Vom Anwärter zum Meister – in Hannover kann das ganz schnell gehen, besonders am Freitag vor dem ersten Montag im Juli. Wer an diesem Tag im schwarzen Cut, mit Kleeblatt-Zylinder auf dem Kopf und Standarte in der Hand im festlich geschmückten Rathaus von rund 2000 Besuchern bejubelt wird, hat es geschafft. Am Freitag, zum Auftakt des 480. Schützenfestes, war es um genau 19.15 Uhr so weit. Da überreichte Oberbürgermeister Stephan Weil vier goldene Nadeln – und kurzerhand waren Sascha Ribinski (20, SV Laatzen), Sebastian Buntrock (20, SG Ricklingen), Björn Arend (21, Fanfarenkorps Hannover) und Florian Buntrock (20, SG Ricklingen) als neue Bruchmeister verpflichtet. Bereits zum 51. Mal wurde diese Zeremonie im Rathaus abgehalten, und dennoch war in diesem Jahr einiges anders als sonst. Etwa, dass der Name Buntrock gleich doppelt genannt wurde – die Brüder sind das erste Zwillingspaar in der Bruchmeisterhistorie. Und dass mit Sascha Ribinski ein amtierender Stadtjugendkönig verpflichtet wurde, hat es so vorher auch noch nicht gegeben. „Bruchmeister zu sein ist aber eine noch größere Ehre“, sagte Ribinski, der seine Königswürde noch bis Dienstag inne hat.
Die erste Premiere des Tages wurde jedoch bereits am Nachmittag gefeiert. Da kleidete Stefan Müller, Geschäftsführer des Herrenaustatters „Men’s Gala“, erstmals die Bruchmeister ein. Der Braunschweiger hatte das Amt nach der Schließung des Modehauses Erdmann übernommen. Zwar gab er bescheiden an, in die hannoverschen Traditionen „erst einmal hineinwachsen“ zu müssen, sein Einkleidedebüt meisterte er aber dennoch mit Bravour.
Oberbürgermeister Stephan Weil hingegen gab sich gestern routiniert: In der Festhalle Marris stach er gestern bereits im dritten Jahr das erste Bierfass an und eröffnete damit das Schützenfest. Und wieder einmal gab sich das Stadtoberhaupt keine Blöße in Sachen Brauchtumspflege: Drei kräftige Hammerschläge brauchte Weil, dann sprudelte das Bier sauber ins Glas. „Das Bier mundet vortrefflich, das wird ein wunderschönes Fest“, verkündete er nach der ersten Kostprobe gegen 20.30 Uhr den 1200 Besuchern in der Festhalle.
Bis Sonntag, 12. Juli, erwarten die Veranstalter rund 2,5 Millionen Besucher auf dem Fest. Traditionell ist es an den frisch verpflichteten Bruchmeistern, dafür zu sorgen, dass kein Gast die Regeln der Feier bricht. Tatsächlich beinhalten die Aufgaben der vier jungen Männer aber vor allem, die Festbräuche auf dem Platz und in der Stadt zu pflegen. Nach dem gestrigen Auftakt werden sie schon beim Ausmarsch am Sonntag wieder im Mittelpunkt stehen, wenn sie mit ihren Standarten die vier Züge anführen. Und natürlich gehört es auch zu ihrem Amt, an allen Festtagen gegebenenfalls Nachhilfe im Lüttje-Lagen-Trinken zu geben – Tradition verpflichtet.
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Kommentare
Unmöglich! sapmi – 05.07.09
Es ist aus meiner Sicht unmöglich, sich als Oberbürgermeister für eine solche Kulisse herzugeben. Dazu für ein Fest, bei dem doch sicher Waffen zum Einsatz kommen. Hat der Herr nichts anderes zu tun, als bei einem Schützenfest sich mit "einer Mass" eines alkoholischen Getränks in Pose zu werfen. Toll!Boykott Brockenviech – 04.07.09
Welch widerliche Doppelmoralisten, inkl. der HAZ. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Schuetzen-wenden-sich-gegen-Sauforgien