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710 Euro für Türöffnen: Seniorin gewinnt Prozess

Amtsgericht 710 Euro für Türöffnen: Seniorin gewinnt Prozess

710 Euro und 79 Cent wurden einer 80-Jährigen von einem Schlüsseldienst in Rechnung gestellt. Die Seniorin zahlte zunächst, ging aber anschließend gerichtlich gegen die Summe vor. Das Amtsgericht gab ihr Recht: Der zwischen den Parteien geschlossene Vertrag ist sittenwidrig.

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Der Schlüsseldienst muss der Seniorin 560,79 Euro zurückzahlen. 

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Dass es dubiose Schlüsseldienste gibt, die für das Öffnen von verschlossenen Haustüren Wucherpreise nehmen, dürfte bekannt sein. Doch die Summe, die ein Monteur der 80-jährigen Laatzenerin vergangenen Dezember in Rechnung stellte, ist rekordverdächtig. Dabei war die Haustür noch nicht einmal abgeschlossen oder gesondert gesichert, sondern einfach nur ins Schloss gefallen. Doch war die 80-Jährige beherzt genug, sich die Abzocke nicht gefallen zu lassen. Sie verklagte die in Essen angesiedelte Firma, hielt einen Preis von 150 Euro für ausreichend. Nach dem Gerichtsurteil muss der Schlüsseldienst der Seniorin 560,79 Euro zurückzahlen. 

Das kleine Drama spielte sich an einem Sonnabendabend gegen 19 Uhr ab. Nachdem sich die alte Dame ausgesperrt hatte, nahm sie Kontakt zu einem Schlüsseldienst mit zwei „A“ im Namen auf. Beliebt sind diese Anfangsbuchstaben bei Firmen, die bundesweit tätig sind und in Branchenbüchern gerne auf den vorderen Plätzen auftauchen. Die Arbeit ging recht schnell über die Bühne, das Ausstellen der Rechnung dürfte länger gedauert haben.

Für das Öffnen der Haustür veranschlagte die Essener Firma 189 Euro. Der Samstagszuschlag verdoppelte diese Summe, hinzu kamen ein Aufschlag für „Mehrarbeitszeit“ von 285 Euro sowie eine An- und Abfahrtpauschale von 36 Euro. Selbst für das Bezahlen mit der EC-Karte berechnete der Monteur noch einmal 11,80 Euro extra. Immerhin nahm er sich die Zeit, noch einen Satz auf die Rechnung zu kritzeln: „Die Tür wurde ohne Beschädigung geöffnet.“

Der Anwalt der Seniorin argumentierte, seine Mandantin habe den völlig überhöhten Betrag zunächst gezahlt, da sie in geschäftlichen Dingen unerfahren und dem Schlüsseldienst-Mitarbeiter schutzlos ausgeliefert gewesen sei – dieser habe die Zwangslage der Frau ausgenutzt. Der Anwalt der Gegenseite versuchte das Argument des hohen Alters umzukehren: Es erscheine unrealistisch, dass eine 80-Jährige wirtschaftlich unerfahren sei.

Für Amtsrichterin Catharina Erps war der Fall glasklar: Bei diesem Vertrag liege ein „besonders grobes Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung“ vor. Die Kosten für das einfache, beschädigungsfreie Öffnen einer ins Schloss gefallenen Tür beliefen sich für den Raum Hannover / Laatzen auf durchschnittlich 50 Euro. Somit habe der Schlüsseldienst ein Vielfaches des angemessenen Preises kassiert.

Die Verbraucherzentrale Berlin hatte jüngst ermittelt, dass neun von zehn Schlüsseldiensten überhöhte Preise nehmen. Der Bundesverband Metall hält an Werktagen bei Tageslicht rund 80 Euro pro Türöffnung für gerechtfertigt – plus gestaffelte Aufschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.

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