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Aus der Stadt So arbeitet Hannovers Gründerszene
Hannover Aus der Stadt So arbeitet Hannovers Gründerszene
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00:16 25.02.2017
Von Bernd Haase
Die Gründer von DressLife wollen ein drängendes Problem lösen – die hohe Retourenquote im Mode-Internethandel. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Die Gründerzeitvilla an der Hohenzollernstraße 47 macht schon wegen ihrer Lage gegenüber der Eilenriede einiges her; die Musikhochschule und die Norddeutsche Landesbank hatten hier zwischenzeitlich ein Domizil. Im Dachgeschoss bietet sich seit einigen Monaten ein Ambiente, das man nicht unbedingt vermuten würde. Bunte Bilder an den Wänden, die kein Galerist so zusammenstellen würde, Sitzgruppen, die nicht zueinander passen, ein Kühlschrank mit Getränken im Flur, ein Krökeltisch in einem der Büros und dazwischen technische Geräte wie Drucker oder Kopierer.

Hannovers jüngste Gründerschmiede residiert in der sogenannten "Venture-Villa" nahe der Eilenriede. Firmengründer haben hier 100 Tage Zeit, ihre Konzepte und Ideen zu konkretisieren.

„Das hat hier den Charakter einer Wohngemeinschaft und wirkt bewusst etwas unfertig“, sagt Nadine Schmidt. Sie ist zusammen mit Sven Klose Gründerin und Geschäftsführerin der Firm Venture Villa. Hinter dem Namen verbirgt sich Hannovers jüngste und zumindest für hiesige Verhältnisse ungewöhnlichste Schmiede für Unternehmensgründer. Adresse, Name und Einrichtung signalisieren Kreativität und Aufbruchstimmung.

Wobei: Geschäftsführer sagt man hier nicht unbedingt, sondern eher Chief Executive Officer. Schmidt und Klose nennen ihre Gründerwerkstatt auch nicht Gründerwerkstatt, sondern Accelerator. Das ist in der Gründerszene ein stehender Begriff, heißt auf Deutsch Beschleuniger und trifft ziemlich genau, worum es geht. Tüftler, die monate- oder jahrelang an einem zwischendurch immer mal wieder explodierenden Prototyp herumlaborieren und dann irgendwann Heureka rufen, sind fehl am Platz. In der Venture Villa haben Firmengründer (heißen hier selbstverständlich Start-ups) genau 100 Tage Zeit. „Dann muss das Geschäftsmodell rund sein, oder wir verwerfen es“, sagt Klose.

Amerikanische Mentalität

Diese Art von Gründermentalität ist deutlich amerikanisch inspiriert, man findet sie beispielhaft in einem längst weltbekannten Tal bei San Francisco. Deshalb sollte, wer in der Venture Villa die Hundert-Tage-Rallye startet, erstens keine Scheu vor Anglizismen kennen und zweitens ein Geschäftsmodell parat haben, das auf Software-Lösungen und Anwendungen basiert.

Von den vier Teams, die derzeit in der Venture Villa an einer möglichen Unternehmerkarriere arbeiten, beschäftigt sich eines mit einem elektronischen Einkaufsberater in Form eines Chatbots, also eines textbasierten Dialogsystems. Ein weiteres will mit einem Algorithmus die Retourenquote im Internethandel senken. Die beiden anderen arbeiten an Apps für die Restplatzvermarktung in Flugzeugen und für Werkstudenten.

"Wir wollen Rohdiamanten zum Glänzen bringen"

Warum aber die Eile? „Es ist nie ausgeschlossen, dass andere an derselben Idee arbeiten“, sagt Schmitt. Es komme darauf an, der erste zu sein, der das Vertrauen der Kunden gewinnen kann: „Wir wollen Rohdiamanten zum Glänzen bringen“, beschreibt es Schmitt. Sie ist gebürtige Hannoveranerin, war selbst in der Gründerszene umfassend aktiv und bringt deshalb trotz ihrer erst 29 Jahre jede Menge Erfahrung mit. Eines ihrer Credos: Selbst wenn eine Geschäftsidee scheitert, sammelt man wertvolle Erfahrungen - für den nächsten Anlauf.

Das Geschäftsmodell Venture Villa funktioniert, indem sich Teams mit ihrer Idee bewerben müssen. „Bei der zweiten Runde, die gerade läuft, hatten wir 70 Interessenten aus dem gesamten Bundesgebiet. Der Anteil aus Hannover war höher als beim ersten Mal“, sagt Klose. Hoffnungsträger erhalten Startkapital, geben im Gegenzug Anteile an ihrem Unternehmen ab und ziehen in die insgesamt 310 Quadratmeter großen Räume unter dem Dach ein. Dort erhalten sie kostenfreie Büroräume und die nötige Infrastruktur.

"Das Ganze ist kein Zuckerschlecken"

Dann beginnt das volle Programm: Gemeinsam mit Mentoren Ziele abstecken, Strategien entwerfen, Geschäftsmodell ausbaldowern und verfeinern, Marketing und Branding entwickeln, Logos und Schriftzüge kreieren. Gegebenenfalls Partner und Investoren suchen. Sich in Steuer- und Rechtsfragen einfuchsen und zwischendurch möglichst häufig an Wettbewerben teilnehmen, weil jede Präsentation zugleich auch eine Lehrstunde ist. „Das Ganze ist kein Zuckerschlecken, und wir sind nur die Starthelfer“, betont Klose. Wer in den Beschleuniger einsteigen wolle, brauche nicht zuletzt viel Ehrgeiz und eine hohe Motivation. Was die Teams in den 100 Tagen absolvieren, ist anderswo ein Jahresprogramm.

Einzigartig in Niedersachsen

In Niedersachsen gibt es einen Accelerator wie die Venture Villa nur in Hannover. „Potentielle Gründer in diesem Bereich waren vorher gezwungen, in andere Städte wie Berlin, Hamburg oder München abzuwandern. Deshalb mussten wir handeln“, sagt Adolf Kopp, Geschäftsführer von Hannoverimpuls. Die regionale Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft unterstützt die junge Firma, die sich konsequenterweise selbst als Start-Up begreift und auch so agiert. Am Eilenriederand sitzt ein Start-Up für Start-Ups. Und venture ist übrigens das englische Wort für Wagnis. Die Zahlen dazu: „Von zehn Start-ups scheitern sieben, zwei erreichen eine stabile Seitenlage und eines läuft super“, sagt Schmitt.

„Möglichst bald kein Geld mehr verbrennen“

Der Internethandel gewinnt ständig Marktanteile, und dadurch wächst auch ein Problem – das der Retouren, also der Waren, die Kunden bestellen und dann wieder zurückschicken. Es gibt unterschiedliche Zahlenangaben zu den Retouren, außerdem ist die Quote nach Erkenntnissen der Marktforscher branchenabhängig. Die Modehändler gehen davon aus, dass zwei von drei im Netz bestellte Artikel am Ende doch wieder beim Versender landen. Diese Praxis verursacht nicht nur Milliardenkosten, sondern auch Verkehrsprobleme. Geht es nach Julian Hensolt, Djamal Oucherit und Sophia Krause, wird sich das ändern. Der promovierte Wirtschaftsingenieur, der Diplom-Mathematiker und die Modedesignerin, alle um die 30 Jahre alt, haben die Firma DressLife ins Leben gerufen und arbeiten derzeit in der Venture Villa daran, aus ihrem Konzept ein tragfähiges Geschäftsmodell machen. „Wir wollen durch einen Big-Data-analysierten Kunden-Avatar die Retourenquoten im Mode-Onlinehandel reduzieren“, erklärt Hensolt.

Wer sich in der virtuellen Welt weniger gut auskennt, wird diesen Satz nicht unbedingt verstehen. Hensolt erklärt am Bildschirm, was läuft. „Wir analysieren, was Kunden bestellt und was sie zurückgeschickt haben. Wenn jemand zum Beispiel häufig schwarze Pullover ordert und behält, aber bunte wieder in die Retoure gibt, entsteht ein Muster.“ Sollte besagter Kunde wieder einen bunten Pullover bestellen, wird die Bestellung nicht gleich geblockt. Das System gibt aber einen freundlichen Hinweis und bietet Alternativen an, die an einem virtuellen Abbild (dem Avatar) auch gezeigt werden können. „Genauso funktioniert das auch bei Größenangaben“, sagt Hensolt.

DressLife hat gute Aussichten. Kontakte zu großen Internethändlern sind geknüpft, das Interesse ist da. „Wir arbeiten gerade daran, die Software weiter zu verfeinern und die Realisierung durchzufinanzieren“, sagt Hensolt. Demnächst werden zwei weitere Mitarbeiter hinzukommen. Die nächsten Ziele: „15 Mitarbeiter zu beschäftigen und möglichst bald kein Geld mehr zu verbrennen“, sagt Hensolt mit einem fröhlichen Lachen im Gesicht.

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