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Schweben einmal Gondeln zur Wasserstadt?

Idee für Transportmittel Schweben einmal Gondeln zur Wasserstadt?

Ist das eine visionäre Idee zur Lösung des Verkehrsproblems oder nur ein Wahlkampf-Gag? Die Grünen wollen eine Seilbahn vom Neubaugebiet in Limmer zum Königsworther Platz. Stadtbaurat Uwe Bodemann und die Üstra halten die Idee nicht für eine Luftnummer und wollen sie sorgfältig prüfen.

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So könnte die Seilbahn von der Wasserstadt Limmer zur Innenstadt aussehen.

Quelle: (B\374ro)

Hannover. An die Expo denkt Daniel Gardemin gern zurück. Auch in den knallgelben Gondeln der Seilbahn, die über das Gelände schwebten, hat er öfter gesessen. Doch die Erinnerungen an die Weltausstellung waren es nicht, die den Parteichef der hannoverschen Grünen zu seinem jüngsten Vorstoß veranlasst haben: Eine Seilbahn zur Wasserstadt wünscht sich Gardemin. In luftiger Höhe könnte vom Königsworther Platz entlang der Leine eine Verbindung zu dem künftigen Wohngebiet in Limmer geschaffen werden - so schwebt es Gardemin vor. „Das wäre keine Touristenattraktion, sondern eine Alternative zur Stadtbahn“, stellt er klar. Stadtbaurat Uwe Bodemann und die Üstra halten die Idee offenbar nicht nur für eine Luftnummer. Sie sei interessant, müsse aber sorgfältig geprüft werden, lautet der Tenor.

„Seilbahnen kennen keinen Stau, keine Ampel, stehen häufig zur Abfahrt bereit, haben einen geringen Energie- und Platzverbrauch, sind emissionsarm und verursachen keinen Lärm“, wirbt Gardemin in dem Antrag, mit dem die die Stadt zur Seilbahn-Prüfung aufgefordert werden soll. Denn der Grüne, der auch Fraktionschef im Bezirksrat Linden-Limmer ist, sorgt sich, dass die geplante Stadtbahnanbindung der Wasserstadt mit ihren 3500 Bewohnern Probleme bereiten wird. Wenn zusätzliche Bahnen Richtung Limmer durch den Stadtbezirk rauschen, werde die bestehende Strecke zu sehr belastet.

Bei Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim stößt der Vorschlag auf offene Ohren. Der emeritierte Professor der Uni Trier gilt hierzulande als einer der lautstärksten Anhänger von Seilbahnen im städtischen Raum. „Bisher hat man das für einen Aprilscherz gehalten, aber inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt“, sagt er. In Städten wie Koblenz, Berlin, Bonn und Wuppertal sei das Thema längst angekommen. Nach seinen Worten haben Seilbahnen auch den Vorteil, dass sie vergleichsweise schnell zu errichten sind. Der Professor schätzt, dass eine Seilbahn für die Wasserstadt binnen neun Monaten erbaut werden kann; der Bau einer Stadtbahnstrecke könne da nicht mithalten.

Die Opposition ist wenig begeistert

Die Wasserstadt-Strecke sei mit rund drei Kilometern ideal für eine Seilbahn, meint Monheim. Auf langen Strecken sind die Gondeln, die nach dem Pater-Noster-Prinzip verkehren, mit einer Spitzengeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern schlicht zu langsam. Für die Wasserstadt hält der Wissenschaftler eine Kapazität von 3000 Personen pro Stunde - in jeder Richtung - für denkbar. Die Gondelsysteme seien so flexibel, dass auch stündliche Passagierzahlen zwischen 1000 und 7000 möglich seien, erklärt er. Die zeitlichen Abstände zwischen den vorbeischwebenden Gondeln lägen in der Regel zwischen 35 Sekunden und maximal zwei Minuten.

Laut Monheim sind Seilbahnen auch günstiger als Stadtbahnen: Mit etwa 10 Millionen Euro je Kilometer kosteten sie im Vergleich nur etwa ein Drittel. Eine Rechnung, die die Üstra nicht bestätigen kann. „Ein Kilometer Stadtbahn kostet etwa 15 Millionen Euro“, sagt Sprecherin Katja Raddatz. Je nach Bauprojekt könne es auch mal 20 Prozent günstiger oder teurer werden. „Für eine Seilbahn gibt noch ganz viel Klärungsbedarf“, sagt Raddatz. „Grundsätzlich stehen wir dem Thema aber offen gegenüber.“ Wichtig sei vor allem, eine seriöse Machbarkeitsstudie zu erstellen.

Traumblick auf die Herrenhäuser Gärten?

Für die Ratsfraktion der CDU ist das offenbar nicht mehr nötig: „Das Ganze ist ein Wahlkampf-Gag“, konstatiert der baupolitische Sprecher Felix Blaschzyk. Auch SPD-Bauexperte Jürgen Mineur schüttelt den Kopf: „Ich halte das für einen Schnellschuss und extrem unrealistisch.“ Die Seilbahnstrecke würde über dicht besiedeltes Gebiet führen - was gefährlich werden könnte. Außerdem sei am Leineufer zu wenig Platz für die massiven Seilbahnstationen.

Bedenken hat auch Herrenhausen-Chef Ronald Clark, wenn Gondeln in Sichtweite der Herrenhäuser Gärten in der Luft schweben sollten: „Das beeinträchtigt das Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Anlagen.“ Der Blick von oben auf die Gärten freilich wäre ein ganz besonderer Hingucker.

Ein Transportmittel nicht nur für Gebirge

Eine Seilbahn im Flachland erscheine ihm „ähnlich seltsam wie eine Schiffsverbindung auf einen Berg“, spottete Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel vergangene Woche in der HAZ angesichts von Plänen, eine Seilbahn vom Festland zur Nordseeinsel Baltrum zu installieren. Dabei ist das Transportmittel auch im Flachland durchaus attraktiv.

In Köln etwa hat Europas erste Seilschwebebahn seit 1957 nach eigenen Angaben fast 20 Millionen Fahrgäste über den Rhein transportiert – meist eher aus touristischem Interesse denn als reines Verkehrsmittel. In Hannover transportierte die 2,8 Kilometer lange Gondelbahn auf dem Expo-Gelände angeblich 7,5 der rund 14 Millionen Expo-Gäste. Sie wurde nach der Weltausstellung abgebaut, die 131 Gondeln schweben jetzt in den Alpen und im Schwarzwald.

In Berlin wird gerade eine 1,5 Kilometer lange Seilbahn über dem Gelände der Internationalen Gartenschau 2017 im Bezirk Marzahn montiert. Sie soll den 106 Meter hohen Kienberg überspannen und nach Angaben der Hersteller langfristig als „innovative Tourismus- und Verkehrsinfrastruktur“ erhalten bleiben.

In Bonn hat die Stadt eine Machbarkeitsstudie für eine urbane Seilbahn auf den Weg gebracht. Sie soll vom Uniklinikum auf dem Venusberg ins ehemalige Regierungsviertel führen, um Verkehrsströme zu entzerren. Die Bürger können sich an dem Prozess beteiligen. Experten rechnen mit Kosten von mindestens 40 Millionen Euro. 2020 könnten die Bauarbeiten starten.

In den Niederlanden war die 1,1 Kilometer lange, temporäre Floriade-Seilbahn von 2011 bis 2012 die Attraktion für Besucher des gleichnamigen Parks bei Venlo, inzwischen ist sie in Österreich wieder aufgebaut.

In Hamburg hat sich 2014 eine Mehrheit im Bürgerentscheid dagegen ausgesprochen, eine 80 Meter hohe Bahn über den Hafen zu bauen, sie hätte 35 Millionen Euro für 1,5 Kilometer gekostet.

med/jk

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