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So diskutiert Hannover über Hotpants an Schulen

Freizügige Kleidung So diskutiert Hannover über Hotpants an Schulen

Wenn die Temperaturen sommerliche Höhen erreichen, wird die Kleidung knapper. Wie knapp sie bei Schülerinnen sein darf, darüber ist jetzt eine hitzige Diskussion entbrannt – auch in Hannover. Auch hier gibt es an einigen Schulen Regeln für die Sommerbekleidung.

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An der IGS Büssingweg sind Hotpants sowie bauchfreie Mode nicht gern gesehen.

Quelle: Wallmüller

Hannover. Auslöser der Debatte ist die Anordnung einer Realschule in Baden-Württemberg. Dort dürfen Schülerinnen keine sogenannten Hotpants mehr tragen. Ebenso verboten wie die knappen, kurzen Jeans sind bauchfreie T-Shirts und Tops.

In Ausnahmefällen werden Schüler auch mal nach Hause geschickt

Auch in Hannover gibt es an einigen Schulen Regeln für die Sommerbekleidung. „Es gehört zum Lernen dazu, dass die Schüler auf eine gewisse Etikette achten“, sagt Renate Koch, Schulleiterin an der Oberschule Burgwedel. Daher weisen die Lehrer auch darauf hin, wenn die Schüler zu knapp bekleidet in die Schule kommen. Und dabei geht es nicht nur um Hotpants. Vor Kurzem erschien ein Mädchen mit einem bauchfreien Shirt zum Unterricht. „Wir haben die Schülerin gebeten, ihre Jacke drüberzuziehen“, sagt Koch.

In Ausnahmefällen würden die Schüler auch mal nach Hause geschickt, um sich umzuziehen. In der Regel zeigten sie jedoch Verständnis für die Kleiderordnung, die auch in der Schulordnung verankert ist. „Ich weise die Schüler gern darauf hin, dass sie im Berufsleben, etwa in einer Bank, auch bestimmte Regeln akzeptieren müssen“, sagt Koch. Bei den hohen Temperaturen sei man jedoch etwas großzügiger.

Shorts sind erlaubt, aber nicht in Verbindung mit bauchfreiem T-Shirt

Eine HAZ-Leserin berichtet, dass es auch an der IGS Büssingweg nicht erlaubt sei, Hotpants zu tragen. In der Klasse ihrer Tochter würden Kinder nach Hause geschickt, um sich umzuziehen, schreibt sie im sozialen Netzwerk Facebook. Und auch an der IGS Südstadt gibt es eine Regelung, die sowohl Jungs als auch Mädchen am Zeigen von zu viel nackter Haut hindern soll. Shorts seien erlaubt, aber nicht in Verbindung mit bauchfreiem T-Shirt, sagt ein Mitarbeiter. Dieses könne ebenso getragen werden, allerdings nur in Kombination mit einer langen Hose. Und auch für die Jungen gibt es Beschränkungen. T-Shirts, die keine Ärmel haben, sogenannte Tanktops, sind bei ihnen nur ungern gesehen.

Legitim sind solche Regelungen, auch in Niedersachsen – etwa wenn „der Schulfrieden, der geordnete Unterrichtsablauf oder die guten Sitten verletzt werden“, heißt es im niedersächsischen Schulgesetz. Mit anderen Worten: Schulleiter können theoretisch eingreifen und ein Verbot für knappe Kleidung verhängen, wenn sich Schüler oder Eltern massiv beschweren würden. „Uns ist allerdings kein solcher Fall bekannt“, heißt es im niedersächsischen Kultusministerium.

„Jeder soll das tragen, was er gerne mag“

Vor allem in den sozialen Netzwerken ist die Empörung über die diktierte Kleiderordnung jedoch groß. Unter dem Hashtag #hotpantsverbot zeigen sich viele Nutzer bei Facebook und Twitter solidarisch mit den betroffenen Schülerinnen. „Jeder soll das tragen, was er gerne mag“, schreibt HAZ-Leser Christian Bussenius auf Facebook. Andere ärgern sich darüber, dass Schülerinnen, die freizügige Kleidung trügen, für die Folgen sexistischer Blicke verantwortlich gemacht würden. Einige allerdings solidarisieren sich auch mit den Schulen, wie HAZ-Leserin Wiebke Siemann. „Auf der Arbeit dürften die Schüler ja später auch nicht regelmäßig so erscheinen“, schreibt sie.

Nicht die erste heiße Debatte

Nicht zum ersten Mal sind die „heißen Höschen“ ein Stein des Anstoßes. Bereits 1971, als sie die Modewelt als Alternative zum Minirock das erste Mal eroberten, wurden Hotpants entweder als sexy und mutig oder als schockierend empfunden. Das Amtsgericht Heilbronn befand sogar, die knappen Höschen seien „mit den Dienstobliegenheiten nicht in Einklang“ zu bringen – und verbot das Tragen im Büro.

Im Laufe der Jahre flammte die Debatte um zu freizügige Bekleidung im öffentlichen Bereich immer wieder auf – auch an Schulen in der Region Hannover. 2003 forderte die KGS Sehnde in einem Brief von Eltern, auf angemessene Kleidung ihrer Kinder zu achten. Der Grund: Eine 13-Jährige war nur mit Bustier bekleidet zum Unterricht erschienen. „Es lenkt ab und stört den Unterricht, wenn Mädchen als Oberteil nur einen BH mit zwei dünnen Trägerchen anhaben“, hieß es damals. Die Schule führte in der Folge eine strenge Kleiderordnung ein – bauch- und rückenfreie Tops sowie kurze Röcke und Hotpants wurden verboten.

Von Sabine Gurol und Heidi Senska

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