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Schulen in der Region Hannover bekommen Smartboards

„Schlaue Bretter“ Schulen in der Region Hannover bekommen Smartboards

Nach den Ferien bekommen die Schulen in der Region Hannover sogenannte Smartboards, die fast alles können. Die IGS Kronsberg kennt sich mit den „schlauen Brettern“ bereits aus.

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Mit Kreide verschmierte Hände 
und tropfnasse Schwämme gibt es in 
der „Pro-Beruf-Ergänzungsschule“ 
an der Eckenerstraße nicht mehr.

Quelle: Rainer Surrey

Ein wenig wirkt Rolf Haase wie ein Zauberkünstler, wenn er mit seinen Schülern an der interaktiven Schultafel den bevorstehenden Klassenausflug bespricht. So wie sich am Computerbildschirm mit Maus und Cursor Textboxen öffnen, verkleinern oder verschieben lassen, so zieht Haase an der großen berührungsempfindlichen Tafel per Fingerzeig einen Vorhang zur Seite. Ein leerer Merkzettel mit der Überschrift „Nicht vergessen“ erscheint. Der Lehrer tippt die erste Zeile an. „Zwei Fahrkarten“ steht da, dann folgt „Feste Schuhe“ und nach und nach noch einiges mehr, was zuvor im Verborgenen blieb. Und wo ist der Treffpunkt? Ein Foto des Ernst-August-Denkmals am Hauptbahnhof mit Pferdeschweif gibt die Antwort. Haase weiß: Kleine Tricks erhöhen die Aufmerksamkeit.

Beim Klassenausflug soll es zu den Wasserrädern im Deister gehen. Der Lehrer ruft die offizielle Webseite des Trägervereins aus dem Internet auf, damit die Siebtklässler einen Eindruck von ihrem Ausflugsziel bekommen. Karussells und Mühlen in Miniatur sind zu sehen. „Da gibt es auch eine Schmiede“, weiß ein Schüler zu berichten.

Die interaktive Tafel verführt zum Frontalunterricht – vorne der Zauberkünstler, der Rest staunt. Haase weiß um die Gefahr. Deshalb bekommen nun die Schüler etwas zu tun. Der Lehrer blendet eine Landkarte der Wennigser Mark ein, zeigt Ausgangspunkt und Ziel der Wanderung. In Luftlinie sind es nur 2,57 Kilometer bis zu den Wasserrädern. Doch jeder Schüler soll nun schätzen, wie weit der Weg, den sie gehen, tatsächlich ist. Ein Schüler trägt die Tipps seiner Mitschüler per Laptop in eine Namensliste ein, die auf der Tafel zu sehen ist. Jeder Schüler soll dann aus den Schätzungen einen Mittelwert bilden.

„Mit ihren Notebooks können die Schüler auf die Tafelbilder zurückgreifen, sie fertigen Hausaufgaben an und stellen sie ins Netz“, erläutert Haase. Die Integrierte Gesamtschule Kronsberg gehört zu den ersten Schulen in Hannover, die Erfahrungen mit interaktiven Tafeln gemacht hat. Rolf Haase bietet mit einem Kollegen im Auftrag der Landesschulbehörde Fortbildungen für Lehrer an. „Die rennen uns die Türen ein. Der Bedarf ist riesengroß.“ Haases Klasse ist mit dem System seit zwei Jahren vertraut und die Siebtklässler sind fast einhellig begeistert. „Es ist cool, dass die Tafel so viele Funktionen hat, man kann gut damit arbeiten“, sagt der 14-jährige James Smith. Seine Mitschülerin Tiana Weghorst findet es praktisch, dass Videos oder Texte aus dem Internet aufgerufen werden können. „Und Seiten, die wir gestaltet haben, lassen sich speichern. Das heißt, es ist viel mehr Platz als auf einer alten Tafel“, sagt die Zwölfjährige. Den 13-jährigen Tim Wolters nervt es allerdings, dass er nicht viel häufiger an die Tafel kommt. „Ich fände es besser, mehr selbst zu machen.“ Mitschülerin Intiesahr Alikhan fasziniert es, dass sie an der interaktiven Tafel auch einfach mit dem Finger schreiben kann, je nachdem, welche Farbe aktiviert ist, sogar in Grün, Blau oder Rot. „Das ist die Zukunft.“

Als die Schule vor mehr als zwei Jahren über ihren Förderverein das erste Board bekam, habe sich die Stadt mit der Genehmigung noch geziert, sagt Haase. „Inzwischen hat die Verwaltung komplett umgedacht.“ Die IGS will mit den sechs neuen und ihren fünf bereits vorhandenen Tafeln vor allem Oberstufe und Naturwissenschaftsräume ausrüsten. „Die Chemie- und Physiklehrer streiten sich bisher um die zwei Räume mit Smartboards“, sagt Experte Haase. Doch andere Kollegen seien noch zögerlich. „Es war ein großer Fehler, dass wir die grünen Kreidetafeln bisher in den Räumen mit Smartboards gelassen haben.“ Der Kreidestaub schade der Technik – und unsichere Lehrer griffen im Zweifelsfall lieber zur Kreide. An der IGS Kronsberg werden die alten Tafeln deshalb in den Ferien aus den neu ausgerüsteten Klassenzimmern komplett verschwinden. Und für die Lehrer gab es jetzt noch eine hauseigene Fortbildung.

Auch einige andere Schulen, vor allem Gymnasien wie die Goetheschule, haben sich bereits über Fördervereine oder Spenden die ersten Smartboards beschafft. Die innovationsfreudige Fridtjof-Nansen-Schule in Vahrenheide hat vor mehr als zwei Jahren durch einen Sponsor eine interaktive Tafel bekommen. Die Grundschule mit hohem Anteil von Einwandererkindern setzt stark auf Bewegung im Unterricht, die erfahrungsgemäß Denken und Hirnentwicklung anregt. Computer verführen Kinder dagegen häufig zum Stillsitzen.

„Wir haben die Tafel mit großer Skepsis eingeführt, aber schnell gemerkt, dass die Kinder damit quasi spielend lernen“, sagt Schulleiter Hermann Städtler. Auch zurückhaltende Schüler würden sich häufiger beteiligen und zum Beispiel mit Spaß Rechenaufgaben auf dem großen Bildschirm lösen. In Einwandererfamilien seien Computer auch für die Kinder stark verbreitet, sagt Städtler. „Wir klären die Eltern über gute Lernspiele auf und werben dafür, die Zeit der Kinder vor dem Computer zu begrenzen.“ Die Grundschule bekommt nun von der Stadt das zweite Smartboard und will über Sponsoren die Zahl auf eine Tafel pro Jahrgang aufstocken. „Die Mehrzahl meiner Kollegen ist von den Vorteilen überzeugt. Ich habe aber nach wie vor Sorge, dass die faszinierende Computerwelt die Kinder vom Toben ablenkt“, sagt Städtler.

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  • Schulungen für Lehrer sind notwendig SmartBoard Nutzer – 09.07.10 Die mitgelieferte Software ist sehr komplex und gerade Lehrer mit geringen EDV-Kenntnissen sind schnell überfordert. Daher sollten die Schulen bei dem Erwerb eines SMART-Boards gleich eine Schulung buchen. Am besten von einem SMART-Zertifizierten Trainer, damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Unser SmartBoard verkümmert nicht und wird sehr vielseitig und effektiv genutzt.
  • schlaue Tafeln, schwache Schüler Kultusminister – 23.06.10 Siehe aktueller Bundesländer–Schulleistungsvergleich.
  • SmartBoards P.D. – 22.06.10 Die SmartBoards sind schon faszinierend. Schnöde PowerPoint-Präsentationen werden zu Multimedia-Shows à la Minority Report und Unterichtsaufzeichnugen können zu Beweiszwecken gespeichert und archiviert werden. Aus meiner eigenen Erfahrung als Schüler kann ich nur feststellen, dass viele Lehrer mit dem Starten und Kalibrieren des Smartboards (muss vor jeder Nutzung gemacht werden) hoffnungslos überfordert sind und die SmartBoards dann als normale Tafeln mit (hoffentlichen) non-permanent Markern beschrieben werden.
    Deshalb wäre es gut, wenn die guten alten Tafeln parallel erhalten blieben (und nicht wie an meiner Schule, an der sie dann ersetzt wurden).
  • Power - BLÖD - POINT JS – 22.06.10 Nicht mehr als ne riesige Power-Blöd-Point Tafel.
    Das Aufmerksamkeitsniveu war, glaub ich, nicht sonderlich hoch bei P-B-P Präsentationen.
  • Schlaubrett Stifteschwinger – 22.06.10 Meine Freundin hat in ihrer Schule vor ein paar Jahren an einem Pilotprojekt teilgenommen diese Smartboards zu testen.
    Ergebnis:
    Nicht so toll.
    Oftmals gabs technische Probleme, die Lehrer kamen mit den Boards nicht zurecht, Hausaufgaben sollten per Internet verschickt werden und kamen nie an (bei den Kindern ohne Rechner zuhause sowieso nicht), das Zeichnen von ein paar geometrischen Formen dauert ewig - per Hand geht das mal eben so mit dem Board muss man klicken, malen, klicken, malen, klicken, ...
    Ausserdem muss man die meisten Smartboards im Halbdunkeln benutzen, eine Tafel / Whiteboard kann man auch bei Tageslicht verwenden.
    Sicher hat das Smartboard auch Vorteile, aber das Preis / Leistungsverhältnis ist dürftig.
    Lieber wie bereits von meinen Vorrednern angesprochen mehr Geld in vernünftige(!) Lehrer und die Schulen stecken.
  • achtung zukunft – 22.06.10 geht in dekcung hier kommt die zukunft .

    was für deutschland die zukunft ist

    ist in den usa schon retro.


  • Ahnungslose Lehrmittelbeauftragte techchannel – 22.06.10 Das man Whiteboards mit wesentlich geringerem finanziellen Aufwand selbst bauen kann hat sich wohl noch nicht herum gesprochen.
  • Schlaue Hersteller marketplace – 22.06.10 In den 70er Jahren hat man mit ähnlichen Argumenten erfolgreich Sprachlabore verkauft, die sich später als wenig hilfreich erwiesen.
  • Smartboards als Allheilmittel Skeptiker – 21.06.10 Das ist also das dringend Notwendige, wofür die Bildungsgelder eingesetzt werden müssen. Neben den Smartboards müssen Lehrer weitergebildet werden. Die Energiekosten steigen auch (gegenüber den Kosten für Kreide und Wasser, um den Schwamm zu reinigen).

    Störanfälligkeiten, mutwillige Beschädigungen in den Pausen, wie lange wird das auf sich warten lassen? Und was macht man dann, bis der Servicetechniker kommt, da ja Kreidestaub schadet?

    Ach ja und ist die Wand auch noch stabil genug für die Befestigung und klopft das kapputte Heizungsrohr nicht zu laut?
    Da werden schlecht isolierten Wände, undichte Fenster, von der Decke fallender Putz und ähnliche schlechten Lernbedingungen ständig angeprangert, dafür scheint dann wohl weiterhin kein Geld zu sein.

    Und dann solche Hightec-Ausstattung. Braucht man die, um bei Kids in dem Alter zu punkten und sie für Unterricht zu interessieren? Bewegung kann man auch anders gestalten. Was ist, wenn das "Spielzeug" nicht mehr interessant genug ist?

    Hoch lebe die Bildung.
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