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Schluss nach 45 Jahren: Die Scorpions werden sich auflösen

Rockband Schluss nach 45 Jahren: Die Scorpions werden sich auflösen

Die hannoversche Rockband Scorpions löst sich auf. Aber sie können sich natürlich nicht verabschieden,
 ohne zuvor noch einmal auf Welttournee zu gehen. Und darum ist es mit dem Ende auch erst in zwei, drei Jahren so weit.

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„Wir wollen die außergewöhnliche Scorpions-Karriere mit einem Höhepunkt zu Ende bringen“, sagt Meine zur geplanten Tournee.

Quelle: dpa (Archiv)

Die Scorpions trennen sich nach 45 Jahren: Manches wird einem über die Jahre so vertraut, dass man es nicht mehr in Frage stellt. Die Scorpions? Stehen seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne. Ein Ende? Überhaupt nicht abzusehen. Es schien, als machten die beiden Frontmänner Klaus Meine und Rudolf Schenker mit ihren Kollegen Hardrock für die Ewigkeit. Noch vor zwei Jahren, als beide ihren 60. Geburtstag feierten, betonten sie, keinen Gedanken ans Aufhören zu verschwenden. Doch nun soll Schluss sein: Die Scorpions, einer der wichtigsten Exportartikel Hannovers, wollen sich auflösen. Nach 45 Jahren Bandgeschichte und nach mehr als 100 Millionen verkauften Platten, rund 200 Gold- und Platinauszeichnungen sowie 3000 Konzerten weltweit.

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In einer „wichtigen Nachricht an unsere Fans“ auf ihrer Homepage und in einer großen Boulevardzeitung verkündeten sie am Sonntag, dass ihr 22. Album „Sting In The Tail“, das am 19. März erscheint, zugleich ihr letztes sein wird. Aufgehört wird aber nicht sofort, sondern erst in zwei bis drei Jahren, nach einer finalen großen Welttournee. Nach langem, tapferen Bekunden, dass der Rock sie jung erhalte, denken Sänger Meine und Gitarrist Schenker jetzt erstmals öffentlich übers Altern nach. „Wir wollen nicht warten, bis wir unsere Leistung nicht mehr bringen können und dann gezwungen wären, einen Gang zurück zu schalten“, sagt Meine. Die Shows der Hardrocker aus Hannover seien schließlich nach wie vor nicht nur musikalische, sondern auch körperliche Arbeit. „Jetzt sind wir noch topfit, und unsere Fans sollen uns so in Erinnerung behalten, wie sie uns kennen.“

Die Scorpions machen es eben anders als der noch mal 40 Jahre ältere Johannes Heesters – und auch anders als die ihnen in Genre und Alter weit näher stehenden Branchenbrüder von den Stones, über deren Eintritt in die Rockerrente noch nichts überliefert ist. Meine und Schenker haben sich gefragt, wie lange sie ihren Beruf noch in Würde ausüben können – und sich entschieden, Schluss zu machen, bevor es peinlich wird. Doch die Scorpions wären nicht die Scorpions, wenn sie sich nicht stilgemäß verabschieden würden. Jetzt machen sie erst einmal das, was sie am liebsten tun: Sie gehen auf Tournee über alle fünf Kontinente.

Nach einer kleinen Reihe von Konzerten zum Aufwärmen, die am 15. März in Prag beginnen, ist der offizielle Tourstart am 7. Mai in Leipzig. „Wir wollten zum Abschluss in Deutschland anfangen“, sagt Meine – nachdem die Scorpions all die Jahre überall öfter aufgetreten sind als in der Heimat. Zwei, drei Jahre soll es dauern, erst danach wird endgültig eingepackt. Rund 200 Konzerte sind geplant, dazu gehört auch das bereits vor einigen Wochen bekannt gegebene Hannover-Heimspiel am 1. Juni in der TUI-Arena zum zehnten Jahrestag des Expo-Beginns. Mit ihrem „Moment of Glory“ hatte die Band im Jahr 2000 schließlich die Hymne zur Weltausstellung geliefert.

„Wir wollen die außergewöhnliche Scorpions-Karriere mit einem Höhepunkt zu Ende bringen“, sagt Meine zur geplanten Tournee. Noch immer empfänden er und seine Kollegen „Leidenschaft und Spaß“ für ihre Musik und Begeisterung, wenn sie vor den Fans in aller Welt auftreten. Den Ausschlag für die Entscheidung zum Aufhören habe die Arbeit am neuen Album gegeben: „Da haben wir eine solche Euphorie erlebt, dass wir gerade deswegen angefangen haben, darüber nachzudenken, was danach eigentlich noch kommen soll.“

Mit hannoversch-niedersächsischer Unaufgeregtheit haben der gebürtige Hainhölzer Meine, der heute in der Wedemark lebt, und der gebürtige Sarstedter Schenker, mittlerweile in Schwarmstedt zu Hause, weiter gedacht und ihre Schlüsse gezogen. Die Bandkollegen sind noch einige Jahre jünger: Gitarrist Matthias Jabs – der dritte in der Region beheimatete „Scorpion“ – ist 54 Jahre alt, Schlagzeuger James Kottak 47 und Bassist Pawel Maciwoda 42 Jahre. Aber wenn das für Musik und Text zuständige Dauerduo Meine und Schenker über den Rücktritt nachdenkt, dann gibt es eben auch die Scorpions nicht mehr. Dennoch, betont Meine, sei die Entscheidung, die Band nach der Tournee aufzulösen, eine gemeinsame gewesen. „Es ist doch am besten, das alles mit allen in Ruhe zu besprechen.“

Diese Unaufgeregtheit, dieses Ruhige passt genau zu der Art, wie sich die Scorpions all die Jahre gegeben haben. Trotz Weltkarriere sind sie die netten Rocker von nebenan geblieben, die sich stets zu ihrer Heimat oder „Homebase“, wie Meine es weltmännisch ausdrückt, bekannt haben. Ob in Moskau, in Rio oder an all den anderen Orten, an denen sie aufgetreten sind, haben sie unbezahlte Standortwerbung für Hannover gemacht, weil sie stets davon erzählten, wo sie herkommen. Da wundert es nicht, dass die Scorpions auch schon die Stadtplakette und den Stadtkulturpreis bekommen haben, beides im Expo-Jahr. Im Goldenen Buch haben sie sich sogar bereits zwei Mal verewigt, in den Jahren 1985 und 2000. Und vielleicht wird für die berühmten Söhne der Stadt ja zum Abschied noch eine dritte Seite freigehalten.

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