Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Üstra entfernt Busenschnecke von ihren Bussen
Hannover Aus der Stadt Üstra entfernt Busenschnecke von ihren Bussen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 26.03.2018
Vier Jahre lang zierte die Busenschnecke das Heck von 15 Üstra-Bussen. Quelle: X-City Marketing
Anzeige
Hannover

 Vier Jahre lang klebte sie auf den Bussen und Stadtbahnen der Üstra, nie habe sie jemanden gestört: Busenschnecke namens „Dori“ von der Wohnungsgenossenschaft Gartenheim. Doch jetzt ist alles anders. Die kleine Werbefigur mit entblößter Oberweite wurde von den Heckscheiben der Fahrzeuge entfernt, weil sie sexistisch sei. „Mitte Februar gab es Beschwerden gegen die Figur“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Im Unternehmen habe daraufhin der hauseigene Ethikrat getagt und stimmte den Vorwürfen zu. Die Busenschnecke musste von allen Bussen verschwinden, seit dem 1. März fährt „Dori“ nicht mehr durch Hannover.

Der Ethikrat habe das Motiv laut Iwannek als sexistisch eingestuft, da es „keinen Bezug auf das beworbene Produkt“ herstelle. Vielmehr sei die nackte, große Oberweite „als reiner Blickfang gedacht“. Die Busenschnecke würdige nicht nur das weibliche Geschlecht herab, auch die Kleinsten seien der Werbung schutzlos ausgesetzt. „Daher haben wir im Interesse der Frauen und Kinder gehandelt“, sagt Iwannek. 15 Busse und zwei Stadtbahnen warben seit 2014 mit „Dori“. Die Üstra verzichtet damit auf jährliche Werbeeinnahmen in Höhe von 50.000 Euro.

„Sogar die Busfahrer hatten Spaß“

Das Aus der Busenschnecke sorgt bei Gartenheim-Vorstand Günter Haese für Unverständnis. „Das ist doch ein vorgezogener Aprilscherz“, sagt er. Die von ihm entworfene Figur habe vielmehr für Heiterkeit gesorgt. „Die Leute haben Spaß und unsere Produkte standen im Fokus“, sagt Haese. Die Busenschnecke mit ihrer perfekten Form verdeutliche die Sehnsucht nach Gemütlichkeit, Entschleunigung und Gelassenheit. „Sogar die Busfahrer hatten viel Spaß“, sagt der Gartenheim-Vorstand. Außerdem zeigten rund 40.000 verkaufte Exemplare, wie beliebt die Figur sei.

Laut Üstra-Sprecher Iwannek ändere sich jedoch auch das Bewusstsein in der Bevölkerung. „Gerade die Me-Too-Debatte hat eine größere Sensibilität gebracht“, sagt er. Anfang März hatte sich bereits Regionspräsident Hauke Jagau auf der Veranstaltung „Städte gegen Sexismus“ am Weltfrauentag negativ über die in seinen Augen anstößige Busenschnecke geäußert. In einer Mail an Günter Haese kritisierte Jagau zudem, der Gartenheim-Vorstand würde mit der „klar sexistischen Werbefigur auf Rollen- und Klischeebilder längst vergangener Tage anspielen“.

Vorab keine Gespräche

Haese hält indes daran fest, dass an „Dori“ nichts sexistisch sei. „Werbung soll und muss polarisieren“, sagt er. Außerdem falle die Figur unter die Kunstfreiheit. Der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft vermutet vielmehr eine „moralische Nervosität“ seitens der Üstra hinter dem Werbeaus. „Sie haben offenbar Angst, politisch aufzufallen“, sagt Haese. Besonders kritisiert er aber, „wie die Üstra mit langjährigen Werbekunden umgeht“. Niemand habe im Vorfeld bei der Wohnungsgenossenschaft angerufen. Stattdessen sei Haese erst nach dem Entfernen der Reklame informiert worden, gleichzeitig habe die Üstra den abgelehnten Werbevertrag für das kommende Jahr zurückgeschickt.

Diesen Umstand bedauert die Üstra, Haese hätte eigentlich im Vorfeld unterrichtet werden sollen. Dieser will nun versuchen, dass „Dori“ doch wieder auf Bussen und Bahnen durch Hannover fahren kann. Sollte der Verkehrsbetrieb das Werbeverbot wieder aufheben und auf ihn zukommen, sei die Sache vergessen. Haese: „Wir haben hier schon die Nanas, dann kriegen wir die Busenschnecke auch noch durch.“

Von Peer Hellerling

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Elektro- oder Hybridbusse, App-gestützte Transportdienste, autonomes Fahren – die neuen Chefinnen der Regiobus in Hannover wollen das Unternehmen zukunftsfest machen. Dabei sollen auch alle Betriebshöfe der Region auf den Prüfstand kommen.

26.03.2018

Die Handwerkskammer Hannover lädt zur Ausstellung „Junge Talente“ ein. Angehende Künstler zeigen dort ihre handwerklichen Fertigkeiten. Die rund 200 Exponate sind noch bis zum 28. April zu sehen.

25.03.2018

Bereits Mitte Dezember soll ein Marokkaner in der Abschiebehaft Langenhagen verprügelt worden sein. Der Mann hat jetzt auch Anzeige gegen die JVA erstattet – damit sind es nun mindestens drei Fälle. Das Justizministerium ist eingeschaltet.

25.03.2018
Anzeige