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Schwulenlokal Burgklause wird 50

Kultkneipe in der Altstadt Schwulenlokal Burgklause wird 50

Homosexuelle und Heterosexuelle, Alt und Jung – seit 50 Jahren kommen sie in der Kultkneipe Burgklause in Hannovers Altstadt zusammen. Dieses Jahr feiert der jetzige Betreiber Harald Göpel den runden Geburtstag des Schwulenlokals. Gegründet wurde die Klause übrigens von zwei Lesben.

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„Das schönste an der Burgklause ist, dass man niemandem erklären muss, was sie ist“: Harald Göpel (re.) und Stephan Sandvoß.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Einer seiner Stammgäste hat ihn darauf gebracht. Darauf, dass in diesem Jahr ein historisches Datum ansteht. Dann hat Harald Göpel recherchiert und nachgerechnet. Tatsächlich: Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die Burgklause in der Altstadt ihre Türen geöffnet hat. Damit ist die kultige Kneipe in der Burgstraße Hannovers zweitältestes noch existierendes Schwulenlokal; nur die Barkarole in Linden gibt es zwei Jahre länger.

Gegründet von zwei Lesben

Gegründet wurde die Klause kurioserweise von zwei Lesben. Und heute ist sie weit mehr als ein schwuler Szeneladen. „Am Wochenende“, sagt Göpel, „sind hier häufig sogar mehr Heteros.“

Viel größer als ein Wohnzimmer ist die Burgklause nicht. Die Holztheke in der Mitte dominiert den Raum, vergoldete Messingleuchten hängen an der Decke, lederbezogene Sitzbänke und ein Hirschgeweih an der Wand vervollständigen das zünftige Ambiente. Gar nicht dazu passen will die bunte Galerie von Plastikpuppen: Ken, der Freund von Barbie, mal als Fußballer, mal im Anzug, mal im Freizeitdress und mal mit offener Hose. Auch die rotierende Diskokugel mit Nebelmaschine und Lichtshow auf dem Klo wirkt wie ein Stilbruch.

Vor drei Jahren wurde die Burgklause erneuert

Das Kontrastprogramm ist gewollt. „Der Laden hat mich schon immer fasziniert“, sagt Göpel, der vor drei Jahren den Zapfhahn übernommen hat. Der erfahrene Gastronom, der lange im früheren Market und dem ehemaligen Bolero gearbeitet hat, wollte die Klause runderneuern, ohne das gewohnt-gediegene Erscheinungsbild aufzugeben. Neun Monate standen die Räume leer, nachdem der letzte Wirt Anfang 2012 aufgegeben hatte. Irgendwann war in der Burgklause die Zeit stehengeblieben, es kamen nur noch die, die schon immer kamen, und das reichte nicht mehr.

Die Burgklause ist Hannovers zweitältestes Schwulenlokal - und nicht nur ein Treffpunkt für Homosexuelle. Auch Heteros kommen bei Bier und Schnaps in der kultigen Kneipe in der Altstadt zusammen. Jetzt feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen.

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In den Neunzigerjahren war Göpel in der Klause selbst als Gast ein- und ausgegangen. „Da fühlte man sich wie zu Hause“, erinnert er sich. Ein Foto des früheren Betreibers Wolfgang Brückner, der gut 15 Jahre dabei war, hängt noch an der Wand. Die beiden Gründerinnen, die die Kneipe anno 1966 eröffneten und bis 1990 betrieben, hat Göpel dagegen nicht mehr kennengelernt. Doch alteingesessene Gäste erzählten ihm von „den beiden Hilden“. Lesben, die die Schwulenkneipe mütterlich führten, aber auch so manchen Ärger mit der Polizei hatten.

In den Sechszigerjahren waren Schwulenkneipen noch verrucht

„Das muss anfangs ganz schön verrucht gewesen sein“, sagt Göpel. Auch Zuhälter und Prostituierte mischten sich unter die Gäste. Zudem war es in den Sechzigerjahren alles andere als selbstverständlich, in eine Schwulenkneipe zu gehen. Die Gardinen waren zugezogen, man musste klingeln, um eingelassen zu werden. Letztlich existierte in Deutschland sogar noch bis 1994 der Paragraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellte.

Das ist Vergangenheit, Göpel setzt auf die Gegenwart. Seine 60 Jahre sieht man dem durchtrainierten, quirligen Gastronomen mit den großflächigen Tatoos auf dem kahlen Kopf nicht an. Er ist sichtlich stolz, dass es ihm gelungen ist, die Burgklause nach dem Stillstand wiederzubeleben und für ein breites Publikum zu öffnen. Gerade auch, weil in der jüngsten Zeit immer mehr Lokale mit langer Geschichte geschlossen wurden - ob Spiegel und Pindopp in der Südstadt, Bodo Linnemanns Casa und natürlich auch das Caldo. Die Cocktailbar zwischen langer Laube und Brühlstraße war bei ihrem Start 1985 Ausdruck für das stetig gewachsene Selbstbewusstsein der Schwulenszene in der Stadt. Und trotzdem immer ein Ort, der kein reiner Schwulentreff sein wollte.

Bier und Schnaps bringen alle zusammen

Das gilt heute auch für die Burgklause. „Bei uns mischt sich alles, wir haben hier Gäste von 18 bis 80, aus allen Schichten“, sagt Göpels Mitarbeiter Stephan Sandvoß. Sie kommen zum Plaudern und zum Partymachen. Bei Musik aus den Achtzigern und der ganzen Bandbreite an Schlagern. Auch wenn es keine Tanzfläche gibt. „Wir sind“, sagt Göpel, „eine reine Bier- und Raucherkneipe.“ Schnäpse schenkt der Chef aber auch aus, Jägermeister, Ouzo und selbstgemischten Wodka mir Maracuja- oder Johannisbeere. Und er hat nichts dagegen, wenn die Gäste auch mal den Pizzaboten rufen. „Das Schöne an der Burgklause ist, dass man niemandem erklären muss, was sie ist“, steht selbstbewusst auf der Internetseite. Wer es noch nicht weiß, dem erklärt Göpel es gerne.

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