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Seniorin wird Opfer von filmreifem Trickbetrug in Hannover

12.000 Euro erbeutet Seniorin wird Opfer von filmreifem Trickbetrug in Hannover

Filmreifer Trickbetrug in der List: Drei Täter haben in Hannover eine 76-Jährige um 12.000 Euro erleichtert. Das Täter-Trio trat dabei sogar in verschiedenen Rollen auf - als Banker, Finanzbeamte und Wasserwerker.

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Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Der etwa 60 Jahre alte Mann mit den grauen Haaren und dem gepflegten Aussehen hatte seine Rolle gut einstudiert. Sein Schauspiel diente nur einem einzigen Zweck: möglichst schnell möglichst viel Bargeld zu erbeuten. Gegen 9.30 Uhr passte er sein Opfer, eine 76-jährige Frau, beim Verlassen ihrer Wohnung in der Linsingenstraße ab und verwickelte es in ein Gespräch. Er habe ja auch mal in der Gegend gewohnt, genauer gesagt, im Nachbarhaus, setzte er an. Ob sich die Frau nicht an ihn erinnern könne? Dann berichtete er von seinem angeblichen Beruf in gehobener Stellung bei einem Kreditinstitut und erfragte beiläufig, wie viel Geld seine ehemalige Nachbarin denn auf dem Konto habe. Die 76-Jährige nannte ihm ohne zu zögern die Summe: 20 000 Euro.

Das sei aber ungünstig, teilte der Mann ihr daraufhin mit, ob sie denn nicht wisse, dass ab einem gewissen Betrag Steuern in Höhe von 30 Prozent von dem Ersparten an das Finanzamt abgeführt werden müssten. Dann verabschiedete sich der angeblich ehemalige Nachbar mit einem Tipp von seiner Gesprächspartnerin: Er empfehle, möglichst sofort 12 000 Euro abzuheben und in der Wohnung zu verstecken. Der Restbetrag auf dem Konto falle dann nicht mehr unter die sogenannte Quellensteuer.

Dieser Auftritt allein hätte die 76-Jährige möglicherweise noch nicht dazu bewogen, unverzüglich zur Tat zu schreiten. So starteten der Trickbetrüger und seine Komplizen den zweiten Akt.

Als die Rentnerin kurz darauf in ihre Wohnung zurückkehrte, klingelte das Telefon. Am anderen Ende meldete sich eine Frau Kramer vom Finanzamt. Auch sie sprach von der Quellensteuer und einer drohenden Kontosperrung. Aufgeschreckt von dem drohenden Ungemach ging die 76-Jährige unverzüglich zu ihrer Bank und forderte 12 000 Euro in bar. Selbst als der Angestellte hinter dem Schalter misstrauisch wurde und die Kundin befragte, wozu sie denn auf einmal so viel Geld brauche und ob alles in Ordnung sei, ließ sich die Seniorin nichts anmerken und ging mit dem Geld in der Tasche nach Hause.

Dort bereitete ihr die Betrügerbande einen erneuten Empfang: Verkleidet als Wasserwerker sprach ein Mann das Opfer an. Ein Rohrbruch im Haus müsse unverzüglich geflickt werden, und deshalb müsse er in die Wohnung der 76-Jährigen. Wieder schöpfte die Frau keinen Verdacht, denn oben angekommen meldete sich telefonisch ein angeblicher Mitarbeiter der Hausverwaltung, der den Besuch eines Wasserwerkers ankündigte. Doch als die Mieterin den Hörer aufgelegt hatte, war der angebliche Handwerker verschwunden – und mit ihm der Umschlag mit dem Geld.

Auch für Carsten Luhmann, den Leiter der Ermittlungsgruppe „Trickdiebstahl“, bei der Polizei ist diese Masche ungewöhnlich. „Es kommt nicht so oft vor, dass die Täter ihr Opfer zum Geldholen schicken“, sagt er. Der Beamte versucht mit seinen Kollegen, die Trickbetrüger aus der List dingfest zu machen. Außerdem prüft er Zusammenhänge mit einem ähnlichen Fall, der sich kurz zuvor in Bothfeld zugetragen hatte und bei dem die Täter die Schmuckschatulle einer 91-Jährigen erbeuten konnten. Dass seine Aufgabe kein leichtes Unterfangen sein wird, ist dem erfahrenen Ermittler durchaus bewusst: „In der Regel haben wir es mit reisenden Tätern zu tun“, sagt Luhmann. Die begehen in einer Stadt zwei bis drei Betrügereien und verschwinden.

„Fremde Personen, die sich nicht ordnungsgemäß ausweisen können, sollten unter keinen Umständen in die Wohnung gelassen werden“, rät Luhmann.

Tobias Morchner

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