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Erziehungsgespräche unterm Tannenbaum

Fünf Elterntalk   Erziehungsgespräche unterm Tannenbaum

Teetrinken und sich mit anderen Müttern oder Vätern in privater Atmosphäre über Erziehungsfragen austauschen  –das ist Elterntalk. Seit fünf Jahren gibt es das auch in Hannover, zum Beispiel am Sahlkamp.

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Erziehungsgespräche in privater Atmosphäre – auch am Sahlkamp gibt es regelmäßig Gesprächsrunde. Väter sind bei Elterntalk die Ausnahme.

Quelle: Heidrich

Hannover.  Die eine ist Herrin über die Fernbedienung. „Die überlasse ich doch nicht meinen Kindern“, sagt die junge Mutter, „ich bestimme, was sie im Fernsehen gucken und was nicht.“  Die Frau ihr gegenüber hat schon ältere Kinder und ihre eigenen Erfahrungen mit zu viel mütterlicher Strenge gemacht: „Warte mal ab, bis du Teenager hast“, erwidert sie milde lächelnd, „wir sprechen in ein paar Jahren noch mal über das Thema.“ 

Der private Austausch im Wohnzimmer über Erziehungsfragen, die alle angehen, das ist das Prinzip von Elterntalk. Es wird geredet, aber nicht bewertet. Seit fünf Jahren gibt es dieses Angebot, das eigentlich in der Schweiz entwickelt wurde, auch in Niedersachsen. Und von Anfang war Hannover dabei. Der Sahlkamp gehört zu einem von zwei Standorten, an denen regelmäßige Gesprächsrunden stattfinden. 

An diesem Morgen treffen sich sieben Mütter bei Loutfiye Ghamlouche (35) im Wohnzimmer, um unterm geschmückten Weihnachtsbaum, mit Kerze auf dem reich gedeckten Frühstückstisch und Tee über den Fernsehkonsum ihrer Kinder zu sprechen. Zu Beginn nimmt sich jede eine bebilderte Themenkarte und erläutert, worüber sie sprechen möchte. Die Gastgeberin, sechsfache Mutter mit Kindern zwischen zwei und 17 Jahren, die ursprünglich aus dem Libanon stammt, möchte wissen, ob die anderen Mütter sich auch schon mal über unpassende Altersbeschränkungen geärgert hätten. Manche Filme mit Gewaltszenen seien trotzdem für Kinder ab sechs Jahren freigegeben, kritisiert sie. Zustimmendes Gemurmel in der Runde. Altersbeschränkungen hin oder her - bei älteren Geschwistern könne es immer mal vorkommen, dass der jüngere Bruder versehentlich Sendungen mitsehe, die für ihn eigentlich gar nicht geeignet seien, wirft eine andere Mutter ein. Ebru Süsli (33) stört die TV-Werbung, die eigens auf Kinder ausgerichtet sei: „Da muss man hart bleiben, auch wenn die Kinder nörgeln, dass sie Puppe oder das Auto haben wollen.“

Fadima Bayramoglu (30) findet, dass ihr achtjähriger Sohn am besten nur Wissenssendungen gucken sollte. Er versuche dann auch selbst zu experimentieren und Gesehenes nachzumachen. Fakhria Shafay (31), die drei Kinder im Alter von vier, sieben und 13 Jahren hat, lobt „Nachrichten für Kinder“: „Dort wird langsam und deutlich gesprochen und vieles spielerisch erklärt.“ Ihre Nachbarin bemängelt, dass es in den Nachrichten viel zu oft um Krieg gehe: „Krieg, Krieg, immer nur Krieg, in Syrien, in Afghanistan, im Nahen Osten, unsere Kinder denken noch, Krieg sei normal, obwohl doch hier zu Hause bei ihnen gar kein Krieg ist.“

Tupperparty als Vorbild

Es hat ein bisschen etwas von Tupperparty, nur dass nichts verkauft wird. Man trifft sich in der Wohnung eines Gastgebers und redet ungezwungen und vertraulich über Erziehungsthemen. Moderiert wird die Runde von Müttern oder Vätern aus dem Stadtteil. Seit fünf Jahren lädt die Landessstelle Niedersachsen zum Elterntalk, erreicht wurden bislang knapp 16.000 Eltern, ein Viertel davon in Hannover. 83 Prozent der Eltern, die sich trafen, hatten einen Migrationshintergrund. Allein in der Landeshauptstadt gab es bislang mehr als 800 solcher Gesprächssrunden – zu Fernseh- und Handykonsum bei Kindern, gesunde Ernährung, Gleichberechtigung oder neu auch zum Spielen. Von den 70 Moderatoren sind nur zwei männlich. Entsprechend selten sind auch reine Vätertreffs. dö  

„Wir wollen Familien erreichen, die nicht zu den Elternabenden in der Kita und in der Schule kommen, oft wegen der sprachlichen Hürden“, sagt Simone Zanjani, Projektleiterin von Elterntalk bei der Landesstelle Niedersachsen. Das Gespräch der Mütter am Sahlkamp wird weitergehen, darin sind sich alle einig. Das nächste Mal wollen sie über Kinderrechte sprechen.

Von Saskia Döhner

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