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Aus der Stadt Schmorl und von Seefeld – ein Name verschwindet
Hannover Aus der Stadt Schmorl und von Seefeld – ein Name verschwindet
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21:43 23.02.2012
Schmorl und von Seefeld wird ab dem 7. Juni in Hugendubel umbenannt. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Voraussichtlich am 7. Juni wird der Name Schmorl und von Seefeld endgültig aus Hannovers Innenstadt verschwinden. Dann sollen die Preisschilder umgeklebt, die Leuchtbuchstaben auf dem Dach modernisiert, die Markisen über den Schaufenstern ausgetauscht sein. Im Stadtbild wird dann ein weiterer traditioneller Handelsname fehlen. Für Maximilian Hugendubel aber ist es ein konsequenter Schritt. „Die Philosophie des Hauses wird sich nicht verändern“, sagt der Chef und Namensgeber der bundesweit aktiven Kette: „Wenn wir ehrlich sind, ist bei Schmorl seit 2005 Hugendubel drin – künftig steht es auch drauf.“

Damals war das alteingesessene Familienunternehmen von Martin Schmorl in die Insolvenz gerutscht. 30 der damals 107 Arbeitsplätze musste der Insolvenzverwalter streichen, um das gestrauchelte Geschäft zum Übernahmekandidaten zu machen. Als im November Hugendubel zugriff und zunächst 70 Prozent der Anteile übernahm (inzwischen sind es 100 Prozent), atmete Hannover auf: Keine anonyme Kette, sondern das Familienunternehmen Hugendubel hatte Schmorl übernommen. Die neuen Chefs aus München ließen sich mit Martin Schmorl vor dem Geschäft ablichten und versprachen, dass die Marke Schmorl und von Seefeld in Hannover erhalten bleibe – das verstehe sich schon aus ökonomischen Gründen. An das Versprechen haben sich die Hugendubels gehalten – bis gestern.

Wobei Maximilian Hugendubel gestern klar machte, dass die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. „Mit allem Respekt“ vor der Geschichte von Schmorl und von Seefeld habe man sich entschieden, das Geschäft umzufirmieren. Am Abend zuvor hatte er das bereits den Mitarbeitern verkündet. Die hätten es gefasst aufgenommen, zum Teil eigentlich begrüßt, sagt Filialleiterin Sigrun Richter. „Es ist der logische Schritt und auch gut für uns, denn wir können den Kunden künftig viel mehr Service bieten.“ Dabei geht es vor allem um das Internet.

Wie sehr die Veränderungen am Markt sogar den großen Filialketten zu schaffen macht, zeigt ein jüngstes Ranking für die Buchbranche. Demnach ist zwar immer noch Hugendubel der nach Thalia zweitgrößte Buchverkäufer – aber nur beim Vergleich der Buchgeschäfte. Längst liegt der Internethändler Amazon bei der Gesamtzahl verkaufter Bücher weit vorne.

Maximilian Hugendubel und sein Geschäftsführer Thomas Nitz wollen dem Netzriesen das Geschäft nicht kampflos überlassen. Im Weihnachtsgeschäft habe man ein Experiment gemacht, berichteten beide gestern in Hannover: Mit gezielter Ansprache sei versucht worden, die eigene Kundschaft auf die eigene Internetpräsenz zu locken. „Wenn unsere Kunden schon am Sonntag im Netz Bücher kaufen, dann wenigstens bei Hugendubel und nicht bei Amazon“, sagt Maximilian Hugendubel. Zahlen gibt es nicht, aber als Erfolg wollen die Chefs das Experiment in jedem Fall werten. Weil aber der Aufwand zu hoch sei, Schmorl-Kunden mit gesonderter Werbung auf gesonderte Internetpräsenzen zu locken, werde das Unternehmen nun auch namentlich integriert. „Multi-Channel-Strategie“ heißt das in Neudeutsch und bedeutet nichts als die alte Kaufmannsweisheit, dass man besser verkauft, wenn man verschiedene Zielgruppen mit möglichst wenig Aufwand anspricht.

Der Onlineshop von Hugendubel solle 20 Millionen Artikel umfassen, wirbt das Unternehmen: außer Büchern und DVDs etwa auch Elektronikgeräte oder Geschenke – und natürlich elektronische Bücher, die sich steigender Nachfrage erfreuen. Auf keinen Fall dürfe man eine ähnliche Pleite erleben wie bei der Einführung von Navigationsgeräten, sagt Maximilian Hugendubel. „Wir dachten, dass die Leute ganz selbstverständlich bei uns ihre Navis kaufen würden, weil sie ja bisher auch ihre Straßenpläne bei uns gekauft hatten – aber der Markt hat völlig anders reagiert.“ Keine Experimente hingegen wolle man sich künftig mit Randsortimenten liefern. „Gummistiefel zum Gartenbuch – das wird es bei Hugendubel nicht geben“, verspricht die Geschäftsleitung mit Blick auf die Angebote der Konkurrenz.

  • Reaktionen verhalten: Bei den Innenstadthändlern wurde die Nachricht gestern ohne Aufregung registriert. „Hugendubel hat jahrelang unter Beweis gestellt, dass man zu Hannover gehört“, sagt Martin Prenzler von der Händlervereinigung City-Gemeinschaft. Die Integration sei „wirtschaftlich selbstverständlich richtig“ – allein die Kosten, zwei Marken zu pflegen, seien auf Dauer nicht sinnvoll.
  • Buchhandel vielfältig: Seit Jahren wird der Buchhandel totgesagt – trotzdem hat Hannover noch deutlich mehr als ein Dutzend Buchgeschäfte. In der Innenstadt wirtschaften außer Schmorl und der Filialkette Lehmanns das inhabergeführte Decius und die Christliche Buchhandlung an der Marktkirche sowie in der Lister Meile Leuenhagen & Paris. Hinzu kommen in den Stadtteilen zahlreiche Geschäfte wie Cruses Buchhandlung (siehe Interview unten), das mehrfach preisgekrönte Litera nahe dem Lister Platz, die aus der Hahnschen Buchhandlung hervorgegangene Kleefelder Buchhandlung, ArteP in Döhren, Annabee in Linden oder Böhnert in  Kirchrode. Manch einer hat längst den Sprung geschafft – Decius hat sich in Jahrzehnten von einer Fachbuchhandlung für Juristen zu einer landesweiten Marke mit elf Buchhandlungen entwickelt. Gerade erst ist ein Geschäft in Winsen hinzugekommen, das Geschäftsführer Walter Treppmacher mit seinem Team übernommen hat. Ähnlich war es in Uelzen – auch dort hatte Decius es zunächst beim eingeführten Namen belassen. „Nach vier Jahren haben wir ihn aber schließlich auf Decius umgestellt“, sagt Treppmacher: „Unterschiedliche Markennamen zu verwalten ist in der alltäglichen Logistik einfach zu aufwendig.“
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