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Reden, nicht missionieren

Seelsorge im Henriettenstift Reden, nicht missionieren

Dieser einen Frage begegnen sie immer wieder, sagen Clementine Haupt-Mertens und Ulrich Tietze. „Wo stehe ich überhaupt?“ - das fragten sich viele Kranke. Die beiden Krankenhausseelsorger arbeiten im Henriettenstift an der Marienstraße haben regelmäßig mit Patienten und solchen Fragestellungen zu tun.

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Pastorin Clementine Haupt-Merten und Seelsorger Ulrich Tietze.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Wo stehe ich im Leben, in meiner Beziehung, in meinem Beruf? Oft fällt es schwer, darauf überhaupt Antworten zu finden, und manchmal fallen die Antworten traurig aus. Die beiden Krankenhausseelsorger im Henriettenstift an der Marienstraße haben regelmäßig mit Patienten und solchen Fragestellungen zu tun. Doch die Betreuung „auf Station“ reiche nicht aus, meinen die zwei. Die Pastoren bauen deshalb einen in Deutschland bislang einmaligen ambulanten Seelsorgedienst namens „Gute Seele“ auf und suchen für ihr Projekt ehrenamtliche Mitarbeiter.

„Dann muss man auch die Seelsorge ambulantisieren“

„Gute Seele“ reagiert auf das, was man im Fachjargon „Ambulantisierung“ nennt: Patienten werden immer schneller nach Hause entlassen. Anfang der Neunzigerjahre lagen Kranke durchschnittlich 13,3 Tage in der Klinik, mittlerweile hat sich die Zahl halbiert. „Dann muss man auch die Seelsorge ambulantisieren“, sagt Tietze. Das meint: „Gute Seele“ will entlassene Patienten zu Hause mit Gesprächen unterstützen. Es geht nicht darum, den Haushalt zu machen oder Essen auf Rädern zu organisieren. Vielmehr sollen die Ehrenamtlichen als Gesprächspartner für die erste Zeit nach der Entlassung da sein - wenn etwa eine Krankheit an den Grundfesten des Lebens rührt. Solche Unterstützung sei ziemlich oft nötig, sagen die Pastoren, zumal im Krankenhaus heutzutage Mediziner, Pflegepersonal und Sozialarbeiter kaum noch Zeit hätten, sich mit Kranken auch mal in Ruhe zu unterhalten.

Seit einem Jahr bereiten Clementine Haupt-Mertens, die zuvor 30 Jahre in München gearbeitet hat, und Ulrich Tietze, ehemals Gefängnisseelsorger in der JVA Hannover, „Gute Seele“ vor. Unterstützt wird das Projekt des zu Diakovere (ehemals: Diakonische Dienste) gehörenden Krankenhauses vom Innovationsfonds der Evangelischen Landeskirche. Im 600-Betten-Haus an der Marienstraße betreuen die beiden Pastoren und ihre zwei Kollegen - die vier arbeiten alle in Teilzeit - jegliche Kranke, die das wünschen: egal, ob evangelisch, katholisch, muslimisch oder konfessionslos. Diese Bandbreite gilt auch für die Patienten des neuen Projekts. Die Ehrenamtlichen allerdings sollen Mitglied einer christlichen Kirche sein. Schließlich zahle die Landeskirche, die eine Pastorenstelle für „Gute Seele“ finanziert, das Projekt, so Haupt-Mertens. „Es geht aber nicht darum, mit Bibel und Gesangbuch unterm Arm über die Schwelle zu treten“, sagt ihr Kollege. Man wolle nicht missionieren, sondern für einen begrenzten Zeitraum Gesprächsangebote machen.

Männer und Frauen zwischen 25 und 75 Jahren wünschen sich die beiden als Ehrenamtliche, Menschen, die sensibel und lebenserfahren seien - und auch dazu in der Lage, nach drei, vier Besuchen Patienten allein zu lassen. Die Mitarbeiter bei „Gute Seele“ werden geschult, am 9. April ist der Einführungsabend. Sorgen, dass in Zeiten, in denen viele Menschen in der Flüchtlingsbetreuung tätig sind, sich kaum jemand für andere Freiwilligenarbeit interessiert, haben die Initiatoren nicht. Man müsse allerdings immer darauf achten, dass niemand überfordert werde, sagt Clementine Haupt-Mertens: „Ehrenamtliche müssen gut begleitet werden.“

Die Krankenhausseelsorger sind erreichbar unter Clementine.Haupt-Mertens@Henriettenstiftung.de und Ulrich.Tietze@Henriettenstiftung.de.

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