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So ekelig finden die Hannoveraner den Raschplatz

Urinlachen, Erbrochenes, Zechgelage So ekelig finden die Hannoveraner den Raschplatz

Die sich ausbreitende Trinkerszene auf dem Raschplatz hat eine Debatte in Hannover ausgelöst. Zahlreiche Leser beschweren sich über Urinlachen und Erbrochenes sowie Streit unter den Trinkern. Auch aus der Ratspolitik kommen kritische Stimmen, die die Stadtverwaltung und den Eigentümer des Platzes zum Handeln auffordern.

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Im Bereich des Raschplatzes herrschen teilweise ekelhafte Zustände.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Ein Alkoholverbot für den Raschplatz, Verweise für Trinker, die sich daneben benehmen, mehr Sozialarbeiter, mehr Kontrollen: Viele Ideen werden derzeit in den sozialen Medien und in der Ratspolitik diskutiert, um die Verhältnisse hinterm Bahnhof zu verbessern. Wie berichtet, treffen sich auf den Freitreppen und im Eingangsbereich zur Niki-Passage täglich 20 bis 30 Zecher. Sie belästigen keine Passanten, erleichtern sich aber in dunklen Ecken, auf den Freitreppen und in Fahrstühlen. Manchmal kommt es zu Streit und Handgreiflichkeiten innerhalb der Gruppe.

„Ich möchte meine Kinder nicht allein über den Platz gehen lassen“, sagt Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci. Für den Raschplatz müsse dringend eine Lösung gefunden werden. „Die Stadtverwaltung und die Grundstücksgesellschaft HRG, Eigentümerin des Platzes, müssen das Heft in die Hand nehmen“, fordert Kirci. Kreative Lösungen seien gefragt, entwickelt zusammen mit Anrainern, etwa der Sparkasse. Der SPD-Chef kann sich bauliche Veränderungen vorstellen, unter anderem eine Bepflanzung des Platzes.

Der Raschplatz in Hannovers Innenstadt ist als Treffpunkt für Alkoholkonsum bekannt. Das hinterlässt dort seine Spuren. Ein Besuch.

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Auch für etliche Leser, die sich auf der  Facebook-Seite der HAZ zu Wort gemeldet haben, sind die Zustände auf dem Raschplatz nicht mehr hinnehmbar. „Schlimm ist es, wenn man mit Kinderwagen und Gepäck zur U-Bahn-Linie 9 will und den Aufzug nehmen muss“, sagt Leser Julian Born. Der Fahrstuhl sei voller Urinlachen. Leserin Petra Wontorra ist als Rollstuhlfahrerin auf den Aufzug angewiesen und beklagt sich ebenfalls über die stinkenden Kabinen. „Ich meide die Gegend so gut es geht, vor allem, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin“, sagt HAZ-Leserin Jessica Santelmann. Sie empfinde nicht nur Angst vor den zechenden Gruppen, sondern auch Ekel.

Seit mehreren Jahren treffen sich Trinkergruppen auf dem Raschplatz. Kenner der Szene befürchten, dass sich die Gruppe vergrößert und auch das Gelände des ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhofs okkupiert. Die Grundstücksgesellschaft HRG betont, dass die Sicherheit auf dem Raschplatz nicht gefährdet sei. Dreimal pro Tag werde das Areal gesäubert, Wachtrupps seien vor Ort. Die Stadt Hannover verlegt sich aufs Beobachten. Man sei mit den Verantwortlichen vor Ort im Gespräch, teilt eine Sprecherin mit.

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Auf dem Raschplatz breitet sich die Trinkerszene aus. Fühlen Sie sich dort noch wohl?

Das ist der Ratspolitik zu wenig. Die CDU schlägt ein Bündel von Maßnahmen vor. „Wir müssen soziale Angebote schaffen, aber auch durchgreifen“, sagt Fraktionschef Jens Seidel. Dazu gehörten Platzverweise und schärfere Kontrollen. Zudem schlägt Seidel vor, die Trinker mit klassischer Musik zu beschallen, um sie zu vertreiben. „Hannover ist doch City of Music“, meint er.

Auch die Linke im Rat erkennt, dass es so nicht weitergehen kann. „Aber wenn die Trinker vertrieben werden, suchen sie sich einen anderen Platz“, sagt Linken-Fraktionschef Oliver Förste. Er schlägt vor, einen Anlaufpunkt für die Szene zu schaffen, ähnlich dem Fixpunkt für Süchtige. Die FDP wünscht sich eine harte Linie. „Wir sollten den Trinkern Eimer und Feudel in die Hand drücken, damit sie ihre Ausscheidungen selbst wegputzen“, sagt Fraktionschef Wilfried Engelke. Über ein Alkoholverbot für den Platz wäre nachzudenken.

20 000 Euro für Graffiti am Raschplatz

Der nördliche Teil des Raschplatzes nahe der Hamburger Allee soll ein neues Gesicht bekommen. Graffiti-Künstler wollen die grauen Betonwände mit Pflanzenmotiven besprühen, „Urban Jungle“ (Stadtdschungel) heißt das Motto der Kunstaktion. Die Stadt sponsert die Bemalung mit 20 000 Euro. Die Initiative kommt aus der Parkour-Szene, jenen jugendlichen Sportlern, die auf den Treppen und Podesten nahe dem Raschplatz-Pavillon herumturnen. „Zudem wünschen wir uns einen Verschlag für Besen und Kehrblech“, sagt Jan Biskup vom Jugendsportzentrum Groß Buchholz. Das Areal sei häufig mit Glasscherben übersät. „Auch die Beleuchtung sollte heller sein, und es müssten mehr Papierkörbe montiert werden“, sagt er. Die Obdachlosen wolle man keinesfalls vertreiben.

Dennoch befürchten Szenekenner, dass sich Trinker und Obdachlose nach der Umgestaltung am Nordende des Raschplatzes nicht mehr wohlfühlen und sich zu den Zechern auf der anderen Seite des Platzes gesellen. Dann könnte es Konflikte zwischen den Gruppen geben, heißt es.

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