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Aus der Stadt Siebeneinhalb Jahre Haft für City-Räuber
Hannover Aus der Stadt Siebeneinhalb Jahre Haft für City-Räuber
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00:20 09.08.2015
Von Tobias Morchner
Der City-Räuber muss für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

"Sie haben sich ganz bewusst für das entschieden, was Sie am besten können: Überfälle.“ Stefan Joseph, der Vorsitzende Richter der 19. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover, fand bei der Begründung für seinen Urteilsspruch gegen den als „Fellmützenräuber“ bekannt gewordenen Oliver K. am Donnerstag deutliche Worte. Sieben Jahre und sechs Monate muss der 52-Jährige in Haft, der im Februar und März dieses Jahres bei acht Überfällen auf Geschäfte in nur vier Wochen rund 4400 Euro erbeutet hatte. Bei den Taten trug er stets eine auffällige Mütze mit Ohrenklappen mit Fellbesatz.

Die Richter hielten Oliver K. bei der Bemessung der Strafe zwar zugute, dass er sowohl unmittelbar nach seiner Festnahme als auch zu Beginn der Verhandlung ein Geständnis abgelegt hat. Ansonsten aber habe er sich weder zum Motiv seiner Taten noch zur Frage geäußert, was er mit der Beute anstellen wollte. Er habe in einem Monat mehr Geld durch seine Überfälle zusammenbekommen, als manch einer mit ehrlicher Arbeit. „Sie haben uns nicht hinter die Fassade blicken lassen und damit eine Chance vertan“, sagte Stefan Joseph in seiner Urteilsbegründung. Bleibe er bei seiner Einstellung, steuere er geradewegs auf die Sicherungsverwahrung zu, gab ihm Richter Joseph mit auf dem Weg.

Zuvor hatte Dirk Schoenian, der Verteidiger des Angeklagten, sein Plädoyer gehalten. Darin wollte er das Gericht davon überzeugen, dass es sich bei allen Taten, die Oliver K. eingeräumt hatte, um minderschwere Fälle handele. „Wir haben in allen acht Fällen kein massives Vorgehen, der Angeklagte war ruhig und hat einigen Opfern versichert, es werde ihnen nichts geschehen“, argumentierte der Jurist. Das Gericht hielt diese Thesen jedoch für wenig stichhaltig. Oliver K., dessen Bundeszentralregisterauszug 18 Einträge unter anderem wegen Raubes, Körperverletzung und Diebstahls aufweist, habe wissen müssen, was er durch die Taten bei den Opfern anrichten könne. „Man kann ihre ruhige Vorgehensweise durchaus auch als kaltblütig ansehen“, sagte Richter Stefan Joseph.

Welche Folgen einer der Raubüberfälle des 52-Jährigen gehabt hat, wurde bei der Aussage einer 26-jährigen Verkäuferin eines Einrichtungsgeschäfts in der Innenstadt deutlich. Als der Richter der jungen Frau ein Bild von der Spielzeugpistole zeigte, die Oliver K. stets bei seinen Überfällen benutzt hatte, kämpfte sie gegen die Tränen an, musste zu ihrem Stuhl zurückgehen und sich dort mehrere Minuten sammeln. Auch die Aussage der Verkäuferin geriet immer wieder ins Stocken. Sie sei bis heute in psychologischer Behandlung, habe Angst, alleine zu Hause zu sein, sei sehr schreckhaft, traue sich bei Dunkelheit kaum vor die Tür und habe nach dem Überfall eine ganze Zeit lang gar nicht arbeiten können, berichtete die 26-Jährige.
 Oliver K. nahm das alles regungslos zur Kenntnis. Als der Richter ihm vor der Urteilsverkündung unterbreitete, er habe als Angeklagter das Schlusswort, lehnte der 52-Jährige ab: „Ich habe nichts mehr zu sagen.“

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