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Viele Schüler wollen nicht in der Mensa essen

Neue Konzepte Viele Schüler wollen nicht in der Mensa essen

Die Stadt Hannover hat für Millionen Euro Schulmensen gebaut und saniert. Aber viele Schüler kommen nicht. Nun probiert man neue Wege aus – zum Beispiel werden die Schüler schlicht zu einer gemeinsamen Pause in der Mensa verpflichtet. Der städtische Zuschuss soll 2016 steigen, um die Preise stabil zu halten.

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Mahlzeit! Schüler am Tresen in der Schillerschule.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Tim hätte gern mal wieder Nudeln mit Pesto und Rucola, die nach der Bestellung gleich frisch in der Pfanne zubereitet werden: „Da konnte man zugucken“, sagt der 14-Jährige, „das hat richtig lecker geschmeckt, da waren alle Portionen ganz schnell weg.“ Zweimal in der Woche isst der Neuntklässler in der Mensa der Schillerschule in Kleefeld.

Und mit dem Angebot ist er immer zufrieden, auch wenn es gerade mal nicht an der Theke frisch gekochte Pasta gibt. Auch Juli, Rebecca und Pia sind regelmäßige Mensagäste. Die 14-jährigen Mädchen sind sich einig: „Das Essen schmeckt.“

Die Schillerschule führt ein verpflichtendes Mittagessen ein - weil die Schüler vorher nicht in die Mensa gegangen sind.

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Neuntklässler sind in anderen Schulmensen eher eine Ausnahmeerscheinung. Denn mit dem Alter nimmt die Bereitschaft zur Teilnahme am warmen Mittagessen ab. Eine Untersuchung zum vor einem Jahr neu eingeführten städtischen Mittagessenkonzept, die jüngst im Schulausschuss vorgestellt worden war, hatte ergeben, dass bei den Grundschülern 43,1 Prozent der Kinder, die am Ganztagsangebot teilnehmen, auch in der Schule Mittag essen. An den weiterführenden Schulen war es nur ein knappes Viertel.

Umbau für Millionen Euro

Diese Zahlen waren für die Stadt ein Alarmsignal - schließlich hat sie in den vergangenen Jahren für Millionen Euro Schulmensen gebaut und saniert. Beikommen will man dem Problem, indem man die Qualität verbessert, die Kosten für die Eltern dennoch stabil hält - und indem man die Schüler schlicht zu einer gemeinsamen Pause in der Mensa verpflichtet.

An Schulen mit einem ausgeprägten pädagogischen Mittagskonzept, zu dem eine gemeinsame Pause mit Schülern und Lehrern gehört, steige die Teilnahmequote, sagt denn auch Schuldezernentin Marlis Drevermann. Zudem soll der städtische Zuschuss zum Essen im nächsten Jahr von 85 Cent auf einen Euro steigen. Ziel ist es, so den Durchschnittspreis von 2,80 Euro zu halten.

Gemeinsame Pause schweißt zusammen

An der Schillerschule in Kleefeld essen Klassenlehrer in den Jahrgängen 5 und 6 mindestens einmal in der Woche zusammen Mittag. Niemand werde gezwungen, ein Mittagessen zu kaufen, sagt Direktorin Beate Günther. Aber die gemeinsame Pause schweiße zusammen. Wer von klein an an die Mensa gewöhnt werde, bleibe ihr meistens auch in höheren Jahrgängen treu, sagt Rainer Martinsen, der die Mensa und Cafeteria seit 2002 betreibt.

Die Schulkantine überzeugt vor allem durch ihre Auswahl: Es gibt nicht nur die drei Essen, die der Caterer anliefert, sondern auch täglich frisch zubereitete Wraps, Salat, Pizza oder Würstchen und Muffins und Brötchen für zwischendurch. Die Preise liegen zwischen 1,20 und 3,50 Euro. Die Schüler können ihr Essen vorher online ordern oder auch spontan kommen.

Laut Martinsen gehen täglich rund 100 bis 130 Bestellessen plus 200 bis 250 Ad-Hoc-Bestellungen über die Theke. Gegessen wird im Drei-Schicht-Modell, damit es in der Mensa nicht zu voll wird. In der 5. und 6. Stunde hat jede Klasse insgesamt 90 Minuten Unterricht und 45 Minuten Pause, davon eine halbe Stunde zum Essen. Betrieben wird die Mensa von einem Non-Profit-Förderverein. Die Mensa sei ein Ort zum Wohlfühlen, sagt Leiterin Günther. Hier finden auch Abi-Feiern, Vorträge und andere Veranstaltungen statt.

„Manche kennen keine Bohnen“

Nachgefragt bei Christiane Plath-Detlef, Lehrerin der IGS Roderbruch.

Die Schulen sollen Kinder zum gemeinsamen Mittagessen verpflichten, damit die Mensen ausgelastet sind. Brauchen Schüler in der Mittagspause nicht eher Freiraum?
Bei uns gehen Lehrer und Schüler vom 1. bis 6. Jahrgang als Klasse gemeinsam essen. Danach haben die Kinder gut 30 Minuten – also ausreichend – Zeit zum Spielen.

Warum ist gemeinsames Essen wichtig?
Für die Kinder ist das ein Gemeinschaftserlebnis. Ich genieße es auch sehr, weil wir Lehrer im Gespräch wie in einer Familie nebenbei viel von den Kindern erfahren. Damit wir wirklich gemeinsam am Tisch sitzen, haben wir einen Mensadienst. Die Kinder holen einen Servierwagen mit Geschirr und gefüllten Schüsseln für ihre Klasse und decken den Tisch. So muss nicht jeder einzeln in der Schlange am Tresen stehen.

Aber warum essen die Klassen später nicht mehr zusammen?
Vom 7. Jahrgang an gibt es bei uns verschiedene Kurse und Gruppen. Aber sobald der Mensabesuch freiwillig ist, gehen nicht mehr alle hin.

Weil es nicht schmeckt?
Daran liegt es nicht. Für Teenager muss der Ort cool sein, sie wollen auswählen. Wir bieten deshalb auch im Schulkiosk gute, gesunde Sachen an.

Und in der Mensa?
Den Kindern sind oft viele Produkte nicht mehr vertraut. Einige Schüler aßen keine grünen Bohnen, weil sie sie nicht kannten. Ein Kind erzählte zu Hause von verschimmelten Kartoffeln, weil es noch nie eine Backofenkartoffel mit Schale gesehen hatte. Manche füllen sich den Teller nur mit Nudeln und Soße. Da ist die Überzeugungsarbeit von uns Lehrern gefragt. Inzwischen ist Suppe bei den Schülern der Hit.

Interview: Bärbel Hilbig

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