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Aus der Stadt So bunt ist das "Kleine Fest im Großen Garten"
Hannover Aus der Stadt So bunt ist das "Kleine Fest im Großen Garten"
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00:28 10.07.2015
Von Rüdiger Meise
Einer der schönsten Walking Acts des Programms: Der Flügel mit Ballerina von Italento – mit Mauro Grassi und Francesca Pellegrini. Quelle: Wilde
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Hannover

Harald Böhlmann hat allem Anschein nach eine dunkle, ziemlich gemeine Seite. Zum 30. Jahrestag des "Kleinen Fests" hat der Organisator derartig viele Attraktionen in den Großen Garten geholt, dass kein Besucher am Ende des Abends sagen kann, alle Höhepunkte gesehen zu haben. Und weil die Karten so rar sind, bekommt er wohl auch keine zweite Chance. Böhlmann hat viele der besten Artisten verpflichtet, die in den vergangenen 30 Jahren beim Fest aufgetreten sind: Publikumslieblinge, persönliche Favoriten des Mannes mit Zylinder, Lokalmatadoren und Größen der deutschen Comedy- und Kleinkunstszene. Ein Rundgang.

"Wenn Sie mal pinkeln müssen – passen Sie auf!“

Es gibt zwei Arten von Festbesuchern. Die einen haben das Programm ganz genau studiert, wissen, was sie sehen wollen, und haben sich eine Route überlegt. Mit Rucksack und aufgeklappter Gartenkarte in der Hand hetzen sie durch das Barockensemble.

Karten

Das "Kleine Fest" wird noch bis zum 30. Juli gespielt. An der Abendkasse gibt es ab 17.15 Uhr noch jeweils 200 Karten. Preis: 30 Euro, ermäßigt 17 Euro.

Andere lassen sich treiben. „Ich bin den ganzen Tag über zielgerichtet“, sagt Martina Attenberger aus Hannover. „Hier nicht.“ Ihre Taktik ist nicht schlecht. Viel falsch machen kann man nicht. So bleibt Attenberger völlig zu Recht bei Detlef Wutschiks Comedy-Figur Werner Momsen stehen. Die liebenswert-kernige Rentnerpuppe erzählt Alltagsprobleme derart witzig, dass man kaum vorbeigehen kann. Das Publikum nimmt den Ratschlag mit: „Wenn Sie mal pinkeln müssen – passen Sie auf!“

Eine Bühne weiter ist Fest-Legende Shirlee Sunflower auf der Suche nach der Liebe. Den Spagat auf den Schultern ihrer starken Helfer aus dem Publikum schafft Tamara Campbell noch genauso gut wie bei ihrem ersten Festauftritt 2001 – vielleicht ist sie am Ende der Show etwas mehr aus der Puste. Macht nichts, ihr Publikum liegt sich auf ihre Empfehlung hin in den Armen und verlässt Shirlee glücklich – die wie immer allein zurückbleibt.

„Ich arbeite mit asozialer Kompetenz“

Ein Ehepaar mit festen Schuhen nimmt Geschwindigkeit auf: „Wir müssen jetzt ‘ne ganze Ecke!“ Müsste es eigentlich nicht, denn ganz in der Nähe hat Timo Wopp Bühne 19 betreten. Mit überraschender Dreistigkeit beleidigt der Oldenburger Senioren, Kranke, Schwache – und sein Publikum. „Ich arbeite mit asozialer Kompetenz“, belehrt er seine Zuschauer. Mit schwindelerregender Geschwindigkeit jongliert er und feuert Pointen ab. „Niveau wirkt nur von unten arrogant“, erklärt er den Besuchern von oben herab. Entwaffnend gemein.

Irgendwo in den Wandelgängen steht ein Besucher und erzählt Freunden: „‘Ne Tangotänzerin ... Und wen holt die auf die Bühne? Mich!“ Tja, kann passieren beim "Kleinen Fest". Des Weges kommt die Gänsekapelle von Marc Geurtz und Oscar de Groot. Der Walking Act ist einer der Lieblinge des Publikums. Allerdings nicht von Sascha Korf. „Habt ihr die gesehen?“, brüllt der Stand-up-Comedian sein Publikum an. „Die machen nix!“ Er dagegen fegt wie ein Besessener über Bühne 6 – mit aufgeregtem Mario-Barth-Gehabe, aber fesselnd energiegeladen. Ein Kamerateam provoziert ihn zu beißender Fernsehkritik, und bei einer Improvisation mit Zuschauerzurufen lacht das Publikum Tränen. Großes Tennis!

"Ein unglaubliches Programm"

Zufälliges Treffen mit Hannovers Lieblingszauberkünstler Desimo. „Ein unglaubliches Programm hat Harald Böhlmann zusammengestellt“, sagt er – und spricht gar vom „vielleicht weltbesten Kleinkunst-Festival“. Zwischen den Aufführungen seiner Show „Übersinnlose Fähigkeiten“ hat er genug Zeit, um alle Kollegen anzuschauen. Beneidenswert.

Was noch? Andrée Kupps Gemüsedressur darf man einfach nicht verpassen, ebenso wenig wie die anarchische Wasserschlacht der Acrobuffos und den prominenten Bauchredner Sascha Grammel. Taschenspieler und Bauchredner Tricky Nicki legt seiner Helferin Liebesgesäusel in den Mund – und bevor zum großen Finale schwebend die Heliosphäre aufsteigt, singt Matthias Brodowy vor der untergehenden Sonne sein Liebeslied auf Hannover. An einem solchen Abend muss man einfach denken: Recht hat der Mann.

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