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Hannovers Schützen fehlt der Nachwuchs

Sinkende Mitgliederzahlen Hannovers Schützen fehlt der Nachwuchs

Hannover ist eine Hochburg der Schützen. Das Schützenfest ist weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebt und lockt jährlich mehr als eine Million Besucher an. Aber auch das schützt nicht vor Nachwuchsmangel: Auch den Schützen in Hannover fehlen junge Mitglieder.

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An der Schießbude: Schützenpräsident Paul-Eric Stolle (r.) mit OB Stefan Schostok.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Im sportlichen Bereich sind die Schützen aus der Landeshauptstadt ebenfalls außerordentlich erfolgreich - beim letzten niedersächsischen Wettkampf holten sie doppelt so viele Titel wie der nächstbeste Kreisverband. Und trotzdem steht das traditionsreiche Schützenwesen vor einem existenzbedrohenden Problem: Der Nachwuchs fehlt.

„Es ist sehr schwierig, an junge Leute heranzukommen“, sagt Paul-Eric Stolle, Präsident des Verbands Hannoverscher Schützenvereine. Im vergangenen Jahr hat der 70 Mitglieder verloren - von rund 4000. Dieser Negativtrend mache auch vielen anderen Vereinen zu schaffen. Für die Schützen sei es allerdings besonders schwer, junge Leute zu begeistern, betont Stolle. Der Grund: „Die Landesschulbehörde verbietet es uns, an Schulen für unseren Sport zu werben.“ Auslöser für diese Entscheidung waren Amokläufe wie der in Winnenden im März 2009. Dort hatte ein 17-Jähriger mit Waffen seines Vaters, eines Sportschützen, 15 Menschen getötet.

Mit den Konsequenzen aus solchen Verbrechen kämpfen die Schützenvereine bis heute. Aber nicht nur. Dazu kommt ein „veränderter Zeitgeist“, wie es Stolle nennt. Die Tage, in denen fast jeder Mitglied in irgendeinem Verein war, seien Vergangenheit. Immer weniger Menschen legten noch Wert auf die Geselligkeit, die nach dem eigentlichen Sport gepflegt wird. „Wenn junge Leute zu uns kommen, dann fast nur noch aus Schützenfamilien, die schon seit Generationen dabei sind“, sagt Stolle.

In eher ländlichen Gebieten sei dieser Trend weniger stark zu merken als in der Stadt. Das bestätigt Werner Bösche, Präsident des Kreisschützenverbands Burgdorf. Zwar habe auch sein Verband in den vergangenen fünf Jahren 800 Mitglieder eingebüßt. Derzeit seien es aber immer noch etwa 8000 - und was aus seiner Sicht besonders positiv ist: Im Jahr 2015 kamen sogar mehr als 30 neue dazu. „In den Ortschaften ist die Verbundenheit mit den Vereinen einfach noch deutlich größer als in der Stadt“, sagt Bösche. Es gibt aber auch Gegenbeispiele: So hat der Kreissportschützenverband Neustadt im vergangenen Jahr 154 Mitglieder verloren - damit sind es jetzt noch genau 4755.

Kampflos abfinden wollen sich die Schützen mit diesem Trend nicht. In den letzten Jahren haben sie sich einiges einfallen lassen, um ihre Lage langfristig wieder zu verbessern. Es gibt beispielsweise Anlagen, auf denen schon Kinder schießen dürfen - mit sogenannten Lichtpunktgewehren ohne Munition. Zudem engagieren sich die Schützen mit Ferienpassaktionen und werben auf Messen für ihr Hobby. Bislang sind die Erfolge zwar noch überschaubar, sagt Verbandspräsident Stolle. Er will sich aber weiterhin dafür einsetzen, dass der Schießsport in Hannover eine Zukunft hat. Und das nicht nur, wenn Schützenfest ist.

Angebote in Vereinen und Feuerwehren

Hannovers Bürger sind sportlich: Im vergangenen Jahr hat jeder fünfte Einwohner der Landeshauptstadt Sport in einem Verein getrieben. 112?425 Menschen sind in einem der 358 Sportvereine Mitglied – das sind gut 1000 mehr als noch 2014. „Unsere Vereine sind breit aufgestellt“, begründet Roland Krumlin, Geschäftsführer des Stadtsportbunds, die Entwicklung. Außerdem gebe es immer mehr Angebote im Breitensport. „Vor allem Gesundheits- und Seniorensport wird nachgefragt.“ Vereine seinen im Vergleich zu Fitnessstudios meistens günstiger und böten oft bessere Qualität durch qualifizierte Übungsleiter. Auch die Freiwilligen Feuerwehren in Hannover sind gut aufgestellt: Etwa 730 Mitglieder haben die 17 Ortsfeuerwehren. Das sind etwas mehr als im vergangenen Jahr. „Die Entwicklung ist auf die gute Jugendarbeit zurückzuführen“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Zudem seien die Ortsfeuerwehren eng in den jeweiligen Stadtteilen vernetzt.

iro

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