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Senioren leben in Hannover gefährlich

Lagebericht der Stadt Senioren leben in Hannover gefährlich

In keiner deutschen Großstadt ist das Risiko für Senioren, im Straßenverkehr verletzt oder getötet zu werden, so hoch wie in Hannover. Das geht aus dem aktuellen Lagebericht zur Stadtentwicklung hervor, den die Verwaltung am Mittwoch vorgelegt hat.

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In keiner deutschen Großstadt ist das Risiko für Senioren, im Straßenverkehr verletzt oder getötet zu werden, so hoch wie in Hannover.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Mit 34 Unfallopfern pro 10 000 Einwohnern im Alter von mindestens 65 Jahren belegt Hannover den traurigen Spitzenplatz im Vergleich aller 15 Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern.

Mit diesen Zahlen bestätigt sich eine Tendenz, die sich bereits 2009 im Lagebericht abgezeichnet hatte. Bei den Kinderunfällen dagegen, wo Hannover jahrelang die bundesweit höchsten Fallzahlen hatte, hat sich der jüngsten Statistik zufolge Bremen vor Hannover geschoben. Mit ebenfalls 34 Unfällen pro 10 000 Einwohnern dieser Altersklasse belegt Hannover jetzt gleichauf mit Hamburg den zweiten Platz. Experten hoffen, dass das unlängst gestartete Programm „Gib mir Acht“ die Zahl der Kinderunfälle weiter senkt. Ob ein Ähnliches Programm mit Blick auf Senioren geplant ist, blieb am Mittwoch offen.

Die Unfallzahlen des Lageberichts stammen aus dem Jahr 2009, doch der Verkehrssicherheitsbeauftragte der Polizei, Gerd Schöler, erkennt darin einen Trend. „Allein wegen des demografischen Wandels und weil Senioren immer länger agil bleiben, werden die Unfälle mit Senioren zunehmen.“ Im vergangenen Jahr etwa wurde an einem Tag im August ein 81-jähriger Rentner auf dem Friedrichswall von einem Motorradraser tödlich erfasst und ein 83-Jähriger auf der Podbielskistraße von einem Opel-Fahrer so schwer verletzt, dass er starb. Im Februar wurde ein 80-Jähriger auf der Hermann-Ehlers-Allee überfahren, im Mai stürzte ein 81-jähriger Radfahrer und verletzte sich tödlich. In diesem Jahr allerdings gab es im Stadtgebiet noch keinen tödlichen Seniorenunfall.

Hier können Sie den Lagebericht als pdf-Datei herunterladen.

Der Lagebericht der Stadtverwaltung zeigt, dass die Häufigkeit von Seniorenunfällen in verschiedenen Großstädten sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Gleich hinter Hannover liegen Bremen und München mit ähnlich problematischen Zahlen. In Stuttgart allerdings ist das Risiko, im Verkehr zu verunglücken, nur halb so hoch wie in Hannover. Woran das liegt, kann Polizei-Verkehrsexperte Schöler aus dem Stegreif auch nicht sagen. „Eigentlich wird bereits sehr viel in der Prävention getan“, sagt er. Seniorenprävention im Verkehr sei fester Bestandteil der Routinekontrollen aller Polizeiinspektionen. In Kooperation mit der Verkehrswacht würden Fahrradschulungen angeboten, die Üstra schult im Umgang mit Bus und Bahn. Die Polizei zeigt in speziellen Reaktionsdemonstrationen älteren Fußgängern, wie langsam sie etwa im Vergleich zu Autos sind. „Als älterer Fußgänger muss man einen anderen Zeitfaktor einplanen und darf niemals unter Zeitdruck zum Einkaufen oder zum Arzt gehen“, sagt Schöler. Viele Senioren scheuten aber Umwege und überquerten große Straßen an ungesicherten Stellen. „Mit Rollator kommt einem ein Umweg von 50 Metern unglaublich lang vor – aber die Sicherheit sollte immer vorgehen“, drängt Schöler.

Dem Vorurteil allerdings, dass Senioren am Steuer von Autos viele Unfälle verursachten, tritt der Verkehrsexperte vehement entgegen. „Senioren kompensieren ihre Einbußen beim Sehen, Hören und in der Reaktionszeit durch den Verzicht auf riskantes Fahren.“ Zudem nutzten sie häufig nur die eingeübten Wege oder verzichteten auf Nachtfahrten. „Die Auswertung der Flensburger Verkehrssünderdatei hat eindeutig ergeben, wie sicher Senioren fahren.“ Bei ihrer Gefährdung im Verkehr allerdings müsse angesichts der neuen Statistik über mehr Prävention nachgedacht werden.

Eine Stadt im Aufwind

Hannovers Arbeitsmarkt ist nach der Finanz- und Wirtschaftskrise offenkundig gut wieder in Schwung gekommen. Das geht aus dem Lagebericht zur hannoverschen Stadtentwicklung hervor, den die Stadtverwaltung am Mittwoch vorgelegt hat. Während in den 15 Vergleichs-Großstädten im vergangenen Jahr durchschnittlich sechs neue sozialversicherungspflichtige Jobs pro 1000 Arbeitsplätze entstanden sind, waren es laut Lagebericht in Hannover neun. Erstaunlich: Nicht nur bei dem Zugewinn an Arbeitsplätzen, sondern auch bei der Arbeitsplatzdichte (Jobs pro Einwohner) belegte Hannover hinter Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart den vierten Platz und damit durchaus noch eine Spitzenposition, heißt es im Lagebericht.

Verglichen werden für die Statistik regelmäßig alle Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern – 15 Städte sind es insgesamt. Auffällig ist etwa, dass in fast allen Vergleichsstädten die Einwohnerzahl wächst, nur in den Ruhrgebietsstädten Duisburg, Essen und Dortmund ist das nicht der Fall. Allein im vergangenen Jahr hat Hannover der Statistik zufolge im Saldo von Geburten und Sterbefällen, Zu- und Wegzügen rund 2000 neue Einwohner hinzugewonnen, seit der Jahrtausendwende sind es rund 13.000. Die Zahlen belegten „eine erfreuliche Entwicklung“, kommentierte Oberbürgermeister Stephan Weil die jüngste Datensammlung. Allerdings bedeute der Zuwachs an Kleinkindern auch eine Herausforderung bezüglich des Betreuungsangebotes, heißt es im Lagebericht. Auch bei der Bildung zeigt sich, wo Defizite liegen. 42,5 Prozent der hannoverschen Schulabgänger mit deutschem Pass haben im Jahr 2009 Hochschulreife erlangt, aber nur 17,4 Prozent mit ausländischem Pass. Diese Schere ist nur in wenigen Städten größer, etwa in Stuttgart. Erstaunlich auch: Nirgendwo sind die Geschlechterdifferenzen bei der Bildung so groß wie in Hannover. Personen mit Hochschulreife sind zu 55,2 Prozent weiblich, aber Personen mit Hauptschulabschluss sind zu 57,4 Prozent männlich. Eine Erklärung dafür liefert die Statistik naturgemäß nicht. Aber sie zeigt weitere Kuriositäten:

Museumsmuffel: Hannover hat nicht nur in absoluten Zahlen eine im Großstadtvergleich geringe Zahl an Museen (es sind 16, weniger haben der Statistik zufolge nur Essen, Duisburg und Dortmund), sondern auch relativ gesehen, also auf die Einwohner gerechnet, wenig Museen. Mit 3,3 Museen pro 100.000 Einwohner bringt es die Leinestadt auf Platz elf der 15 Großstädte. Zum Vergleich: In Dresden sind es mit sieben Museen pro 100 000 Einwohnern gut doppelt so viele.

Steuerrückgang: Alle Großstädte haben unter der Wirtschaftskrise gelitten – aber kaum eine Großstadt hatte so intensive Steuerrückgänge zu verbuchen wie Hannover (18,5 Prozent im Jahr 2009 gegenüber 2008, der Durchschnitt der Großstädte lag bei 13,1 Prozent). Vergleichbar mit dem Rückgang in Hannover war eigentlich nur Duisburg (minus 18,7 Prozent), in der Bankenmetropole betrug der Rückgang minus 24,2 Prozent. Essen allerdings hatte einen Steuerzuwachs zu verzeichnen – als einzige Stadt.

Kriminalität: Die Zahl der Taschendiebstähle geht in Hannover spürbar zurück, beim Rückgang landet Hannover auf Platz zwei hinter Bremen. Auch bei den Körperverletzungen hat Hannover laut Lagebericht einen guten Trend. Insbesondere schwere Körperverletzungen spielen im Großstadtvergleich kaum eine Rolle.

Citygeschäfte sind spitze

Hannovers Innenstadt funktioniert im Großstadtvergleich prächtig. Die sogenannte Zentralitätskennziffer (zeigt an, wie viele Auswärtige in Hannover Geld ausgeben) liegt bei 135 Prozent – absoluter Spitzenwert unter den deutschen Einkaufsmetropolen. Bei der Umsatzkennziffer (Einzelhandelsumsatz je Einwohner im Vergleich zum Bundesdurchschnitt) liegen zwar München, Düsseldorf und Nürnberg leicht vor Hannover, aber auch Platz vier ist ja kein schlechtes Ergebnis. Kein Wunder: „Länger währende Leerstände sind in der City nach wie vor nicht zu verzeichnen“, heißt es im Bericht. Besonders die Bahnhofstraße und die Georgstraße hätten ihre Positionen als Top-Einkaufsstraßen in der Bundesrepublik gut behauptet. Mit dem Umbau des Kröpcke-Centers geht die Modernisierung voran.

Hauptstadt der Singles

Sind Hannoveraner einsam – oder wohnen sie nur lieber alleine? 53,8 Prozent aller Wohnungen sind von Einpersonenhaushalten belegt. Diesen Spitzenwert schafft im Vergleich der 15 Großstädte sonst nur noch Berlin, das als Bundeshauptstadt eine Sonderrolle einnimmt. Zum Vergleich: Duisburg hat mit 41,2 Prozent einen deutlich geringeren Wert. Ein bisschen verzerrt ist die Statistik aber, weil alle Einzelpersonen in Wohngemeinschaften, etwa von Studenten, als Singlehaushalte gezählt werden. Das gilt zwar für alle Großstädte, relativiert aber die These von der Vereinsamung etwas. Übrigens hat Hannover mit 41,4 Quadratmetern Wohnfläche pro Einwohner den größten Platzbedarf unter den Vergleichsstädten – der Durchschnittswert beträgt 38 Quadratmeter Wohnfläche.

Zunahme bei Neubauten

Allmählich zieht die Wohnungsbautätigkeit auch in den Großstädten wieder an. 254 neue Gebäude mit insgesamt 377 Wohnungen wurden gebaut – allein diese Zahlen belegen, dass in Hannover kaum noch Mehrfamilienhäuser errichtet werden, sondern zumeist Einfamilien- oder Reihenhäuser. Allerdings hat die Bautätigkeit um 7,7 Prozent zugelegt, was im Großstadtvergleich gar nicht so schlecht ist. Den größten Zuwachs erzielte Frankfurt (plus 34,3 Prozent) vor Stuttgart (plus 15,3 Prozent), aber in einigen Metropolen mit bisher positivem Trend wie München, Hamburg, Berlin oder Köln hat sich die Tendenz umgekehrt. Fachleute warnen bereits, dass insbesondere bei Mehrfamilienhäusern ein Mangel absehbar wird, wenn die Neubautätigkeit weiter so gering bleibt.

Hohe Dichte an Jobs

In Norddeutschland hat Hannover die Spitzenposition als Arbeitsplatzmetropole. Nur in Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart gibt es mehr Jobs pro 100 Einwohner als in Hannover – das macht Platz vier der sogenannten Arbeitsplatzdichte, gemessen an der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahre. Innerhalb eines Jahres kamen pro 1000 bestehender Arbeitsplätze neun neue hinzu – im Durchschnitt aller 15 Vergleichsstädte waren es nur sechs. Die Zuwächse konzentrieren sich insbesondere auf Zeitarbeitsfirmen (plus 1100 neue Jobs), Erziehung/Unterricht (plus 1000) und das Gesundheits- und Sozialwesen (plus 700). Der Lagebericht zur Stadtentwicklung attestiert einen „stabilen wirtschaftlichen Aufschwung“, der durchaus auch auf dem hannoverschen Arbeitsmarkt angekommen sei.

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