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Aus der Stadt Ein ganz normales Thema?
Hannover Aus der Stadt Ein ganz normales Thema?
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00:15 24.06.2014
Von Saskia Döhner
Zu viel? Zu früh?: Workshop zum Thema Sexualität an der IGS List. Quelle: Kleinschmidt
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Hannover

„Wenn Schüler Fragen haben, muss man die doch beantworten.“ Über Partnerschaft und Liebe, auch gleichgeschlechtliche, redet sie mit ihrer Klasse seit Jahren. Gerade im Internetzeitalter seien Lehrer eine wichtige Informationsquelle, sagt sie. „Persönliche Fragen beantwortet das Netz ja nicht, und Jugendliche landen manchmal zufällig auf Seiten, die ihrem Alter gar nicht angemessen sind“, sagt sie.

Die rot-grüne Landesregierung will sexuelle Vielfalt zum Unterrichtsthema machen und so Ausgrenzung und Diskriminierung vorbeugen. Während eine entsprechende Initiative in Baden-Württemberg derzeit höchst kontrovers diskutiert wird, trifft, wer niedersächsische Politiker, Schüler, Eltern oder Lehrer fragt, bisher auf große Zustimmung. Auch im Kultusausschuss des Landtages einigte man sich gestern darauf, das Thema durch eine Anhörung auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen. „Es wäre schön, wenn wir gemeinsam ein Zeichen gegen Homophobie setzen könnten“, sagt die Ausschussvorsitzende Ina Korter (Grüne).

Noch immer herrsche in vielen Schulen ein Klima der Angst, Beleidigungen gegen Schwule seien weit verbreitet, und viele Schüler und Lehrer trauten sich nicht, sich offen zu ihrer Homosexualität zu bekennen, berichtet Nico Kerski von der Beratungsstelle Schlau, die regelmäßig in Schulen informiert. Dass Betroffene selbst Schüler beraten sollen und nicht nur Lehrer, ist auch eine Forderung des rot-grünen Antrags.

Schülerin Alina Lenke findet den Vorstoß der Regierungsfraktionen gut: „Ich kann das nur begrüßen“, sagt die Elftklässlerin. Es stärke die Toleranz von heterosexuellen Jugendlichen gegenüber anders Orientierten, wenn das Thema offen und ehrlich angesprochen werde, offiziell in der Schule. Die Schülervertreterin an der Elsa-Brändström-Schule meint, dass man damit auch schon in der Grundschule mit der Erziehung zu Toleranz beginnen könnte – auch in sexueller Hinsicht. Auf diese Weise könnten sich Vorurteile nicht schon im frühen Alter verfestigten. Lehrerin Esther Pabst sieht das skeptischer: „Ein Zuviel und Zufrüh kann Kinder verwirren.“

Eberhard Brandt, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), wirbt für eine positive Grundhaltung gegenüber sexueller Vielfalt: „Dann muss niemand eine Hürde überwinden, auch nicht gedanklich, wenn er merkt, dass er homosexuell ist.“ Brigitte Naber, Leiterin der IGS Roderbruch und Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, sieht das ähnlich: „Die Zeiten, in denen Menschen wegen ihrer Andersartigkeit diskriminiert wurden, sollten vorbei sein“, sagt sie. Schulen könnten einen Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche sich so akzeptierten, wie sie seien.
Auch bei Grundschulleitern heißt es, das Thema sollte offen und altersgemäß angesprochen werden, denn schon die Kleinsten würden das Wort „schwul“ als Schimpfwort benutzen, ohne überhaupt zu wissen, was damit gemeint sei.

„Sexualität wird in den niedersächsischen Schulen in nahezu allen Jahrgängen und Schulformen immer wieder thematisiert“, sagt eine Sprecherin des Kultusministeriums – ob im Sachunterricht in der Grundschule oder später in der Sekundarstufe I in Biologie oder Religion, wenn es um ethische Fragen des Zusammenlebens geht. Schule sollte Kinder zur Vielfalt ermutigen und zu Akzeptanz erziehen. Niemand, weder Schüler noch Lehrer, dürfe wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

Religionslehrerin Pabst hofft, dass der gut gemeinte Antrag der Regierungsfraktionen nicht dazu führt, dass Homosexualität nicht als andersartig besonders hervorgehoben werde. Besser sei es, unaufgeregt über das Thema mit den Schülern zu sprechen. So wie nach dem TV-Auftritt von Conchita Wurst.

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