Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Shoppen am Wochenende: Zurück zur Sonntagsruhe!

Gerichtsurteil Shoppen am Wochenende: Zurück zur Sonntagsruhe!

Verkaufsoffene Sonntage sind für den Handel lukrativ und in Hannover deshalb zu einer Regelveranstaltung geworden. Das Verwaltungsgericht hat diesen Wildwuchs nun beendet: zwei verkaufsoffene Sonntage wurden kurzerhand verboten. Jammern nützt den Händlern nichts – neue Ideen müssen her.  Ein Kommentar von Bernd Haase.

Voriger Artikel
Streit um Üstra-Kameras geht vor Gericht
Nächster Artikel
Drei neue Suiten für den Luisenhof

Sich ausgerechnet den Sonntag nach Weihnachten als Einkaufstag genehmigen zu lassen, war stillos gegenüber denjenigen, die dann arbeiten müssen.

Quelle: Herzog

Hannover. Weil in Deutschland das Gebot der Sonntagsruhe herrscht, brauchen alle, die an diesem Tag Geschäfte aufmachen wollen, eine Ausnahmegenehmigung. Für das Jahr 2015 hat die Stadt Hannover in der Innenstadt vier davon erteilt, acht weitere an Gemeinschaftsveranstalter in Stadtteilen und mehr als 100 an Einzelanbieter wie Möbelhäuser. Man muss kein Jurist sein, um zu erkennen, dass die Ausnahme die Regel geworden ist.

Der Handel hat es übertrieben

Die Verwaltung hat seit Jahren so ziemlich jeden bedient, der sonntags verkaufen wollte. Sie hat selbst erklärt, nicht einen Antrag abgelehnt zu haben. Der Handel wiederum machte reichlich Gebrauch davon – und hat es am Ende übertrieben. Sich ausgerechnet den Sonntag nach Weihnachten als Einkaufstag genehmigen zu lassen, war stillos gegenüber denjenigen, die dann arbeiten müssen. Und es war eine Steilvorlage für die Gewerkschaft Verdi. Diese konnte sie nicht nur für das Gerichtsverfahren nutzen, sondern auch noch, um dafür Sympathie in der Bevölkerung zu gewinnen. Im Prozess ist deutlich geworden, dass in Sachen Sonntags-Shopping hierzulande sowohl in der Rechtssprechung als auch in der Gesetzgebung manches klärungsbedürftig ist. Das berechtigt die Stadt Hannover aber noch lange nicht, die Ausnahmeregelung komplett auszuhöhlen, haben die Richter sehr deutlich gemacht.

Die Händler müssen den Kunden Erlebnisse bieten

Viele Händler jammern über die Folgen des Urteils. Kein Wunder – wäre der Sonntagseinkauf nicht so lukrativ, hätte es ihn in Hannover nicht an fast jedem Wochenende an irgendeiner Stelle der Stadt gegeben. Die Geschäftsinhaber müssen mit der Internetkonkurrenz fertig werden, die speziell am Sonntag ihre höchsten Umsätze macht. Und sie müssen den Kunden Erlebnisse bieten, was zumindest in der Innenstadt Hannovers ganz gut funktioniert hat. Wer einmal an einem der verkaufsoffenen Sonntage zwischen Bahnhof und Altstadt unterwegs war, hat eine ganz andere Atmosphäre erlebt als an üblichen Einkaufstagen: entspannter, freundlicher, stimmungsvoller ging es dann zu.

Mit der bisher üblichen Praxis ist es aber nun vorbei. Die Verwaltungsrichter in Hannover haben sich sehr stark an Leitplanken orientiert, die das Bundesverfassungsgericht aufgestellt hat. Zu versuchen, im Berufungsverfahren ihr Urteil zu drehen, hat wenig Aussicht auf Erfolg. Damit gilt die Höchstgrenze von vier verkaufsoffenen Sonntagen nun für die ganze Stadt und nicht wie bisher für jede Straßenecke einzeln. Und es muss einen wichtigen Sachgrund geben, wie es Juristen nennen. Dazu reicht es nicht, irgendwo ein paar Karussells oder Musikgruppen hinzustellen. Die Richter nennen als Beispiele für Hannover die großen Messen oder den Schützenausmarsch.

Das Urteil wird den Einzelhandel nicht zu Grunde richten

Das alles wird den Einzelhandel in Hannover nicht zu Grunde richten. Das Urteil verbietet nichts, es erlaubt nur weniger. Wer sagt zum Beispiel, dass Einkaufserlebnisse unbedingt an Sonntagen stattzufinden haben? Hannover hat das schon bewiesen – etwa bei der Fête de la Musique. Wenn die Verkaufssonntage künftig seltener werden, gewinnen sie möglicherweise an Wert. Bisher hat in der Stadt jeder Quartiersverein seins gemacht, jetzt müssen sich alle zusammenraufen. Daraus können auch gute Konzepte entstehen. In jedem Fall kommt viel Arbeit auf die Stadt und die Handelsverbände zu. Freuen darf sich die Gewerkschaft, die einen juristischen Sieg errungen hat, der über die Grenzen der Stadt hinauswirken wird. Man wird das Wort Sonntagsruhe noch häufiger hören.

Was meinen Sie?

"Sonntagsruhe ist wichtiger als Umsatzinteresse": Ein Gericht hat zwei verkaufsoffene Sonntage in Hannover verboten. Finden Sie das richtig?

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Nach Verbot von zwei Verkaufssonntagen
Stecken die Online-Multis jetzt den Einzelhandel in die Tasche? Hannovers Händler befürchten das.

Ein Gericht in Hannover hat in dieser Woche zwei verkaufsoffene Sonntage gekippt. Während Gewerkschaften und Kirchen das Urteil mit Freude aufnahmen, herrscht bei den Händlern Katerstimmung. Sie halten verkaufsoffene Sonntage für ein gutes Mittel, um gegen Online-Händler wie Amazon, Zalando und Co. bestehen zu können.

mehr
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

300.000 Kunden am dritten Adventswochenende in der City

Es ist Hochsaison für Geschenkekunden: Etwa 300.000 Menschen strömten allein am Sonnabend in Kaufhäuser und Geschäfte. Wer das erledigt hatte und danach noch zum Weihnachtsmarkt wollte, musste Zeit mitbringen: Zwischen Marktkirche, Holzmarkt und Ballhofplatz war zeitweise kaum Durchkommen.