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Aus der Stadt Der erste Schultag nach dem Brand
Hannover Aus der Stadt Der erste Schultag nach dem Brand
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00:15 23.11.2013
Von Bärbel Hilbig
Alle einsteigen: Die Schüler der Goetheschule haben nach dem Brand ihres Schulgebäudes zum ersten Mal unterricht in der Ihmeschule in Linden. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Vom Pausenhof der Ihmeschule in Linden-Mitte dringt fröhlicher Kinderlärm. Er verdeutlicht ganz gut, wie die Schüler der brandgeschädigten Grundschule am Goetheplatz ihren ersten Schultag in ihrem befristeten neuen Domizil erleben. Die meisten erkunden neugierig und fröhlich die Umgebung und freuen sich, nach drei freien Tagen ihre Mitschüler und Lehrer wiederzusehen.

Die ganze erste Etage, Verwaltung und der Pausenhof stehen ausschließlich den Grundschülern und ihren Lehrern zur Verfügung. In einem anderen Gebäudeteil lernen Schüler der Helene-Lange-Schule. „Es ist wirklich gut, dass wir überhaupt zusammenbleiben können und uns nicht auf verschiedene Schulen aufteilen müssen“, betont Schulleiterin Marianne Herschel. Mitarbeiter der Stadt hätten die leerstehenden Räume in rasantem Tempo eingerichtet und geputzt, Computer und Telefone angeschlossen.

In den Fluren hängen sogar noch bunte Bilder aus Kinderhand. Überbleibsel der Förderschule, die das Gebäude erst im Sommer 2013 verlassen hat. Dennoch werden Grundschüler und Lehrer in den nächsten Wochen notgedrungen mit Einschränkungen leben müssen. Die gewohnten Räume für Werken, Musik, Computer, Bewegung und auch die Schülerbücherei fehlen. „Das Grundprogramm läuft, alles drumherum ist nicht möglich“, sagt Schulleiterin Herschel. Den Bewegungsraum nutzten die Lehrer auch für das schuleigene „Freundlich und Fair“-Programm, eine Unterrichtsstunde zum Einüben von sozialem Verhalten.

Unterricht im unbekannten Gebäude: Die Schüler der Goetheschule hatten am Mittwoch ihren ersten Schultag in die Lindener Ihmeschule.

Die meisten Lehrmittel der Grundschule in der Calenberger Neustadt, oft mit viel Arbeit von den Lehrern selbst entwickelt, lagerten in einem Raum im Erdgeschoss des beschädigten Gebäudes. Sie sind nach dem Brand hoch mit Schadstoffen belastet und müssen entsorgt werden. „Wir müssen jetzt improvisieren und kreativ sein“, sagt Herschel. Eine schnelle Notbestellung für Arbeitshefte und Bücher ist auf den Weg gebracht. In der Ihmeschule bespricht Lehrerin Anne Schneekloth mit ihren Viertklässlern am ersten Schultag nach dem Brand den Wasserkreislauf mit Regen, Verdunstung, Wolkenbildung. Die Kinder wollen nun selbst ein Plakat gestalten, das ihnen die Phänomene dann anschaulich macht.

Von den umliegenden Grundschulen kamen bereits etliche Hilfsangebote. „Wir können uns dort manches ausleihen“, sagt Herschel. Doch auch das will erst einmal organisiert sein. Die Grundschule Am Lindener Markt hat die Kinder vom Goetheplatz zum Weihnachtskonzert eingeladen. Auch zu Projekttagen und Vorlesestunden sind sie mit ihren Lehrern willkommen. „Die anderen Grundschulen sind sehr hilfsbereit. Jeder tut, was er kann“, sagt Herschel.

Der Brand hat alle Schüler- und Personalakten, Statistiken und Konzepte vernichtet. Herschels Büro wurde gerade frisch renoviert, deshalb hatte sie alles in das dann ausgebrannte Sekretariat ausgelagert. Manches lässt sich wieder herstellen, die Aufzeichnungen der Lehrer über die Kinder aber nicht. „Für manche Schüler ist das vielleicht gar nicht so schlecht“, merkt die Schulleiterin an.

Ob die Sachen der Kinder in den Klassen noch zu benutzen sind, wird sich erst nächste Woche herausstellen. Die Analyse des Chemikers dauert an. Die Grundschüler sehen die ganze Situation weitgehend unbekümmert. Ein Junge meinte gestern mit Blick auf die neue Schule: „Man gewöhnt sich an alles.“

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