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Hannover Aus der Stadt Übersicht

Demo am Schneiderberg

Schüler schwänzen für Bildung

Rund 500 Studenten und Schüler haben am Montagmittag das Uni-Gebäude am Schneiderberg in Beschlag genommen. Die Demonstranten, die für ein besseres Bildungssystem eintreten, sprachen von einer „Besetzung“ des Komplexes, in dem die sozialwissenschaftlichen Institute untergebracht sind.

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Die Uni-Leitung zeigte sich ebenso überrascht wie Professoren und Dozenten. Ein Teil der Lehrveranstaltungen musste abgebrochen werden. Nach Angaben der Organisatoren des „Bildungsstreiks“ blieben bis abends 80 Aktivisten im Gebäude – darunter auch Schüler –, von denen einige dort übernachten wollten. Die Institutsleitungen hätten sich am Abend zudem einverstanden erklärt, die Demonstranten eine Woche im Gebäude zu dulden.

Zu den Protesten aufgerufen hatte das „Bildungsbündnis“, ein loser Zusammenschluss aus Studenten- und Schülervertretern sowie linken politischen Gruppen. Auch der AStA der Uni unterstützt die Aktionen. Offenbar hatten Aktivisten des Bündnisses an hannoverschen Schulen mit Flugblättern mobilisiert. Nach Angaben von Josefine Walter, 17-jährige Schülerin der IGS Linden und eine Sprecherin des Bündnisses, waren gestern 300 Schüler von Gymnasien und IGSen aus Linden, List, der Südstadt und der Nordstadt dabei. Die Polizei bestätigt die Zahlen, allerdings seien die Protestzüge durch die Stadt nicht angemeldet gewesen. Daher sei gegen drei 18- bis 20-Jährige ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet worden. Mehrere Schüler kritisierten, dass Lehrer sie daran gehindert hätten, an den Aktionen teilzunehmen.

An der IGS Linden und an der Lutherschule seien die Türen von innen verschlossen worden. „Das wäre absolut unüblich für uns“, sagt Christoph Walther, Leiter der IGS. Auch im Kultusministerium geht man davon aus, dass Schüler nicht eingeschlossen wurden. Die Schulleitungen könnten aber im Zuge ihres Hausrechts Gruppen von außen den Zugang verweigern. Die Teilnahme an Demonstrationen rechtfertige nicht das Fernbleiben vom Unterricht. Im Einzelfall könne das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit aber Vorrang haben – wenn sich das Ziel der Demo nach Unterrichtsschluss nicht verwirklichen lässt und dem Bildungsauftrag der Schule entspricht. Wenn Eltern die Beurlaubung beantragen, entscheidet der Schulleiter darüber. Der Termin der am Dienstag geplanten landesweiten Demo sei geschickt gewählt, meint ein Schulleiter. „Die Zeugnisnoten stehen fest. Der Schaden für Schüler, die unentschuldigt fehlen, hält sich so in Grenzen.“

Juliane Kaune und Bärbel Hilbig


  • falscher Ort Holbinger – 22.06.09
    In den 90er Jahren haben wir in meiner Heimatsstadt, die seit 725 Jahren die Unterschlagung eines Kammerjägers feiert, einen Bildungsstreik durchgeführt. Schüler aller Schulen sind damals mit großen Transparenten zum Rathaus gezogen, dem Ort, wo politische Entscheidungen gefällt werden. Warum man in Hannover da das Gebäude besetzen und verschandeln muss, wo über Politik gesprochen wird, bleibt mir weiterhin, bei allem nötigen Respekt ein Rätsel. Immerhin gibt es ja in Hannover auch noch den Landtag, oder andere Plätze, wo die Streiks eine weite Öffentlichkeit erreichen können. Ob nun Randgruppen oder nicht beteiligt waren, mag ich nicht zu beurteilen. An das IPW zu gehen, zeigt jedoch, daß der Streik eine RANDERSCHEINUNG bleiben wird. Schade, 300 Leute kann man effektiver einsetzen, oder um, als Sozialdemokrat aus dem 2. Teil der Biografie unseres vorletzten Reichskanzlers zu zitieren, geht es schliesslich immer darum, eben die Gruppen zu erreichen, die am entferntesten von der eigenen Meinung sind, und da wäre der KöWo oder die MHH wahrscheinlich doch besser gewesen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Sachbeschädigung Basti – 19.06.09
    Von "Charme" des Schneiderbergs zu sprechen ist eine starke Verharmlosung der Geschehenisse. Die Aktionen werden von der Breite der Studenten aus den betreffenden Instituten nicht getragen und solche "Innendesign" werden erst recht nicht gutgeheißen. Es bleibt Sachbeschädigung.

    Es ist schade, dass Sachbeschädigungen im Deckmantel einer selbsterklärten guten Sache für straffrei gedacht wird. Der Tatbestand bleibt aber natürlich dennoch erhalten und dem sollte selbstverständlich auch nachgegangen werden.
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  • Vandalismus isa – 17.06.09
    Der Schneiderberg 50 zeichnet sich dadurch aus, dass derartige gesprühte Statements das "Innendesign" und den Charme des Gebäudes ausmachen. Von Vandalismus zu sprechen ist nonsens.

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  • Protest für wen? Rxt – 16.06.09
    Ich seh das wie Student und Hannes. Absolut falscher Ort gewählt. Die Hauptuni oder der Conti Campus wären eher geeignet gewesen um Aufsehen zu erregen. Am Schneiderberg ist man da eher außen vor. Da sich die Institute Sozialwissenschaften und politishce Wissenschaft im Gebäude befinden wirkt das eher wie eine Eroberung auf eigenem Territorium. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Ärgerlich... Student – 16.06.09
    ...ist lediglich die Tatsache, dass die besetzten Gebäude eigentlich der falsche Ort dafür sind, weil dort Seminare, die sich mit genau den angeprangerten Problemen (mal mehr, mal weniger)kritisch und auf wissenschaftlichem Niveau auseinandersetzen, nun nicht stattfinden können. Im Großen und Ganzen ist das die Sache wohl wert, aber der Conti- Campus wäre bspw. ein weitaus besserer Ort gewesen. Dort hätte man auch mehr StudentInnen, die weniger Zeit in (sozial-) kritisches Denken investieren (können), erreicht. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Antwort hannes – 16.06.09
    Das beschmieren von renovierten Raumwänden mit Graffiti ist Vandalismus und nicht zweckdienlich!

    Ein paar hundert Studenten sind eine Randgruppe, wenn man bedenkt viele es in Hannover sind!

    Die Grundidee und Themenbesetzung und ich gut, leider an der falschen Stelle!
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  • nirgendwo krawall Besetzer – 16.06.09
    Was du da schreibst ist doch total undifferenzierter Quatsch. Ich bin im besetzten Unigebäude und hier wurde weder irgendetwas kaputt gemacht, noch handelt es sich bei den BesetzterInnen um eine Randgruppe. In den letzten beiden Tagen haben wir uns die Räume hier angeeignet um selbstorganisiert Workshops anzubieten, die Demo morgen vorzubereiten und die Diskussion zu führen was für ein Bildungssystem und was für eine Gesellschaft wir wollen. Daran haben sich an beiden Tagen mehrere hundert Leute beteiligt darunter auch einige DozentInnen.

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  • nerv hannes – 16.06.09
    ich war Ort und sah mir die ganze Belagerung an! Ich finde es einfach mehr als unangenehm, was dort passiert. Die Grenze zwischen Streik und Vandalismus ist hier überschritten, dass stimmt mich nachdenklich. Man will mehr Geld für Bildung und macht Bildungseinrichtungen kaputt, indem man renovierte Räume verschandelt!
    Irgendwie hat man den Eindruck, da geht es eher um Krawall einer linken Gruppe als um einen gesunden Protest der Massen. Eine Randgruppe kämpft sich ins Abseits durch eine merkwürdige Protestform. Schade!
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  • toll Jörg – 16.06.09
    ach ja, da fällt mir gerade auf, eine Gruppe fehlt ja:

    Wie stehen eigentlich die Lehrer und Professoren dazu? Kommt auch von dort Unterstützung?
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  • toll Jörg – 16.06.09
    Sehr lobenswert,dass Schüler und Studenten gemeinsam für ein besseres Bildungssystem eintreten!

    Jede Interessengruppe alleine könnte gegeneinander ausgespielt werden. Zusammen mit den Streiks an den Kitas protestieren in Hannover also gerade alle am Bildungssystem beteiligten.

    Dazu noch der bundesweite Rahmen "Bildungsstreik"....Hoffentlich kommt die Botschaft im Landtag an!

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