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Aus der Stadt „Schon Schwangere können ihren Kindern vorlesen“
Hannover Aus der Stadt „Schon Schwangere können ihren Kindern vorlesen“
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00:15 20.11.2016
Von Jutta Rinas
Birgit Nerenberg (60) war mehr als 25 Jahre lang Inhaberin der Buchhandlung Sternschnuppe. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Lesestart“ Hannover und geht selbst regelmäßig zum Vorlesen in Krippen und Familienzentren: wie zum Beispiel in die AWO-Kita Schweriner Straße.  Quelle: Katrin Kutter
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Frau Nerenberg, warum ist Vorlesen so wichtig?

Vorlesen ist für die Sprachentwicklung wichtig. Kinder, denen vorgelesen wird, haben viel früher einen größeren Wortschatz, ihre Vorstellungskraft, Fantasie wird entwickelt. Vorlesen ist aber auch immer eine Liebeserklärung der Eltern an die Kinder. Man rückt ganz eng zusammen. Vorlesen bedeutet auch Nähe, Körperkontakt.

Es gibt heute ja sogar schon Bücher für Säuglinge. Wann sollte man mit dem Vorlesen beginnen?

So früh wie möglich. Ich denke, sogar Schwangere können ihren Kindern schon vorlesen, damit sie die Stimme der Mutter hören. Ich bin überzeugt, dass sich die intime Stimmung beim Vorlesen auf ein Ungeborenes überträgt. Die Sprachentwicklung von Neugeborenen wird allein schon durch das Hören gefördert. Als erstes Buch, das man Babys in die Hand geben kann, empfehle ich immer die Baby-Pixis vom Carlsen-Verlag. Die sind unkaputtbar, können angelutscht oder in die Badewanne mitgenommen werden - und kosten nur 2,99 Euro.

Sie gehen selbst viel in Kindergärten. Lesen Sie auch in Krippen vor?

Ja, schon für Kinder ab 16 Monate. Wenn ich dann Bilderbücher wie das über die Kuh Lieselotte von Alexander Steffensmeier vorlese, ahme ich alle Tierstimmen nach, zähle laut, zeige auf die Gegenstände. Ich versuche, die Bilder zum Leben zu erwecken. Das gefällt sogar Kindern, die noch nicht richtig sprechen können.

Studien zeigen, dass das Vorlesen heute nicht mehr so hoch im Kurs steht. In 30 Prozent der Familien mit Kindern von zwei bis acht wird selten oder gar nicht vorgelesen. In bildungsfernen Familien noch viel weniger. Merken Sie das, wenn Sie in die Kitas gehen?

Nein. Ganz gleich in welchem Stadtteil ich vorlese, ob im Sahlkamp oder in Groß-Bucholz: Es kommen immer 20 bis 40 Kinder. Meine Erfahrung ist: Die meisten Kinder lieben das Vorlesen.

Viele Kinder heute lieben aber auch das Smartphone oder das iPad ihrer Eltern. Hat das Kinderbuch noch eine Chance gegen die sozialen Medien?

Ja. Das ist einfach etwas anderes, ob ich in einem Bilderbuch vor- und zurückblättere, oder es auf dem iPad oder als E-Book anschaue. Ich verteufle die modernen Medien nicht, auch nicht die Spieleapps: Memory zum Beispiel. Das finde ich gut. Aber Kinder lieben Bücher. Und wenn man ihnen dieses Angebot über das Vorlesen macht, greifen sie zu.

Sollte man besser aktuelle Bücher vorlesen, oder solche von früher, die man selbst geliebt hat?

Das ist unwichtig. Wichtig ist, dass man Bücher vorliest, an denen man selber Spaß hat. Bei Büchern von früher transportiert man eigene Erfahrungen mit. Ich würde dann aber immer die Kinder zuerst ihre Eindrücke schildern lassen und dann selbst etwas sagen, sonst gibt man den Kindern zu viel vor.

Manche Bücher von früher sind heute in Verruf geraten. Die frühere Familienministerin Kristina Schröder etwa erfand beim Vorlesen für die anderthalbjährige Tochter Lotte neue Worte für den „Negerkönig“ in Pippi Langstrumpf, die Märchen der Brüder Grimm fand sie oft sexistisch. Deshalb las sie auch andere Märchen vor.

Ach Gott, diese Bücher sind eben in einer anderen Zeit geschrieben. Kinder verstehen das sofort, wenn man es ihnen erklärt. Das finde ich vollkommen unproblematisch.

Was macht ein richtig gutes Kinderbuch aus?

Das Wichtigste ist: Es sollte dem Vorleser und dem Zuhörer Spaß machen. Die Illustrationen sollten ausdrucksstark sein. Kinder im Vorschulalter lieben Bilderbücher mit Überraschungseffekten, mit Wortwitz, auch mal mit Worten, die ein bisschen anstößig sind. Ein Dauerbrenner bei mir ist zum Beispiel das Bilderbuch „Pipikack“ von Stephanie Blake aus dem Moritz-Verlag. Die Kinder lieben es, wenn der kleine Hase Simon zu allem Pipikack sagt - und wenn er dann am Ende zu Pups wechselt, ist die Freude noch mal groß.

Interview: Jutta Rinas

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