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Klinikschließungen Gefahr für Mütter und Babys?

Warnung von Medizinern Klinikschließungen Gefahr für Mütter und Babys?

Ärzte und Hebammen warnen vor der geplanten Schließung mehrerer Geburtskliniken in der Region. Das Vorhaben gefährde die schnelle Versorgung von schwangeren Frauen bei Notfallsituationen. 

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Ärzte und Hebammen warnen vor der geplanten Schließung mehrerer Geburtskliniken.

Quelle: dpa

Hannover. Durch die Schließung mehrerer Geburtskliniken, werde es laut Ärzten und Hebammen bald nicht mehr möglich sein, dass jede schwangere Frau innerhalb von 20 Minuten eine Klinik erreicht, warnt der frühere Leiter der Geburtsklinik im Krankenhaus Großburgwedel, Prof. Harald Riedel. Dies sei aber eigentlich ein Grundsatz in der Geburtshilfe.

In der Schwangerschaft könne es immer unerwartet zu gefährlichen Situationen kommen, die Mutter und Kind das Leben kosten könnten, seien es akute Blutungen oder Plazentaablösungen, sagt Riedel. „Bei allen Sparmaßnahmen sollte man eine flächendeckende Notfallversorgung nicht aus den Augen verlieren“, sagt Riedel.

Das  Klinikum Region Hannover (KRH) will im nächsten Jahr seine Geburtsstationen im Nordstadtkrankenhaus und in Großburgwedel aufgeben. Im vergangenen Jahr war die Entbindungsstation in der Langenhagener Paracelsus-Klinik geschlossen worden. Im Nordstadtkrankenhaus hatte es zuletzt 891 Geburten gegeben, in Großburgwedel 586. Beim KRH geht man davon aus, dass Häuser anderer Träger die Schließungen auffangen werden.

„Es wird mehr Geburten im Notarztwagen oder im Privatauto geben, gerade wenn Frauen ihr zweites oder drittes Kind bekommen“, sagt Hebamme Inge de Vries. Kollegin Heike Schenk, die vor allem Mütter in der Nordstadt betreut, befürchtet dasselbe: „Die Zahl der Geburten im Rettungswagen oder eigenen Auto wird steigen, es wird junge Mütter geben, die bei der Geburt unversorgt sind“, sagt sie. Gerade, wenn Frauen schon mehrere Kinder geboren hätten, könne es mitunter schnell gehen. „Lange Autofahrten quer durch die ganze Stadt sind da nicht zu verantworten.“ Die Säuglingssterblichkeit könne durch die Kürzungen der Geburtskliniken wieder steigen.

Die anderen Geburtskliniken in der Stadt und im Umland seien gar nicht darauf ausgelegt, weitere gut 1000 Geburten zu ermöglichen, sagen die Kritiker. Hebammen befürchten, dass die Qualität der medizinischen Versorgung für die werdenden Mütter sinken könnte. Die Kliniken in Hannover seien schon jetzt überlastet und schickten Frauen nach Hause, wenn der Andrang groß, die Wehen aber noch nicht stark genug seien, sagt die Isernhagener Hebamme Christiane Weber.

Dem widerspricht Bernhard Koch, Sprecher des Klinikums Region Hannover: „Die Versorgung von Gebärenden und Neugeborenen bleibt sichergestellt.“ Es stünden mehrere Geburtskliniken anderer Träger in der Stadt Hannover oder auch im Umland, etwa in Celle, zur Verfügung, die 20 Kilometer oder weniger entfernt seien. Zudem sei sich das Klinikum seiner Verantwortung bewusst. So würden die Geburtsstationen in Neustadt und Gehrden aufrechterhalten, obwohl auch diese große wirtschaftliche Defizite aufwiesen, um die Versorgungssicherheit der Patienten in diesem Gebiet zu garantieren.

Wenn der Weg nach Hause allerdings zu weit sei, könnten die Schwangere auch gleich in der Klinik behalten und die Geburt künstlich eingeleitet werden, etwa durch Wehen fördernde Mittel, warnt Hebamme Schenk. „Die Zahl der programmierten Geburten, ob durch Kaiserschnitt oder künstlich eingeleitet, wird steigen“, ist sie sich sicher.

Es sei bedauerlich, dass der Start ins Leben in der Region Hannover noch mehr unter wirtschaftliche Zwänge gestellt werde. Am besten funktioniere Geburtshilfe in den Ländern, in denen sie als eine gesellschaftliche Aufgabe und nicht als ökonomisches Feld gesehen werde, wie in Skandinavien.

Saskia Döhner 
und Carina Bah

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