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Aus der Stadt Türsteher verweigert Flüchtlingen Einlass
Hannover Aus der Stadt Türsteher verweigert Flüchtlingen Einlass
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00:15 30.08.2016
Von Michael Zgoll
Regine Kramarek will, dass Flüchtlinge in allen Diskotheken feiern dürfen – auch auf dem Schützenfest. Quelle: Sven Brauers (Symbolbild)
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Hannover

Mit drei Flüchtlingen aus der Elfenbeinküste besuchte Regine Kramarek am 9. Juli das Schützenfest; die Grünen-Politikerin, ehrenamtliche Bürgermeisterin hinter OB Stefan Schostok, kannte die drei Männer im Alter von 42, 35 und 19 Jahren schon länger, da sie ehrenamtlich im Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte tätig ist. Doch am „Gilde Island“ stieß die Gruppe auf einen Türsteher, der zunächst den Schwarzafrikanern und dann der Bürgermeisterin den Zutritt verwehrte. Sie informierte vor Ort den Oberbürgermeister, die Polizei tauchte auf, später erstattete Kramarek Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Gaststättengesetz - und die Antidiskriminierungsstelle der Stadt kümmert sich nun auch um den Fall.

Wie die 57-jährige Politikerin erzählt, habe der Türsteher den drei Flüchtlingen zunächst überhaupt keinen Grund genannt, warum er sie nicht einlasse, sondern nur auf sein Hausrecht verwiesen. Auf Nachfrage habe er erklärt, das Zelt sei voll. Allerdings, so Kramarek, seien ständig Besucher aus dem Partyzelt heraus- und andere hineingegangen - nur ihrer Gruppe und einem anderen Schwarzafrikaner habe man den Eintritt verweigert. Als sie dem Türsteher sagte, dass sein Verhalten eine Diskriminierung darstelle und sie als Ratsfrau und Bürgermeisterin bestens vertraut sei mit dieser Thematik, zeigte das wenig Wirkung. Der Ordner, so erinnert sie sich, habe ihr sogar „Amtsanmaßung“ vorgeworfen.

Noch vor Ort schrieb die Bürgermeisterin eine SMS an OB Stefan Schostok, dieser rief die Organisatoren des Schützenfests an. Wenig später, so Kramarek, sei ein Verantwortlicher herausgekommen, habe ihr gegenüber aber ebenfalls behauptet, das Haus sei voll. Betrieben wird das „Gilde Island“ von den hannoverschen Gastronomen Sascha Casado und Enzo Fumiento, ihr Berater ist 96-Stadionchef Thorsten Meier. Erst der sanfte Druck von zwei Polizeibeamten, die in das Geschehen einbezogen wurden, öffnete den drei Flüchtlingen und der Bürgermeisterin den Zugang in die Disko. Man sei dort gut eine Stunde geblieben, erzählt Kramarek, aber richtig wohl gefühlt habe sich die Gruppe nicht.

Die Betreiber bestreiten vehement, eine fremdenfeindliche Gesinnung zu vertreten oder ihre Türsteher instruiert zu haben, Ausländer nicht ins Festzelt zu lassen. „Es haben an diesem Abend Menschen aus vielen Kulturen bei uns gefeiert“, sagt Casado. Zum Zeitpunkt des Vorfalls sei es aber tatsächlich sehr voll gewesen. Vielleicht habe ein Türsteher „übereifrig“ reagiert, so der 42-Jährige, doch auch die Bürgermeisterin sei „emotional aufgeladen“ gewesen.

Kramarek sagt, die Herabwürdigung der Schwarzafrikaner sei offensichtlich gewesen. Sie wisse auch von einem Zwischenfall auf dem Maschseefest, wo ein Asylbewerber nicht in ein Zelt gelassen wurde. Begründung: Dort sei es „für Flüchtlinge zu gefährlich“. „Es muss ein Schalter im Kopf umgelegt werden, bei Betreibern wie Türstehern, um solche Diskriminierungen zu verhindern“, sagt sie - etwa durch noch mehr Schulungen.

Doch auch mittels der Anzeige will die Bürgermeisterin auf die Problematik aufmerksam machen. Sie hat ein klares Ziel vor Augen: „Egal ob Frühlings-, Schützen-, Oktober- oder Maschseefest - wir als Stadt Hannover wollen, dass jedermann diese Feste ohne irgendeine Art von Diskriminierung besuchen kann.“

Strafe bis 10.000 Euro

Neues Gesetz: Wie kann man sich gegen Diskriminierungen wehren? 2006 trat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft, wegen Verstößen gegen das AGG standen schon etliche Diskothekenbetreiber vor Gericht. Doch im Vorjahr resümierte die Niedersächsische Landesregierung, dass insbesondere jüngeren Männern der Einlass in Tanzlokale wegen Abstammung oder Religion immer noch und immer wieder verwehrt wird. Deshalb wurde das Gaststättengesetz um einen Punkt ergänzt: Eine Ordnungswidrigkeit begeht demnach, wer einen Diskothekenbesucher wegen seiner ethnischen Herkunft oder seiner Religion benachteiligt – vorsätzlich oder fahrlässig. Es drohen Geldbußen bis zu 10.000 Euro.

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