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Der Erkrankung ein Gesicht geben

30. Hannoversche Selbsthilfetag Der Erkrankung ein Gesicht geben

Am Sonnabend präsentierten sich rund 90 Gruppen beim 30. Hannoverschen Selbsthilfetag auf dem Kröpcke. Dabei waren große Organisationen wie die "Lebenshilfe", aber auch kleinere Gruppen. Auch Regionspräsident Hauke Jagau unterstützte die Veranstaltung mit einem Grußwort.

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Quelle: Eberstein

Hannover. Stefan Loth wirkt fröhlich, offen, entspannt – so wie er da mit Hündin Luna beim 30. Hannoverschen Selbsthilfetag an seinem Stand am Kröpcke steht. Das selbstgeschriebene Plakat „Achtung, wir beißen nicht, trotz Hund“ tut ein Übriges, um einladend zu wirken. Dabei kennt Loth ganz andere Stimmungslagen. Seit seiner Kindheit leidet der Leiter der beiden Garbsener Selbsthilfegruppen „Hab Mut, es tut gut“ und „Mittendrin – trotz Angst“ an Depressionen, ist Frührentner, hat mehrere Klinikaufenthalte hinter sich. Weder tiefe Traurigkeit, noch der völlige Rückzug in sich selbst sind ihm fremd.

Umso wichtiger findet er es, seiner Erkrankung ein Gesicht zu geben. Öffentlich präsent will er sein, auch auf einer so großen Veranstaltung wie dem Hannoverschen Selbsthilfetag, der mit dem Motto „Selbsthilfe zeigt Gesicht“ wirbt. „Wir sind nicht ansteckend, wir müssen zeigen, dass es uns gibt“, sagt er. Und: „Es hilft auch mir, wenn andere von meinen Erfahrungen profitieren.“

Zum 30. Mal richtet die Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle im Selbsthilfebereich (KIBIS) den Hannoverschen Selbsthilfetag aus. Selbsthilfegruppen aus Hannover und der Region bieten auf der Meile rund um dem Kröpcke bis zum Platz der Weltausstellung eine Mischung aus Informationen, Gesprächen und Mitmachaktionen unter freiem Himmel.

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Rund 90 Selbsthilfegruppen präsentieren sich nach Angaben von Rita Hagemann, Leiterin der Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle im Selbsthilfebereich (Kibis) an diesem Tag auf dem Kröpcke. Kibis hat den Tag, die größte Veranstaltung ihrer Art in Deutschland, organisiert. Große Organisationen wie die „Lebenshilfe“ sind dabei, aber auch kleine Gruppen, in denen sich nicht mehr als rund zehn Leute regelmäßig unterstützen. Als eine „feste Säule im Gesundheitssystem“, neben medizinischer Versorgung und wissenschaftlicher Forschung bezeichnet Regionspräsident Hauke Jagau sie in seinem Grußwort. Eigenverantwortung und Eigeninitiative seien die Begriffe, die die Selbsthilfe zu einer wichtigen Stütze für viele Menschen machten, fügt Bürgermeister Thomas Hermann hinzu. Die Stände der Gruppen ziehen sich an diesem Tag bis hin zum Platz der Weltausstellung.

Stefan Loth hat Hündin Luna auch als eine Art Lockvogel vor seinem Stand postiert. Weil er weiß, dass es gar nicht so einfach ist, bei einer Selbsthilfegruppe zum Thema Depressionen stehen zu bleiben. Über den Hund komme man leichter ins Gespräch, sagt er. Die Strategie verfolgen auch andere. Glücksräder sieht man aufgebaut, Menschen aus Pappmaschee, die am Körper Schilder mit Kernbegriffen des Problems oder der Erkrankung tragen. Die Angehörigen-Selbsthilfegruppe Mediensucht hat mit der lebensgroßen Puppe Ernie ein eindrucksvolles Exemplar eines betroffenen Jugendlichen aufgebaut. Ernie sitzt vor dem Computer und spielt. Auf seinem Tisch sieht es ansonsten grässlich aus. Chipstüten fliegen herum, dazu ein abgenagter Hähnchenschenkel, ein umgestürzter Pappbecher.

Bis zu 16 Stunden verbrächten Mediensüchtige vor dem Computer, sagt Gesine Erdmann. Mediensucht sei immer noch viel zu wenig bekannt. Dabei explodiere das Problem geradezu, seit Internet auf fast jedem Smartphone verfügbar sei. „Da gibt es für Eltern kaum noch Möglichkeiten der Kontrolle.“ Erdmann findet es wichtig, Besuchern Informationen mitzugeben. Wohin könne man sich wenden, wenn einem das Bauchgefühl sage, dass mit dem eigenen Kind etwas nicht stimme? Nicht jeder Psychologe kenne sich mit Mediensucht aus: „Eltern, die sich an uns wenden, haben oft eine Odyssee hinter sich."

Manche Besucher haben auch sehr konkrete Fragen, berichtet Heike Müller-Schulz von der Alzheimer Gesellschaft Hannover. Was kann man tun, um den Vater im Heim zu unterstützen? Wie wird man mit dem Schuldgefühl fertig, wenn man es mit dem Kranken zuhause nicht mehr schafft?

Und die Betroffenen selbst? Auch sie suchen oft konkrete, individuelle Hilfe. „Ich hatte vor 8 Jahren einen schweren Tinnitus und habe Angst, dass er zurückkommt“, sagt eine 77-jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie wolle wissen, was sie präventiv tun könne, sagt sie und findet Rat am Stand der Deutschen Tinnitus Liga Hannover.

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