Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Klinikschließungen Gefahr für Mütter und Babys?
Hannover Aus der Stadt Klinikschließungen Gefahr für Mütter und Babys?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:33 01.11.2014
Ärzte und Hebammen warnen vor der geplanten Schließung mehrerer Geburtskliniken. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Durch die Schließung mehrerer Geburtskliniken, werde es laut Ärzten und Hebammen bald nicht mehr möglich sein, dass jede schwangere Frau innerhalb von 20 Minuten eine Klinik erreicht, warnt der frühere Leiter der Geburtsklinik im Krankenhaus Großburgwedel, Prof. Harald Riedel. Dies sei aber eigentlich ein Grundsatz in der Geburtshilfe.

In der Schwangerschaft könne es immer unerwartet zu gefährlichen Situationen kommen, die Mutter und Kind das Leben kosten könnten, seien es akute Blutungen oder Plazentaablösungen, sagt Riedel. „Bei allen Sparmaßnahmen sollte man eine flächendeckende Notfallversorgung nicht aus den Augen verlieren“, sagt Riedel.

Das Klinikum Region Hannover (KRH) will im nächsten Jahr seine Geburtsstationen im Nordstadtkrankenhaus und in Großburgwedel aufgeben. Im vergangenen Jahr war die Entbindungsstation in der Langenhagener Paracelsus-Klinik geschlossen worden. Im Nordstadtkrankenhaus hatte es zuletzt 891 Geburten gegeben, in Großburgwedel 586. Beim KRH geht man davon aus, dass Häuser anderer Träger die Schließungen auffangen werden.

„Es wird mehr Geburten im Notarztwagen oder im Privatauto geben, gerade wenn Frauen ihr zweites oder drittes Kind bekommen“, sagt Hebamme Inge de Vries. Kollegin Heike Schenk, die vor allem Mütter in der Nordstadt betreut, befürchtet dasselbe: „Die Zahl der Geburten im Rettungswagen oder eigenen Auto wird steigen, es wird junge Mütter geben, die bei der Geburt unversorgt sind“, sagt sie. Gerade, wenn Frauen schon mehrere Kinder geboren hätten, könne es mitunter schnell gehen. „Lange Autofahrten quer durch die ganze Stadt sind da nicht zu verantworten.“ Die Säuglingssterblichkeit könne durch die Kürzungen der Geburtskliniken wieder steigen.

Die anderen Geburtskliniken in der Stadt und im Umland seien gar nicht darauf ausgelegt, weitere gut 1000 Geburten zu ermöglichen, sagen die Kritiker. Hebammen befürchten, dass die Qualität der medizinischen Versorgung für die werdenden Mütter sinken könnte. Die Kliniken in Hannover seien schon jetzt überlastet und schickten Frauen nach Hause, wenn der Andrang groß, die Wehen aber noch nicht stark genug seien, sagt die Isernhagener Hebamme Christiane Weber.

Dem widerspricht Bernhard Koch, Sprecher des Klinikums Region Hannover: „Die Versorgung von Gebärenden und Neugeborenen bleibt sichergestellt.“ Es stünden mehrere Geburtskliniken anderer Träger in der Stadt Hannover oder auch im Umland, etwa in Celle, zur Verfügung, die 20 Kilometer oder weniger entfernt seien. Zudem sei sich das Klinikum seiner Verantwortung bewusst. So würden die Geburtsstationen in Neustadt und Gehrden aufrechterhalten, obwohl auch diese große wirtschaftliche Defizite aufwiesen, um die Versorgungssicherheit der Patienten in diesem Gebiet zu garantieren.

Wenn der Weg nach Hause allerdings zu weit sei, könnten die Schwangere auch gleich in der Klinik behalten und die Geburt künstlich eingeleitet werden, etwa durch Wehen fördernde Mittel, warnt Hebamme Schenk. „Die Zahl der programmierten Geburten, ob durch Kaiserschnitt oder künstlich eingeleitet, wird steigen“, ist sie sich sicher.

Es sei bedauerlich, dass der Start ins Leben in der Region Hannover noch mehr unter wirtschaftliche Zwänge gestellt werde. Am besten funktioniere Geburtshilfe in den Ländern, in denen sie als eine gesellschaftliche Aufgabe und nicht als ökonomisches Feld gesehen werde, wie in Skandinavien.

Saskia Döhner 
und Carina Bah

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt Prozess, Verkehr und Party - Das ist heute in Hannover wichtig

Das Landgericht eröffnet den Prozess gegen einen Mann wegen schweren Raubes, eine Straßensperrung könnte für Verkehrsprobleme sorgen und wir zeigen Ihnen, wo Sie an Halloween stilecht in Hannover feiern können. Das sind Themen, die heute in Hannover wichtig sind.

30.10.2014
Aus der Stadt Halloween in Hannover - Hier wird es heute gruselig

Wer sich schon immer mal als Hexe, Zombie oder sonstige Gruselgestalt unters Volk mischen wollte, bekommt am Wochenende die Gelegenheit dazu. Hannover feiert Halloween. Hier finden Sie die größten Partys auf einen Blick.

31.10.2014
Aus der Stadt Auf Menschen übertragbar - Hasenpest erreicht Hannover

Die auch auf den Menschen übertragbare Hasenpest ist in Niedersachsen an mehreren Orten nachgewiesen worden. Nun wurden die ersten erkrankten Tiere in Hannover gefunden. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt vor dem Kontakt mit infizierten Tieren.

30.10.2014
Anzeige