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Steintor-Größe erschießt sich vor Nachtclub

Suizid in der Scholvinstraße Steintor-Größe erschießt sich vor Nachtclub

André S., früher führendes Mitglied der Hells Angels, verübt vor etlichen Partygängern am Steintor Selbstmord. Was den ehemaligen Steintor-Wirt zu der Verzweiflungstat bewogen hat, ist noch unklar.

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Trauer um André S.: Menschen legen Blumensträuße vor dem Imperia (früher: Intensivstation) ab. 

Quelle: Dillenberg/Finn (Archiv)

Hannover. Vor den Augen von zahlreichen Besuchern des Steintorviertels hat sich am frühen Sonntagmorgen ein 51-jähriger Mann auf offener Straße erschossen. Gegen 4.30 Uhr verließ er einen Club an der Scholvinstraße. Unmittelbar danach zog er eine Waffe, schoss zunächst in die Luft und richtete die Waffe anschließend gegen sich selbst. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Nach HAZ-Informationen handelt es sich bei dem Mann um André S., ehemaliger Clubbetreiber im Rotlichtviertel und langjähriges, hochrangiges Mitglied der hannoverschen Hells Angels. Der gebürtige Hamburger mit dem auffälligen Tattoo am Kopf war am Club Havanna beteiligt und übernahm dann die Intensivstation, die er in Ambulance Station umbenannte. Was André S. am Sonntag zu dem Selbstmord in aller Öffentlichkeit bewogen hat, ist noch unklar.

Die Polizei sperrte die Scholvinstraße bis etwa 6 Uhr von beiden Seiten ab. Die Betreiber der übrigen Steintorclubs schlossen nach dem Vorfall ihre Geschäfte. „Wir sind alle schockiert, er war so ein lebenslustiger Mensch“, sagt Ferdi Simsek vom Club Havanna. Die Nachricht vom Tod des 51-Jährigen verbreitete sich über das Internet innerhalb von wenigen Stunden. Bereits am Vormittag legten die ersten Trauernden Blumen und Kerzen an der Scholvinstraße ab.     

Vor dem Imperia (früher: Intensivstation) trauern viele um André S., der sich offenbar an der Scholvinstraße mit einer Schusswaffe das Leben nahm.

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André S. soll seine Ambulance Station vor wenigen Wochen an russische Geschäftspartner verkauft haben. Die neuen Besitzer der Räumlichkeiten eröffneten am 4. Juli dort den Club Imperia. S. dagegen hatte nach HAZ-Informationen die Kneipe Larifari in der Andreaestraße übernommen. Am Sonntag, etwa eine Stunde vor seinem Selbstmord, soll der Ex-Hells-Angel das Imperia betreten haben, um mit den neuen Eigentümern zu sprechen. Als er den Club etwa 60 Minuten später wieder verließ, gab er unmittelbar vor der Diskothek die beiden Schüsse ab. „Er hat nicht gerufen oder geschrien, er hat einmal in die Luft geschossen, um auf sich aufmerksam zu machen, und dann sich selbst in den Kopf“, sagt ein Zeuge.

André S. war über lange Jahre ein enger Vertrauter von Frank Hanebuth, dem Chef des im Jahr 2012 aufgelösten hannoverschen Charters der Höllenengel. Bei den Rockern war S. als sogenannter Road Captain für die Planungen der gemeinsamen Ausfahrten mit dem Motorrad zuständig. Im Jahr 2011 wurde S. vom Amtsgericht Hannover wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen von je 28 Euro verurteilt. Er hatte ein Jahr zuvor ein Fernsehteam des NDR bei Filmaufnahmen im Steintor behindert und bedroht. Er untersagte dem Kameramann, Aufnahmen von den Clubs zu machen. Sollte das Team seiner Aufforderung nicht nachkommen, würde er es notfalls mit dem Wasserschlauch vertreiben.

Einiges deutet darauf hin, dass den 51-Jährigen private Probleme zu dem Selbstmord getrieben haben. Auf seiner Facebook-Seite hatte er kurz vor seinem Tod ein Foto geteilt. Darauf ist eine Person zu sehen, die eine Pistole auf den Betrachter richtet. „Freunde verrät man nicht“, lautet die Bildüberschrift. André S. kommentierte das Bild mit den Worten: „Wie wahr.“     

Immer wieder fallen Schüsse im Steintor

Mit großer Regelmäßigkeit muss die Polizei ins Steintorviertel ausrücken, nachdem dort jemand von einer Schusswaffe Gebrauch gemacht hat. Erst Ende April waren Beamte, darunter auch Spezialeinsatzkräfte, in den Rotlichtbezirk gefahren. Mehrere Männer hatte vor einem Geschäft für Wasserpfeifen mehrfach auf einen 28-Jährigen geschossen. Das Opfer wurde schwer verletzt.

2. Juni 2012: Nach einem Streit vor einer Disco am Steintorplatz stirbt ein 32-Jähriger durch mehrere Schüsse.

27. Januar 2011: Ein 43-jähriger Kosovare wird im Café Karisma erschossen.

5. Juli 2010: Der 42-jährige Holger B. erschießt in der Bar Columbus zwei Italiener.

11. Mai 2008: Aus einem Auto heraus feuern Täter an der Schmiedestraße auf einen Mann. Der 51-Jährige wird lebensgefährlich verletzt.

11. Dezember 2007: Bei einer Schießerei an der Steintorstraße wird ein Kosovare lebensgefährlich verletzt.

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