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Schüler erinnern an Holocaust

Gedenkstätte Ahlem Schüler erinnern an Holocaust

Es war eine bewegende Veranstaltung: Schüler der Sophienschule erinnerten in der Gedenkstätte Ahlem am Holocaust-Gedenktag an die NS-Zeit - und erteilten allen Versuchen, die Erinnerungskultur umzukrempeln, eine klare Absage. Auch Alice-Salomon-Schüler erinnerten an die Judenverfolgung.

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Kranzniederlegung: In Ahlem gedachten Überlebende und Schüler der NS-Opfer.

Quelle: Petrow

Hannover. Sie hat schon viele Gedenkveranstaltungen dieser Art absolviert. Seit 1996 ist der 27. Januar bundesweiter Holocaust-Gedenktag, und für Politiker, die zum  Jahrestag der Auschwitz-Befreiung sprechen, ist der rhetorische Rahmen eigentlich eng gesteckt. In den meisten Reden heißt es, dass man aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen müsse und dass es eine kollektive Verantwortung gebe. In diesem Jahr jedoch findet Doris Klawunde sehr persönliche Worte: "Erstmals ist jetzt die Gedenkkultur selbst in die Diskussion geraten", sagt die stellvertretende Regionsvorsitzende in der Gedenkstätte Ahlem nachdenklich: "Es herrscht ein Klima in unserem Land, das beängstigend ist."

In der Gedenkstätte Ahlem haben Schüler der Sophienschule Kränze als Erinnerung an die Holocaust-Opfer niedergelegt. Am 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. 

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Eigentlich steht bei Gedenkveranstaltungen wie dieser die Vergangenheit im Mittelpunkt, aber in diesem Jahr geht es eher um die Gegenwart - und das liegt am AfD-Politiker Björn Höcke, der jüngst eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert und das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Mahnmal der Schande" tituliert hat. "Dieser Mann ist eine Gefahr für unser Land", sagt Bürgermeister Thomas Hermann vor rund 150 Gästen in Ahlem.

Holocaust-Überlebende wie Ruth Gröne, Henry Korman und Salomon Finkelstein sind zur Gedenkstätte gekommen, doch vor allem sind hier Jugendliche. Schüler der Sophienschule gestalten die Feier musikalisch und mit szenischen Lesungen. Ehe die Besucher Kränze niederlegen, erteilen Jannik Niehof und Merlin Walther aus dem 12. Jahrgang allen Versuchen, die Erinnerungskultur umzukrempeln, eine klare Absage: "Mit zunehmender zeitlicher Distanz steigt die Gefahr des Vergessens", sagt Jannik Niehof. Gerade, weil die junge Generation keine persönlichen Bezüge mehr zur NS-Zeit habe, seien Gedenkveranstaltungen so wichtig.

"Wir wollen dem Vergessen entgegentreten", sagt auch Sabine Sahling, Leiterin der Alice-Salomon-Schule. In ihrer Gedenkstunde zum Holocaust erinnern die Berufsschüler vor rund 250 Zuschauern mit Musik, Interviews, Filmen und Vorträgen an das Leiden der Juden, ziehen aber auch die Verbindung zur Ausländerfeindlichkeit von heute. "Früher hieß es, Juden seien kriminell, wollten nur unser Geld und nähmen uns die Arbeitsplätze weg", schreiben Schülerinnen in einer Geschichtsfacharbeit, "heute wirft man den Ausländern dasselbe vor." Die Elftklässlerinnen haben Flüchtlinge aus der Sprintlernklasse der Berufsschule befragt. Ihr Fazit: "Die jungen Menschen wünschen sich keine Smartphones oder neue Turnschuhe, sie möchten einfach nur akzeptiert werden." So wie Mustafa (24), der vor zwei Jahren aus dem Irak gekommen ist und mittlerweile so gut Deutsch spricht, dass er eine Lehre zum Augenoptiker macht. Oder Majid (22), der vor dem Krieg im Irak geflohen ist und jetzt einfach nur glücklich ist, in Sicherheit zu sein und Deutsch zu lernen. So viel Versöhnliches am Holocaust-Gedenktag.

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