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Aus der Stadt Schuld oder Schicksal?
Hannover Aus der Stadt Schuld oder Schicksal?
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22:19 03.11.2009
Von Felix Harbart
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Im März ließ das von der Versicherung VGH eingesetzte Gutacherteam verlauten, es halte einen technischen Defekt für unwahrscheinlich. Eher möglich schien den Experten eine Ursache im „menschlichen Bereich“.

Zu einem anderen Ergebnis kamen Mitte August die Gutachter des TÜV, die der Brandursache im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover nachspürten. Auf 200 Seiten führten die Sachverständigen aus, ein Kurzschluss in einem Kabelbaum habe das Feuer ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung daraufhin ein. Menschliches Versagen könne „sicher ausgeschlossen werden“, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker.

Nach Darstellung der TÜV-Gutachter breitete sich der Brand nach dem Kurzschluss langsam hinter der Verkleidung in Richtung der Toilettenkabine aus. Unter dem Druck der Hitze sprang schließlich die Tür zum Fahrgastraum auf, die Sauerstoffzufuhr führte zu einer Stichflamme, die den hinteren Fahrgastraum erreichte. Allein, wie es zu dem Kurzschluss kam, ist bisher ungeklärt und wird es wohl auch bleiben. Staatsanwältin Söfker teilte immerhin mit, weder Konstruktion noch Einbau des Kabelbaums seien fehlerhaft gewesen. Schuld ist also niemand.

Entlastet wurden durch das TÜV-Gutachten auch das Busunternehmen Mommeyer und sein Fahrer. Der Bus sei stets vorschriftsmäßig gewartet worden, der Brand für den Fahrer nicht früher erkennbar gewesen, befanden die Experten. Grund genug für den Anwalt des Unternehmens, Matthias Waldraff, von einem „lupenreinen Gutachten“ zu sprechen. Für manchen Überlebenden des Unglücks aber blieben Fragen offen: „Wenn es einen Kurzschluss gab, muss die Ursache ja ein Material- oder Verarbeitungsfehler gewesen sein“, sagte einer nach Bekanntgabe des Gutachtens. Andere sprachen von „Schicksal“.

Jetzt, ein Jahr nach dem Unglück, ist ein neues Brandmeldesystem auf den Markt gekommen, mit dem sich die Katastrophe möglicherweise hätte verhindern lassen. Der Sicherheitsbeauftragte des internationalen Bustouristik Verbandes RDA, Johannes Hübner, geht davon aus, dass die meisten Neufahrzeuge schon Mitte kommenden Jahres damit ausgestattet sein werden.

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