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Aus der Stadt So kam ein junger Iraner in eine Lindener Agentur
Hannover Aus der Stadt So kam ein junger Iraner in eine Lindener Agentur
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00:15 13.02.2017
Hannover, 04.01.2017: Der Fluechtling Siavash Torkzaban und seine Chefin Anja Schirwinski, Geschaeftsfuehrerin der Agentur undpaul, vor dem Computer. Foto: Philipp von Ditfurth Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Ich bin glücklich“, sagt Siavash Torkzaban mit leiser Stimme und lächelt schüchtern. Der junge Iraner hat einen langen Weg als Flüchtling hinter sich, ist an der Wartezeit in Flüchtlingsunterkünften verzweifelt, bis er schließlich in Hannover eine Perspektive gefunden hat. Er hat etwas, was aktuell nur wenige Flüchtlinge schon haben: einen gut qualifizierten Job mit unbefristetem Vertrag bei einem deutschen Unternehmen, der hannoverschen Webdesign-Agentur undpaul in Linden.

Torkzabans Fall zeigt, welche Schwierigkeiten selbst gut vorgebildete Flüchtlinge bewältigen müssen, um in Deutschland einen qualifizierten Job machen zu können, und dass man dafür eine Menge Geduld braucht. Und er zeigt, dass eine Menge möglich ist, wenn die Beteiligten sich von diesen Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen.

Torkzaban kommt aus der iranischen Millionenstadt Schiras. Dort hat er bereits Internetseiten gestaltet und betreut. „Ich hatte Geld, deshalb hätte ich nicht weggehen müssen“, sagt er. Er spricht Englisch, seine Deutschkenntnisse sind noch nicht so weit. Weil der junge Mann der Opposition nahestand, habe er um seine Zukunft gefürchtet und die Flucht angetreten. Nach Deutschland wollte er erst gar nicht, doch ein gebrochener Knöchel zwang ihn zum Umdenken: Torkzaban beantragte Asyl in Deutschland.

Angekommen war er damit noch nicht. Es begann eine lange Zeit in Flüchtlingsunterkünften, die vor allem aus Warten bestand. Warten, bis man seinen Asylantrag stellen kann. Warten, bis man eine Wohnung zugeteilt bekommt. Und nie wissen, wie lange man das behalten wird oder ob man irgendwann alles wieder verliert. „Man zählt die Tage, man kann nichts tun. Wie soll man da eine Motivation aufbauen?“, fragt Torkzaban.

Doch der stille Iraner kämpfte um einen Job. Über das Programm „Kompetenzen erkennen“ der Agentur für Arbeit kam er zu einem Praktikum bei der Agentur undpaul - und erlebte, dass er noch viel Lernarbeit vor sich hat. Die Agentur hat sich auf Drupal spezialisiert, ein Programm zur Erstellung von komplexen Internetseiten. „Das ist sehr kompliziert. Ganz anders als das, was ich mal gelernt habe“, sagt Torkzaban.

Der Job in der Agentur ist anspruchsvoll, sagt auch Anja Schirwinski, Geschäftsführerin von undpaul. „Billige Arbeitskräfte bringen uns nichts. Wir investieren sehr lange.“ Bis heute ist der junge Iraner keine vollwertige Arbeitskraft, sondern arbeitet an einem Testprojekt, um die notwendigen Fertigkeiten zu lernen. Auch in seinen Sprachunterricht investiert die Firma. Es ist noch ein weiter Weg, doch Torkzaban strengt sich an. Und die Firma entschloss sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie gab dem jungen Iraner einen unbefristeten Vertrag. Und kümmert sich um seine Deutschkenntnisse.

Der erste Gedanke dabei sei das Helfen in der Flüchtlingskrise gewesen, sagt Geschäftsführerin Anja Schirwinski. „Wir wollten unseren Beitrag leisten.“ Sie erhofft sich aber auch am Ende einen guten Mitarbeiter. Dass sie den nicht fix und fertig bekommen würden, war klar. Eine Unsicherheit allerdings bleibt, denn Torkzabans Asylantrag läuft noch. Für ihn ist das Warten nicht leicht. „Es ist schwierig, die Situation auszuhalten“, sagt er. Aber er will bleiben. „In Deutschland sind die Leute einfach großartig.“

Um Schülern die NS-Zeit zu vermitteln, will die Stadt in der City einen „Lernort Erinnerung und Demokratie“ einrichten. Nach Informationen der HAZ soll dafür die ehemalige Volkshochschule am Friedrichswall ausgebaut werden, die seit dem Sommer 2015 leer steht.

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