem Landweg durchgeführt zu haben.

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Mohamad A. stellte sich am Amtsgericht als Opfer der Schlepperbande dar.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Der syrische Schleuser Mohamad A. steht schon wieder vor Gericht. Im Herbst 2016 war er vom Landgericht Hannover zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Damals ging es um Schiffs-Schleusungen, bei denen viele hunderte Flüchtlinge über die Türkei nach Italien transportiert wurden - unter menschenunwürdigen Bedingungen auf schrottreifen Dampfern. Jetzt muss sich der 35-Jährige vor dem Amtsgericht wegen des Einschleusens von Ausländern nach Deutschland in drei Fällen verantworten. Dieses Mal geht es um Reisen auf dem Landweg über die Türkei nach Griechenland und von dort aus weiter nach Mitteleuropa.

Die Staatsanwaltschaft wirft A. vor, er habe zunächst im März 2015 an der illegalen Ausreise von acht Syrern aus der Türkei mitgewirkt. Er habe in der Schlepperorganisation als Anwerber fungiert und die Flüchtlinge während der Autofahrt von Istanbul in die 220 Kilometer westlich liegende Stadt Edirne begleitet, in einem völlig überfüllten Transporter. Nach einem 15-minütigen Fußmarsch zu einem Grenzfluss - es handelt sich wohl um die Mariza - seien rund 120 Flüchtlinge in teilweise undichten Schlauchbooten über das Wasser gelangt, am anderen Ufer von griechischen Polizisten in Empfang genommen und in Unterkünfte gebracht worden. Einige von ihnen schafften es mithilfe von A. und seiner Schlepperbande bis nach Österreich.

2000 bis 2800 Dollar pro Kopf 

Die weiteren Anklagepunkte beziehen sich auf Flüchtlingstransporte in Mai und August 2015, die nach ähnlichem Muster abliefen, allerdings wurde die Mai-Gruppe von der griechischen Polizei in die Türkei zurückgeschickt. Die von Mohamad A. angeworbenen 13 Ausreisewilligen sollen für ihre Reisen zwischen 2000 und 2800 US-Dollar pro Kopf gezahlt haben.

A. legte ein ausführliches Geständnis ab und beantwortete bereitwillig alle Fragen des Schöffengerichts unter Vorsitz von Lars Stanull. Wie schon im ersten Prozess erklärte der gelernte Friseur, selbst Opfer der Schleuserorganisation geworden zu sein. Er sei Assad-Gegner und habe während seiner Flucht in mehreren Staaten Station gemacht. Dann habe er selbst 5000 Dollar für eine Passage nach Deutschland gezahlt, sei aber übers Ohr gehauen worden. Weil er - vergeblich - Anzeige bei der Polizei erstattete, sei er von den Schleppern geschlagen und erpresst worden: A. und seine Familie würden nur nach Mitteleuropa gebracht, wenn er 30 Flüchtlinge anwerbe. Letztendlich seien es aber weniger Menschen gewesen, so erklärte der 35-Jährige, die ihr Fluchtgeld an türkische Treuhänder in „Versicherungsbüros“ gezahlt hätten. Er habe mit seiner Tätigkeit nichts verdient, sondern nur aus Fürsorge gegenüber der Familie gehandelt.

Der syrische Schleuser Mohamad A. muss sich vor dem Amtsgericht Hannover wegen Einschleusens von Ausländern nach Deutschland verantworten.

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Anfang 2016 wurde in mehreren europäischen Staaten ein Schleuserring ausgehoben. Im November 2015 noch hatte A. für ein Foto vor der Weihnachtspyramide am Kröpcke posiert, kurz darauf wurde er im Deutschen Pavillon festgenommen. Seitdem sitzt er in Haft. Gegen das Landgerichtsurteil haben sowohl Staatsanwalt wie Verteidiger Revision eingelegt, wahrscheinlich wird der BGH im Mai seine Entscheidung verkünden.

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