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So wird aus einem Transporter ein Campingmobil

Aktion #HAZProjekt So wird aus einem Transporter ein Campingmobil

York Liebelt und Sandra Hempel hatten einen Bastlertraum: In Hunderten Stunden Eigenarbeit haben Sie einen Transporter in ein Campingmobil verwandelt. Die beiden sind nicht die einzigen Bastler in der Region: Wir suchen weitere Projekte und wollen diese vorstellen.

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Gern unterwegs: York Liebelt und Sandra Hempel müssen im Camper auf nichts verzichten.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Der Bodenbelag in der Nasszelle sieht schon schwer nach Urlaub aus: Man steht auf einem Kieselsteinbett, das mit Kunstharz ausgegossen ist. Der Boden hat ein leichtes Gefälle, damit das Duschwasser in den Abfluss laufen kann. Das mit dem Gefälle ist auch grundsätzlich ein Problem - schließlich befinden wir uns in einem Auto. Genauer: in einem Campingmobil, das noch vor nicht allzu langer Zeit ein ganz normaler VW-Transporter vom Modell Crafter war. „Das ist kein Camper, wie du ihn normalerweise kaufst“, sagt York Liebelt. Deshalb hat er bei der Park- oder Standplatzsuche für das Gefälleproblem immer eine Wasserwaage dabei.

Sandra Hempel und York Liebelt haben einen Transporter in ein Campingmobil verwandelt. 

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Der 44-jährige Hannoveraner, Mechatroniker, Hobbybastler und Urlaubsfreund hat zusammen mit seiner Freundin Sandra Hempel im Sommer 2014 das Projekt Umbau gestartet. Manchmal an Wochenenden, manchmal auch in jeder freien Minute planten, zeichneten, schraubten, sägten und schweißten die beiden an ihrer rollenden Ferienwohnung. Los ging es mit einer Idee und kurz darauf mit einem alten, leeren, siebeneinhalb Meter langen Auto, Baujahr 2009, 163 PS. Liebelt nahm zunächst den ganzen Motor auseinander, pflegte und ersetzte, wenn nötig, Teile und baute alles wieder zusammen. Dann ging es an die Verwandlung von Lade- in Wohnraum. Alte Verkleidungen raus, Dämmung und neue Seiten- und Deckenverkleidungen rein. Und Linoleumboden, und zwar „ganz normal aus dem Baumarkt“, wenn auch nicht der billigste. „Der ist schon richtig robust.“ 

Zentrales Element des Mobils: Das bewegliche Bett. „Wir wollten es vor den Fahrten unter die Decke schieben können, um weiteren Stauraum zu haben“, sagt Liebelt. Gar nicht so einfach. Eine Seilzuglösung für das wagenbreite Rost mit Auflage erwies sich als zu schwergängig, es wurden schließlich Schienen, an denen die Liegefläche nun auf und ab bewegt werden kann, sodass sogar ein Motorrad drunter passt. Fest installiert sind unter dem Bett Schränke mit Schubladen für Kleidung, die so in keinem Schlafzimmer zu finden sind - sondern normalerweise in einer Werkstatt. Damit sie sich beim Fahren nicht selbstständig machen, lassen sich die Fächer nur durch Druck auf eine Schiene öffnen. „Praktisch und sicher“ ging bei der Konzeption vor. Die Schränke etwa wurden geklebt, verschraubt und verschweißt. Da verrutscht nichts. Und Stauraum gibt es nun satt - den nicht nur seine Freundin schätzt. „Auf so kleinem Raum befinden sich neben unserer Kleidung alle notwendigen Campingsachen, Tisch, Stühle, Grill, Lebensmittel - da muss einfach Ordnung herrschen.“

Überhaupt war das Ausprobieren und auch das gelegentliche Scheitern Bestandteil des Projekts. „Wenn ich das noch mal machen würde, wäre es für mich viel einfacher“, sagt Liebelt. Die zwei Zentimeter Überstand, die die Schränke zur Küchenzeile haben, würden dem akkuraten Handwerker nicht nochmal passieren. Oder die Installation des Dachgepräckträgers, der hauptsächlich als Sonnenterrasse und als Tragefläche für die Solarzellen dient: Ursprünglich war ein fest angebauter Außenstieg geplant, letztendlich fiel die Entscheidung auf eine ausziehbare Leiter aus dem Baumarkt, die platzsparend im Innenraum verstaut wird.

Der vordere Teil des „Wohnraums“ besteht aus einer Küchenzeile, einer Sitzecke und der Dusch-Toiletten-Kombination. „Am Anfang gab es hier gar nichts“, berichtet Hempel. „Wir reisen seit dem ersten Tag mit dem Bus, zu Beginn nur mit einer Matratze in der sonst leeren Ladefläche. Die Umrisse für Nasszelle, Toilette, Küche und Sitzecke hatten wir zu Beginn auf dem Boden skizziert.“ Bei jedem Trip nahmen die beiden „Probe“ von ihren Skizzen, bis ihre Pläne Form angenommen hatten und sie von Woche zu Woche weiterbauen konnten. Nach und nach kamen die beiden auf die Idee mit dem verstellbaren Bett, den Solarplatten und der Klimaanlage.

„Im Camper muss bei begrenztem Raum alles auf ein Minimum reduziert werden. Wir waren uns aber von Anfang an bewusst, dass für ein angenehmes und unabhängiges Camperleben eine Heizung, Toilette, Dusche und eigener Strom notwendig sind. Und das war der Fokus unseres Projektes: losfahren, testen, erfahren, lernen und weiterbauen“, erzählt Hempel. Erst nach den Testfahrten schweißte Liebelt die Metallrahmen für den Innenausabau fertig.

Die Sitzecke aus Rahmen, maßgeschnittenen Holzplatten und Polstersitzflächen birgt das eigentliche Kraftwerk des Wagens. Klimaanlage, Endstufe für die Musikanlage, Wasserpumpe, 220-Volt-Anschluss, Laderegler für die Solarzellen und ein Wechselrichter, damit Liebelt einen Kaffeeautomaten anschließen kann. Der würde für ein normales Auto beim Anlaufen viel zu viel Watt ziehen. Also musste ein nicht ganz billiges Zusatzgerät her. Einfacher Grund: „Ein heißer Kaffee oder Cappuccino am Morgen oder in einem langen Stau sind einfach unentbehrlich.“ Unten drunter liegen neben dem 100 Liter großen Wassertank insgesamt drei Batterien, die von einer großen 180-Ampere-Lichtmaschine aufgeladen werden. Und die Solarzellen sind als leistungsstarke Begleiter ja auch noch da.

Dafür müssen Hempel und Liebelt nun im mobilen Urlaub weder auf den mit einem Schwenkarm an der Seitenwand verschraubten Flachbildschirm zum Fernsehen oder DVD-Gucken verzichten noch auf eine computergesteuerte Beleuchtungs- und Heizungsanlage.

Ein Fenster in der seitlichen Schiebetür ist seit ein paar Monaten eingebaut. Und wenn demnächst die wenigen Lackschäden ausgebessert sind und die Felgen in neuem Glanz erstrahlen, ist das Projekt mehr oder weniger vollendet. Wobei der unfertige Zustand die beiden ja auch nicht vom Reisen quer durch Europa abgehalten hat. Mit frischem, eigenem Kaffee.

Der Clou an ihrem Camper ist für Hempel und Liebelt aber ein ganz anderer: „Mit offenen Türen schlafen und morgens aus dem Bett direkt auf das Meer gucken - das ist der Hammer.“

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 Unter allen Teilnehmern und Projekten verlost die HAZ-Redaktion als symbolischen Ansporn unter anderem Gutscheine für den Baumarkt Baulöwe in Burgdorf an der Färberstraße. Geschäftsführer Simon Waldeck möchte so die kreativen Handwerksideen in der Region Hannover fördern. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Machen Sie mit!

r.     

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