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Aus der Stadt Siloah-Bauarbeiter beklagen Ausbeutung
Hannover Aus der Stadt Siloah-Bauarbeiter beklagen Ausbeutung
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00:15 24.05.2016
Von Karl Doeleke
Für den Abriss des alten Siloah-Krankenhauses in Hannover hat ein Subunternehmer Osteuropäer beschäftigt und nicht bezahlt. Quelle: Eberstein
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Hannover

Wie fünf der Männer gegenüber der HAZ erklärten, haben sie zuletzt im März ihr Gehalt von einem Subunternehmer erhalten – allerdings weit weniger als im Arbeitsvertrag vereinbart und deutlich weniger als der Mindestlohn. Seit April gab es so gut wie gar kein Geld mehr. Wie ihnen soll es weiteren Arbeitern auf der Baustelle gehen, behaupten die Bulgaren.

Der Neubau des Siloah ist längst fertig. Seit Januar wird der Altbau des Krankenhauses in Linden-Süd abgerissen. Auf dem Gelände sollen dann ab Spätsommer Parkplätze und eine Freifläche des Klinikneubaus angelegt werden. Die Ausschreibung für die Abbrucharbeiten gewann ein Unternehmen aus Nordthüringen. Die Firma schaltete einen Subunternehmer aus Hannover ein: Blerim A. Abriss und Entkernung. Dort sind die Bulgaren sozialversicherungspflichtig angestellt. Die Beiträge wurden nach Informationen der HAZ aber nicht gezahlt.

Krankenhaus nimmt möglichen Verstoß ernst

Bernhard Koch, Sprecher des Regionsklinikums, erklärte: „Wir nehmen Hinweise auf einen möglichen Verstoß sehr ernst.“ Das Klinikum verpflichte Auftragnehmer zur Einhaltung des Mindestlohns und zur Zahlung der Beiträge an die Sozialkassen. Auch werde eine Tariftreueerklärung verlangt. Kontrolliert wird das durch das Klinikum aber offenbar nicht. Unternehmer und Subunternehmer wollten sich nicht äußern.

Der Arbeitsvertrag, den die Männer eines Abends am Schwarzen Bären in die Hand gedrückt bekamen, ist dubios. Darin ist ein Nettolohn von 9 Euro enthalten – normalerweise wird nach Angaben von Hermann Faber von der Gewerkschaft IG Bau ein Bruttolohn vereinbart. Der beträgt im Bauhauptgewerbe im Westen 11,25 Euro für ungelernte Kräfte.

Keine Lohnabrechnungen vorhanden

Die Männer behaupten, sie bekämen deutlich weniger: Im März erhielten die Bulgaren laut ihren eigenen Aufzeichnungen noch zwischen 800 und 1300 Euro – das macht 6,15 bis 7,50 Euro netto, je nach gearbeiteten Stunden. Überprüfen lässt sich das nicht. Lohnabrechnungen gibt es nicht.

Seit April haben die Männer dann nur noch abschlagsweise kleine Summen in bar ausgezahlt bekommen – mal 50, mal 100, mal 200 Euro. Fragen sie nach der Bezahlung, egal ob beim General- oder beim Subunternehmer, werden sie hingehalten. „Immer wird uns versprochen: Nächste Woche, nächste Woche“, sagt einer von ihnen.

„Immer wird uns versprochen: Nächste Woche, nächste Woche“: Bulgarische Arbeiter am Siloah mit Mitarbeitern der Beratungsstelle des Landes. Quelle: Doeleke

Die schlechte Bezahlung bringt die Männer in Schwierigkeiten. Sie können ihre Miete nicht mehr bezahlen, ihre Familien in Bulgarien warten auf Geld. Die Männer haben Schulden, die Frau des einen ist krank. Sie sind frustriert: „Wir leisten hier schwere Arbeit auf der Baustelle und bekommen kein Geld.“

Inzwischen hat sich die Beratungsstelle für Mobile Beschäftigte eingeschaltet, die sich im Auftrag des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums um die faire Bezahlung osteuropäischer Leiharbeiter kümmert. Auch die Anfragen der HAZ haben offenbar etwas bewegt: Es gibt das Versprechen, dass die Männer nun ihr Geld bekommen sollen. Auch die ausstehenden Sozialbeiträge sollen nachgezahlt werden. „Sollte das nicht geschehen, werden wir den Zoll einschalten und vor Gericht gehen“, sagt Mariya Krumova von der Beratungsstelle. Das Versprechen, Geld zu sehen, haben die Männer schon zu oft gehört.

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