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Schockbilder schrecken die Falschen ab

Zigaretten Schockbilder schrecken die Falschen ab

Seit einiger müssen die Zigarettenhersteller sogenannte Schockbilder auf die Packungen drucken. Einen Rückgang bei den Verkaufszahlen hat es deshalb aber noch nicht gegeben. Vielmehr ekeln sich Nichtraucher in Supermärkten vor den abschreckenden Fotos, die oft nicht zu übersehen sind.

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Raucher stören sie nicht, andere Supermarkt-Kunden sind wenig begeistert: Schockbilder auf Zigarettenpackungen.

Hannover. Ein Mann mit Loch im Hals, verfaulte Zähne, eine Raucherlunge oder eine Blut spuckende Frau - seit Anfang Mai warnen Schockbilder auf Zigarettenschachteln vor den Folgen des Rauchens. Doch die Wirkung der Ekelfotos scheint nicht so abschreckend zu sein, wie die EU-Kommission gehofft hat. Bisher lassen sich offenbar nur wenige Raucher davon abhalten, zur Zigarette zu greifen. „Mich stören die Bilder nicht. Ich wusste ja vorher schon, dass das Rauchen schädlich ist“, sagt etwa Olaf Lampe. Der 46-Jährige aus Hannover raucht seit drei Jahrzehnten und lässt sich auch von den Fotos nicht davon abbringen. „Die Bilder haben mich zum Nachdenken angeregt, aber aufhören werde ich nicht“, sagt er.

Der Deutsche Zigarettenverband verzeichnet bisher keinen Rückgang beim Absatz von Tabakwaren im Handel - auch wenn das Statistische Bundesamt mitteilt, dass im dritten Quartal des Jahres weniger Zigaretten versteuert wurden. Das liege daran, dass bis Mai kräftig vorproduziert wurde, um die technischen Umstellungen wegen neuer rechtlicher Regelungen aufzufangen. „Eine Momentbetrachtung nach wenigen Wochen zeigt ein ruhiges Bild“, sagt Doreen Neuendorf, Pressesprecherin der Reemtsma Cigarettenfabriken mit Standort in Langenhagen.

Auch in der Bevölkerung herrscht Skepsis: Laut Forsa-Studie für die DAK-Krankenkasse glauben nur rund 20 Prozent der Befragten, dass Raucher wegen Fotos von Krebsgeschwüren und Raucherlungen die Finger von der Zigarette lassen. Diese Einschätzung können auch Kioskbetreiber in Hannover bestätigen. „Wir haben vielleicht zwei Stammkunden, die keine Zigaretten mehr holen“, sagt Arzu Zengi vom Kiosk Zengi in der List. Ihrer Erfahrung nach würden sich eher Nichtraucher als Raucher vor den Bildern ekeln. „Mich persönlich, als Nichtraucherin und Mutter, stören die Fotos schon eher“, sagt sie.

„Nichtraucher ekeln sich vor den in der Kassenzone massenhaft auftretenden Schockbildern und äußern zunehmend ihren Unmut gegenüber unseren Kassiererinnen und Kundendienst-Mitarbeitern“, bestätigt Rossmann-Pressesprecher Stephan-Thomas Klose. „Die Raucher unter unseren Kunden hingegen sind mündig, wissen, was sie tun, und lassen sich nicht gängeln.“ Sich das Rauchen von den unappetitlichen Bildern vermiesen zu lassen kommt auch für Kevin Meyer nicht infrage, der gerade eine Schachtel bei Zengi am Kiosk kauft. „Für Kinder ist das vielleicht ekelig, aber mich stört es nicht“, sagt er und steckt die Schachtel ein, die einen Aschenbecher zeigt. Die Asche darin ist geformt wie ein Fötus - der Käufer findet’s harmlos. Die Zielgruppe scheinen die Bilder also zu verfehlen. Meyer kennt sogar Menschen, die sich einen Spaß daraus machen, möglichst viele verschiedene Motive zu sammeln. „Ja, das gibt es hier auch“, sagt Zengi. Für die solle sie sogar bestimmte Motive raussuchen. „Die sagen dann wirklich: ,Nee, die Lunge habe ich schon - hast du vielleicht das und das Bild für mich?‘“

Andere Kunden würden hingegen einfach zu kleinen Tricks greifen, um die Bilder nicht ständig sehen zu müssen: „Einige haben alte Schachteln aufbewahrt, andere kaufen sich Hüllen für die Schachteln“, sagt Zengi. „Und manche wechseln zu weniger beliebten Marken, bei denen es noch alte Schachteln gibt.“

Diese Erfahrung hat auch Kadir Topcuoglo vom Calenberger Kiosk in der Calenberger Neustadt gemacht. „Die Leute finden’s nicht toll, kaufen die Schachteln aber trotzdem“, sagt der Kioskbesitzer. Nur ab und an müsse sich nun ein Kunde von seinem Kind anhören, ob er denn auch so eine ekelige Lunge hat oder ob sein Zeh zu faulen anfängt. „Aber am Ende greifen auch die wieder zur Schachtel“, sagt er. „Ich denke, es gibt keine Maßnahme, die wirklich etwas bringt.“

Dennoch: Auf manche Menschen scheinen die Bilder zu wirken. „Ich habe weniger Kunden, seitdem es die Bilder gibt“, sagt Muhammet Uckun vom Kiosk 89. Auch wenn das für’s Geschäft schlecht ist, der Kioskbesitzer freut sich: „Ich finde das gut. Wenn weniger Leute Zigaretten kaufen, kann man sie vielleicht irgendwann abschaffen.“

Aufhören muss gut vorbereitet sein

Die Schockbilder auf Tabakwaren hätten sehr wohl einen Effekt, da ist sich Professor Thomas Hillemacher sicher. Der Bereichsleiter Suchtmedizin an der MHH glaubt, dass vor allem Menschen, die gerade erst mit dem Rauchen begonnen haben, sich davon abschrecken lassen. „Dass die Bilder Schwerstabhängige vom Rauchen abbringen, bezweifele ich allerdings“, sagt der Suchtexperte, der auch im Rauchfrei-Programm der MHH Rauchern beim Aufhören hilft. Wer mit dem Rauchen aufhören will, sei in solchen Entwöhnungskursen gut aufgehoben. Dort treffe man Gleichgesinnte, die einen zum Durchhalten motivieren. Auch lernen Betroffene, ihr Verhalten besser zu verstehen, also wann und warum sie zur Zigarette greifen. „Bei vielen ist das Rauchen unbewusst an andere Reize – wie das Feierabendbier – gekoppelt“, sagt er. Diese Muster müsse der Raucher erkennen und dann einen Ersatz schaffen. „Man kann beispielsweise die Zigarette nach dem Essen mit einem Spaziergang ersetzen“, sagt der Mediziner. Denn aus einer Laune heraus aufzuhören sei meist erfolglos. „Man muss sich schon vorbereiten und den richtigen Zeitpunkt wählen.“ Wer beispielsweise kurz vor einem Examen aufhören will, scheitere eher als jemand, der dies in einer stressfreien Zeit angehe.

lis

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