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Aus der Stadt Schüler bringen 45 Ideen in die Ratspolitik ein
Hannover Aus der Stadt Schüler bringen 45 Ideen in die Ratspolitik ein
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22:06 28.05.2013
Von Andreas Schinkel
Mehr als 100 Schüler nehmen am Politik-Planspiel „Pimp Your Town“ teil. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Der große Sitzungssaal im Rathaus ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Anders als üblich hält sich das Hintergrundgemurmel in Grenzen, Zwischenrufe bleiben aus, man lässt den Gegner ausreden. Die disziplinierte Debatte führen an diesem Dienstagvormittag nicht die Profis aus Hannovers Ratspolitik, sondern Jugendliche zwischen 13 und 25 Jahren. Die mehr als 100 Schüler nehmen am Politik-Planspiel „Pimp Your Town“ (was in etwa mit „Verschönere deine Stadt“ übersetzt werden kann) teil und schlüpfen drei Tage in die Rolle von Kommunalpolitikern.
Die Schüler diskutieren in kleinen Gruppen, was sie in Hannover ändern wollen, schreiben Anträge und stimmen im großen Plenum über die Forderungen ab. Insgesamt 45 Ideen für die Stadtpolitik sind so zusammengekommen. Hilfe bekommen die Schüler von den Profis aus der Ratspolitik. „Aber die Politiker halten sich zurück und geben nichts vor“, betont Monika Dehmel vom Verein „Politik zum Anfassen“, der das Planspiel organisiert. Die Schüler sollen ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

„Pimp Your Town“ ist ein Erfolgsmodell. Bereits zum fünften Mal stürmen Schüler das Rathaus, und nicht wenige ihrer Anträge haben ihren Weg in die Ratspolitik gefunden. Durchschnittlich acht bis zehn der Schülerforderungen, so schätzt Dehmel, werden vom Rat am Ende auch beschlossen. „Am Anfang von ,Pimp Your Town‘ waren es aber mehr“, räumt die Initiatorin des Projekts ein. Inzwischen regt sich Kritik aus den Reihen der Ratspolitik, die das Schülerprojekt zwar noch immer für eine gute Sache hält, aber anregt, über eine Erneuerung nachzudenken. Denn die Themen wiederholen sich, meint die CDU.

Mehr als 100 Schüler nehmen in diesem Jahr am Politik-Planspiel „Pimp Your Town“ teil. Am Dienstagvormittag versammelten sich die Jugendlichen im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses und debattierten über die Forderungen, die sie zuvor in kleineren Gruppen erarbeitet hatten.

Ganz von der Hand zu weisen ist der Einwand nicht. Auch jetzt stehen wieder Wünsche auf der Liste, die in ähnlicher Form bereits von den Vorgängern der „Pimp Your Town“-Teilnehmer formuliert wurden. Erneut fordern die Schüler ein kostenloses W-LAN auf Hannovers Plätzen, eine bessere Ausstattung ihrer Schulen und mehr Sportmöglichkeiten in der Stadt. „Dann fehlen eben immer noch Lösungen“, sagt Dehmel dazu.

Bei manchen Forderungen sind sich die Schüler selbst nicht sicher, ob sie umgesetzt werden können. Dazu zählt die 14-jährige Lea den Antrag ihrer Schule auf einen kostenlosen Internetzugang. Es entspinnt sich eine kontroverse Debatte um den W-LAN-Wunsch der Leibnizschüler. „Das ist viel zu teuer für die Stadt“, sagt Aleksandra von der Berufsschule 6. Zudem habe jeder die Möglichkeit, eine günstige Flatrate zu erwerben. Auch könne niemand gewährleisten, dass sich Computerhacker die Verbindung zunutze machen. Die Leibnizschüler geben nicht auf. „Es bringt viele Vorteile, auch schulischer Art, wenn wir ein W-LAN-Netz in der Stadt hätten“, sagt Wilm. Am Ende lehnt die Mehrheit des Schülerplenums den Antrag ab. Volle Zustimmung erhält dagegen die Idee der Südstadtschule, mehr öffentliche Toiletten in der Stadt aufzustellen. Man ahnt jedoch, dass die Ratspolitik am Ende einen sogenannten Prüfauftrag aus der Forderung macht. Die Stadt solle zunächst schauen, wo und ob es Bedarf an WCs gibt. Das ist das Los vieler Schüleranträge.

Im vergangenen Jahr hatten nahezu alle Parteien im Rat die Forderung aus dem Planspiel unterstützt, mehr Abfalleimer mit Mülltrennung auf stark frequentierten Plätzen aufzustellen. Der Vorschlag wurde als Prüfauftrag formuliert, vor zwei Wochen präsentierte die Stadt im Umweltausschuss ihr Ergebnis: Der Müllentsorger aha rät davon ab, mehr Eimer mit Müllfächern aufzustellen, weil die Bürger den Abfall nicht sorgfältig genug trennten. Kosten und Nutzen stünden in einem Missverhältnis. Ein Gegenbeispiel ist die Schülerforderung nach überdachten Spielplätzen. „Niemand nahm an, dass das Chancen auf Realisierung hat“, sagt Dehmel. Doch Jahre später bekommt mancher Sandkasten einen Regenschutz.

„Die Mühlen mahlen in der Politik sehr langsam“, meint die 13-jährige Hanna. Um Profipolitikerin zu werden, fehle ihr die Geduld.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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