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Aus der Stadt Freibäder bleiben im Sechzigerjahre-Stil
Hannover Aus der Stadt Freibäder bleiben im Sechzigerjahre-Stil
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00:20 11.08.2015
Von Bernd Haase
Das Volksbad Limmer ist ein klassisches Freibad. Quelle: Schaarschmidt (Archiv)
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Hannover

Wenn sich die Stadt Hannover in den kommenden Jahren an die Sanierung ihrer maroden Schwimmstätten macht, soll jedes Hallenbad ein eigenes Profil erhalten – das Stadion- als Veranstaltungsbad, das Fösse- als Gesundheitsbad, das Vahrenwalder als Familienbad beispielsweise. Für die städtischen Freibäder ist so etwas nicht geplant. Der Grund: „Freibad an sich bedeutet schon eine Profilierung“, sagt Rathaussprecherin Konstanze Kalmus. Nach Ansicht von Sportwissenschaftler Michael Weilandt von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen in Essen liegt die Stadt damit richtig.

Jede zweite Schwimmstätte ein Freibad

Unter den knapp 7500 Bädern in Deutschland ist mehr als jedes zweite ein Freibad. Zu verdanken ist das dem Deutschen Sportbund, der den sogenannten goldenen Plan entwickelte. Danach sollte das Land flächendeckend mit Schwimmkästen als wettkampftaugliche Stätten für Leibesertüchtigung bestückt werden. Deshalb stammt der Großteil aller Freibäder – auch in Hannover – aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Sie sehen aus, als hätte es damals eine Art allgemeine Dienstanweisung zu Gestaltung und Bau gegeben. Sportgerechtes Schwimmbecken, Nichtschwimmerbecken, Sprunganlage mit Ein- und Dreimeterbrett – fertig war die Laube.

„Viel mehr braucht man nicht in einem Freibad. Das gilt auch heute noch“, sagt Sportwissenschaftler Weilandt. Das einzige, was sich in klassischen Freibädern merkbar geändert habe, sei die Gestaltung der Außenflächen. Die einfache Tischtennisplatte vor dem Freibadkiosk reichte nicht mehr, man baute Volleyballfelder, Fußballplätze, Matschanlagen und dergleichen.
Trotzdem geht die Zahl der Freibäder etwas zurück „Seit der Jahrtausendwende ist nicht eines neu eröffnet worden, aber so manche sind verschwunden“, hat die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen registriert.

Im Trend: Spaß- und Wellnesbäder

Die Standortfrage stellt sich immer dann, wenn die betagten Bäder zum Sanierungsfall werden – meistens betrifft das die technische Ausrüstung. Die Städte müssen dann überlegen, ob sie sechs- und bisweilen sogar siebenstellige Euro-Summen in Einrichtungen stecken, die überhaupt nur drei bis vier Monate im Jahr geöffnet sein können und als wahrer Publikumsmagnet nur an wirklich schönen Sommertagen funktionieren.
Ein Freibad zu schließen verlangt Durchsetzungskraft, weil sich immer Widerstand in der Bevölkerung erhebt. Deshalb gibt es Umbauvarianten. Wennigsen hat sich früh für ein Naturbad entschieden, die Stadt Hannover ist mit dem Freibad Hainholz diesem Vorbild gefolgt. Noch stärker im Trend liegen Spaß- und Wellnessbäder. Die Stadt Langenhagen plant gerade, gegenüber der Galopprennbahn Neue Bult eine solche Anlage für schlanke 27 Millionen hinzustellen, und opfert dafür das alte Frei- und Hallenbad im Ortsteil Godshorn, einen der Klassiker aus der Ära des goldenen Plans.

DLRG fordert Lehrschwimmbecken

Den modernen Hang zur Volksbespaßung im Bad mittels Düsen, Sprudlern, Gegenstromanlagen, Wasserkissen und dergleichen sieht man bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kritisch – und zwar dann, wenn dafür Wasserflächen für den Sport- und Unterrichtsbetrieb weichen müssen. Das passiert nicht selten, und die Folgen sind schon absehbar. Nach Angaben der DLRG kann mittlerweile jedes zweite Grundschulkind in Deutschland nicht schwimmen, wenn es die vierte Klasse verlässt. „Das ist erstens gefährlich und zweitens dumm. Spaßbäder gefährden ihr Kundenpotenzial, wenn es immer weniger Schwimmer gibt“, sagt Verbandssprecher Achim Wiese.

Die DLRG fordert, dass Städte auch in Spaßbädern mindestens Lehrschwimmbecken anlegen, die zwar nicht wettkampf-, aber dafür unterrichtstauglich sind. Zumindest in diesem Punkt handelt die Stadt Langenhagen bei ihrem Millionenprojekt vorbildlich.

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