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Aus der Stadt Schüler sollen mit Tablets lernen - und Eltern zahlen
Hannover Aus der Stadt Schüler sollen mit Tablets lernen - und Eltern zahlen
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00:28 26.10.2015
Von Andreas Schinkel
Total digital: Auf der Bildungsmesse Didacta zeigt Paul (13) sein Tablet Bundesministerin Johanna Wanka (Mitte) und Landesministerin Frauke Heiligenstadt. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Bei 108 Schulen im Stadtgebiet dürfte das Programm einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag verschlingen. Allein knapp 4 Millionen Euro Investitionskosten hat die Stadt bereits für gerade einmal sechs Schulen veranschlagt, die ab 2016 neu mit der neuen Technik ausgestattet werden sollen.

Noch hat die Ratspolitik dem „Medienentwicklungsplan“ der Verwaltung nicht zugestimmt. Die Grünen wollen sich noch beraten, die CDU bleibt skeptisch. Die Christdemokraten stören sich daran, dass Eltern die Tablets für ihre Kinder selbst bezahlen müssen, während die Stadt allen Lehrern die Geräte spendieren will. Für ein Tablet kalkuliert die Stadt einen Anschaffungspreis von 470 Euro. Ähnlich wie bei Taschenrechnern für den Matheunterricht sollen Schulen künftig Sammelbestellungen für die Schüler-Tablets aufgeben, damit alle Kinder die gleichen Geräte haben.

„Wir können Eltern mit geringem Einkommen nicht erklären, dass sie die Rechner selbst zahlen, aber gut verdienende Lehrer die Tablets gestellt bekommen“, sagt CDU-Ratsherr Lars Pohl.

Ursprünglich sollte das Projekt schneller umgesetzt werden. Hohe Millioneninvestitionen wären mit einem Schlag nötig gewesen, doch Kämmerer Marc Hansmann (SPD) trat auf die Kostenbremse. Jetzt wird die Medienaufrüstung von Hannovers Schulen auf einen Betrag von 2,5 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt - und damit zeitlich enorm gestreckt. Bis alle 108 Schulen über WLAN, Tablets und Whiteboards verfügen, dürften etwa zehn Jahre vergehen.

Ob Tablet-PCs in zehn Jahren noch das Gerät der Wahl sind? Hier sieht die CDU einen weiteren Anlass zur Kritik. „Im Grunde ist nicht abzusehen, wann alle Schulen flächendeckend versorgt sind“, sagt CDU-Mann Pohl. Der EDV-Experte der Grünen, Oliver Kluck, meint, dass die Stadt auch auf neue technische Entwicklungen Rücksicht nehmen müsse.

Der Kämmerer will das Projekt keineswegs abwürgen. „Wir brauchen moderne Schulen, aber wir müssen auch auf die Kosten schauen“, sagt Hansmann auf Nachfrage der HAZ. Eine zeitgemäße Ausstattung des Unterrichts sei jedenfalls wichtiger als der Ausbau von Radwegen. Damit stichelt der Kämmerer gegen die Grünen, die auf ihrer Wunschliste für den Haushalt 2016 die Sanierung von Radwegen ganz nach oben gestellt haben. Mit der SPD einigten sich die Grünen, 1,2 Millionen Euro in das Radwegenetz zu investieren.

Schon im kommenden Jahr sollen sechs Schulen fit für die neue Medienwelt werden. Die Stadt hat dafür unterschiedliche Schulformen ausgewählt. Teilnehmen werden die IGS Linden, die Eges­torffschule (Grundschule), die Gerhart-Hauptmann-Schule (Realschule) sowie Humboldtschule, Käthe-Kollwitz- und Helene-Lange-Schule (alle Gymnasien). Stabile Internetanschlüsse müssen gelegt und ein leistungsfähiges WLAN installiert werden. Da könne man nicht auf die üblichen Geräte für Privatwohnungen zurückgreifen, heißt es vonseiten der Stadt. Kostentreiber sind vor allem die Tablets. 211 000 Euro will die Stadt ausgeben, um alle Lehrer an den sechs Schulen mit Rechnern auszustatten. Ein ähnlicher Betrag wird fällig, um Personal zu bezahlen, das sich um die Wartung der Geräte und den Betrieb der Internetanschlüsse kümmert.

Lernen mit „schoolTab“: Beim Projekt „schoolTab“ stattet der Madsack Media Store, der wie die HAZ zu Madsack Mediengruppe gehört, Klassen in der Region Hannover mit Tablet-Computern aus, die in Absprache mit den Lehrern mit Lernsoftware ausgerüstet werden und die Möglichkeit bieten, das E-Paper der HAZ als Unterrichtsmaterial zu nutzen.

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