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Halbjahreszeugnisse sind jetzt entscheidend

Schulwechsel ohne Laufbahnempfehlung Halbjahreszeugnisse sind jetzt entscheidend

Rund 4000 Viertklässler in Hannover kommen nach den Sommerferien auf weiterführende Schulen. Es ist der erste Jahrgang, der den Wechsel ohne schriftliche Laufbahnempfehlung der Grundschule absolviert. Um so wichtiger werden die Halbjahreszeugnisse.

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Hurra, Zeugnisse: Die Klasse 4e (mittendrin im roten Pulli mit Brille Jolyne) von der Grundschule An der Feldbuschwende freut sich auf die Kurzferien.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover. Jolyne und Ole gehören zu den knapp 4000 Viertklässlern in Hannover, die in den nächsten Monaten eifrig nach einer weiterführenden Schule suchen werden. Sie sind der erste Jahrgang, der den Wechsel ohne schriftliche Laufbahnempfehlung der Grundschule absolviert. Um so wichtiger werden die Halbjahreszeugnisse, die heute ausgegeben werden, denn damit melden sich die angehenden Fünftklässler im Mai bei ihrer Wunschschule an, das Jahresendzeugnis bekommen sie nämlich erst kurz vor den Sommerferien.

Statt eine schriftliche Empfehlung zu schreiben sollen die Lehrer Eltern und Kinder in zwei Gesprächen beraten. Verbindlich vorgeschrieben sind diese Termine allerdings nicht. An der Grundschule An der Feldbuschwende hätten das erste Beratungsgespräch im November dennoch fast alle Familien wahrgenommen, berichten die Klassenlehrerinnen Michaela Friedrich und Maren Jäger-Preuss.

Für Justyna Paulik-Suchanek war dies keine Frage. „Ich wollte meine Sicht mit der Wahrnehmung der Lehrer abgleichen.“ Tochter Jolyne (10) hatte erst ein bisschen „Bammel, dass in dem Gespräch auch nicht so gute Sachen über mich gesagt werden“ würden. Aber ihre Sorge war völlig unbegründet: Mutter und Lehrerin waren sich schnell einig: Jolyne ist eine gute Schülerin. Musik, Kunst und Englisch liegen ihr besonders. Ihre Wunschschule hat sich die Zehnjährige auch schon ausgesucht: die Sophienschule im Zooviertel. Angucken will sie sich aber noch drei, vier weitere Schulen. Das erhöht am Ende die Auswahlmöglichkeiten.

In dem 15-minütigen Beratungsgespräch an der Grundschule geht es um das Arbeits- und Sozialverhalten der Kinder, die individuelle Lernentwicklung, aber auch um konkrete Stärken und Schwächen in Mathematik, Deutsch und Sachunterricht. Wichtig sind aber auch Fragen der Selbstorganisation: Wie beteiligen die Kinder sich im Unterricht? Können sie sich in die Gemeinschaft einfügen? Erledigen sie regelmäßig ihre Hausaufgaben und sind die guten Mappen ihr eigenes Werk oder eher das ihrer Eltern? Die Ergebnisse werden in einem Protokoll zusammengefasst, das laut Kultusministerium alle Schulen verbindlich benutzen sollen. Lehrer müssten auch wissen, welche Anforderungen die weiterführenden Schulen an die Kinder stellten, um die Eltern entsprechend beraten zu können, heißt es im Ministerium.

Manchmal dauern die Beratungen nicht 15 Minuten, sondern dreimal so lange, wenn man Eltern noch mal eben das deutsche Schulsystem erläutern muss, so wie es Friedrich neulich erlebt hat.

Mit der Abschaffung der Laufbahnempfehlung wollte die rot-grüne Regierung den Druck aus der Grundschule nehmen. Ist das gelungen? Die Lehrerinnen zucken mit den Schultern. „Eher nicht“, sagt Friedrich. „Das Phänomen ist geblieben“, sagt Schulleiterin Susanne Albrecht. Der Druck sei vielleicht sogar gewachsen, meint Lehrerin Jäger-Preuss, weil jetzt schon das Halbjahreszeugnis das Entscheidende sei und nicht erst das Zeugnis, das am Ende des zweiten Halbjahres ausgegeben werde. Albrecht appellierte an Eltern, an ihre Kinder nicht zu hohe Erwartungen zu stellen: „Viele Wege führen zum Abitur, unser System ist durchlässig, es muss nicht immer gleich von Anfang an das Gymnasium sein.“ Sie rät, auf alle Fälle die Beratungstermine wahrzunehmen und die Meinung der Lehrer wohl abzuwägen.

Kerstin Antoniazzi-Lilje hat schon einen Schulwechsel mit ihrer Tochter Lilly (12) hinter sich gebracht, die Laufbahnempfehlung war dabei nicht das Entscheidende, sondern nur ein Baustein unter vielen. „Man redet mit den Lehrern, guckt sich viele Schulen an, fragt Freunde, hört sich um, je mehr Informationen man hat, desto verunsicherter ist man schließlich.“ Ob man die richtige Schule gewählt habe, wisse man erst nach drei Jahren, glaubt sie. „Vorher ist die Entscheidung eher ein Blindflug.“ Bei Tochter Lilly hat es geklappt. Wohl auch deshalb will Ole (9) auf dieselbe Schule wie seine große Schwester: die Elsa-Brändström-Schule in der Südstadt. Ihm ist das Angebot an Arbeitsgemeinschaften wichtig: „Man ist ja viele Stunden in der Schule.“ Seine Mutter achtet auch auf die gute Erreichbarkeit mit Bus und Bahn. Gespräche zwischen Schülern, Eltern und Lehrern erleichtern den Schulwechsel, davon sind alle Beteiligten überzeugt. Ole freut sich schon auf sein Halbjahreszeugnis, auch weil da Noten stehen und keine ausformulierten Sätze wie auf einem Lernbericht: „Ich mag Zahlen.“

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