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Continental

Schluss mit Reifenproduktion: Hannover verliert ein Stück Identität

Von Conrad von Meding

Es ist nahezu egal, aus welcher Richtung man sich Hannover nähert – irgendwann trifft man immer auf ein Continental-Logo in dieser Stadt. Von Westen sind es die gelben Leuchtschriften am alten Lagerhaus an der Autobahnabfahrt Herrenhausen, im Südwesten prangt die Aufschrift auf dem Schornstein des einstigen Gummifabrikstandorts Limmer.
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Continental: Die Reifensparte wird Ende des Jahres geschlossen.

© Rainer Surrey

Von Südosten ist es der Werbepylon auf dem ADAC-Testgelände, von Norden präsentiert sich an der Vahrenwalder Straße das modernisierte Werksgelände. Und spätestens in der Innenstadt, am Königsworther Platz, springt einen das markante Ross aus dem alten Conti-Logo am heutigen Universitätsgebäude an. Continental und Hannover, Hannover und Continental – die Geschichte ist eng verbunden.

„Die Conti“ zählt nicht nur zu den wenigen Unternehmen, die aus Hannover stammen und Weltruhm erlangt haben. Sie hat viele Tausende Familien aus Hannover Lohn und Brot gebracht – allerdings in den letzten Jahrzehnten mindestens genauso häufig auch mit Entlassungswellen Schlagzeilen gemacht. Sie ist auch stets in der Stadt präsent gewesen. Nicht nur, weil kein Eilenriede- oder Maschseerennen in der Nachkriegszeit stattfand, ohne dass der Gummiproduzent als Werbesponsor in Erscheinung trat. Sondern auch, weil viele Jahrzehnte lang Bewohner besonders aus den nördlichen und westlichen Stadtteilen bei bestimmten Wetterlagen die Fenster zuschlugen, weil es so entsetzlich nach Gummi stank. Das ist die Nebenwirkung einer starken Industrieansiedlung in der Stadt.

138 Jahre lang währte die Reifenproduktion in Hannover, bevor sie zum Ende 2009 nun endgültig auslaufen soll. Echte Innovationen wurden hier in den 138 Jahren entwickelt und gefeiert, vor allem aber Reifen in Millionenstückzahlen produziert. Und nicht nur Reifen: Die Conti-Wärmflasche war ein echter Renner, bevor ihre Herstellung ausgerechnet im 125. Jubiläumsjahr 1996 eingestellt wurde. Regenmäntel, Haushaltswaren, Schuhsohlen hat Continental hergestellt. Inzwischen hat man sich unter dem neudeutschen Namen ContiTech eher auf Hochtechnologieprodukte wie Luftfeder- und Antriebssysteme spezialisiert – wobei der Markenname selbst für die Öffentlichkeit nach wie vor untrennbar mit Reifen verbunden ist.

Losgegangen ist alles mit einer an heutigen Maßstäben gemessen winzigen Fabrik an der Vahrenwalder Straße. „Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie“ heißt die 1871 gegründete Firma, die von Beginn an außer Weichgummiwaren auch Massivbereifungen für Kutschen und Fahrräder herstellt. Die Entwicklung geht Schlag auf Schlag: 1892 fertigt Continental als erste deutsche Firma luftgefüllte Reifen für Fahrräder, 1898 beginnt die Fertigung von zunächst profillosen Autoreifen in Vahrenwald. Drei Erfindungen aber begründen den Weltruf des Unternehmens: 1904 der erste Profilreifen für Autos, 1908 die Idee einer abnehmbaren Felge, die den Radwechsel enorm erleichtert, und dann 1943 schließlich das Patent für den schlauchlosen Reifen. Was später kam, waren dagegen nur noch Verfeinerungen der Pneutechnik, etwa der erste spikelose Winterreifen (1971) oder der Slogan vom „ersten umweltfreundlichen Autoreifen“ (1991), dem Conti-EcoContact.

Schon früh hatte das Unternehmen gelernt, durch Fusionen und Übernahmen zu wachsen. Ende der zwanziger Jahre verleibt Conti sich außer einem Gummiwerk im nordhessischen Korbach auch die Excelsior-Werke auf der Halbinsel in Limmer ein, später kommen Produktionsstätten in Northeim, Frankfurt, dann ganze Firmen- und Markenaufkäufe in Ost- und Südeuropa und Übersee hinzu. 1938 war der Grundstein für das Werk Stöcken gelegt worden, bis zuletzt wurde in diesen Standort investiert.

1996 hat Conti hier seine große Abteilung für Forschung und Entwicklung in einem Neubaukomplex zusammengefasst, 2005 noch rund 20 Millionen Euro in die Modernisierung der Lkw-Reifenproduktion gesteckt – die Maschinen werden jetzt wohl an andere Standorte gebracht. 2007 bereits endete in Stöckener die Produktion von Pkw-Reifen, etliche Hallen stehen seitdem leer. Auf der Conti-Halbinsel in Limmer reißt längst ein Bauunternehmer nach und nach die alten Fabrikhallen ab und bereitet das Gelände für Wohnbebauung vor. Weite Teile des Conti-Stammwerks an der Vahrenwalder Straße werden von ContiTech belegt, einige Verwaltungsbereiche sind nach Schließung des Standorts Königsworther Platz weit in den Norden in die Büttnerstraße verlegt worden.

Von der großen Conti sind in Hannover noch rund 7000 Arbeitsplätze geblieben. Zum Ende des Jahres sollen es nur noch etwa 6200 sein.

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  • Paradoxon carlo – 13.03.09
    ...die SPD wird genau schauen...

    Lachnummer. Die SPD schaut auf alles. Aber mit Sicherheit nicht aufs Geld.
  • Messe ?! Pedro Celli – 12.03.09
    ... Subvention ? Die Messe AG ist Eigentum von Stadt und Land. Mehr Subvention geht wohl nicht....
  • Messe AG - die Politik schaut genau hin!! Ralf Borchers, Mitglied der SPD-Ratsfraktion im Stadtrat – 12.03.09
    Lieber Kommentator,
    wer starke Sprüche klopft, sollte sich vorher kundig machen. Die Messe AG hat in den Jahren 2005 und 2007 noch gute Gewinne geschrieben und ist nun wirklich kein Pleiteunternehmen. Die Messe AG sichert nicht nur direkt 850 Jobs sondern rund 11.000 in Stadt Stadt und Region. Der Messewettbewerb ist national wie international beinhart, Messestandorte wie München, Berlin, Stuttgart weerden massiv subventioniert und bekommen neue Hallen sogar geschenkt. Deshalb ist es richtig der Messe AG zu helfen, aber die SPD wird genau schauen, was die Messe selbst zur Lösung der Krise tun will und wieviel Geld wirklich fließen muss!
  • Conti und die allgemeine Wirtschaft Ralf Kostka – 12.03.09
    hallo,

    man grübelt wirklich nur noch was da alles so abgeht.

    die leihfirmen schmeissen die leute reihenweise raus und die eigentlichen verdiener ziehen sich zurück, ja klar warum auch nicht ist doch egal was mit den kleinen leuten passiert.

    ein hoch auf unsere politiker die diese zustände eingetütet haben.
    als kleiner mann ist man schon sprachlos , die großen lässt man laufen und die kleinen werden büßen müssen, ob sie wollen oder nicht.

    lg Ralf Kostka
  • Sinkende Nachfrage?! Klar - weil es keine Reifen mehr gibt! Pirelli – 12.03.09
    Was für ein Blödsinn! Versuchen sie heute (Anfang März bei Schnee) mal gängige günstige Conti-Sommerreifen zu bekommen!!! Nicht mehr lieferbar.
    Das gleiche Anfang November für Winterreifen. Die KÖNNTEN viel mehr verkaufen, WOLLEN aber nicht.
  • Schade für Conti mm – 12.03.09
    Wenn gutbezahlte und studierte Manager
    einfach nur ein Werk "dichtmachen" und keine andere Lösung finden, ist das ganz schön traurig. Und kein Wort auf der Aufsichtsratssitzung verloren. Respekt! Am Tag vorher auch noch großartig den Lohnverzicht der Leitenden Angestellten an die Presse geben um dann am nächsten Tag 780 Mitarbeiter nach Hause zu schicken und Traditionen zu beerdigen. Wo sind all die guten Manager hin? Sicher nicht bei der Continental!
  • conti Schließung - Messe AG Hilfe M1 – 12.03.09
    Traurig mit anzusehen, daß ein traditionelles Wirtschaftsunternehmen ohne weitere Unterstützung der Stadt und des Landes seine Schließung vorbereitet. Andererseits wird ungefragt Steuergeld des Landes in Höhe von 250 Mio. Euro der Messe AG versprochen, obwohl bekannt ist, daß die Messe AG als ein staatlich beaufsichtigtes Unternehmen ständig nur noch rote Zahlen produziert.
    Steuerzahler büßen mal wieder für Mißwirtschaft in Staatsunternehmen und verlieren gleichzeitig ihren Arbeitsplatz in einem bisher profitablen Unternehmen.

    Zunächst sollten mal die verantwortlichen Messe AG Organe den plötzlichen Finanzbedarf erklären, bevor wieder Steuergelder veruntreut werden.

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