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So funktioniert Nachmittagsunterricht in Grundschulen

Ganztagsangebot So funktioniert Nachmittagsunterricht in Grundschulen

Erstmals haben Grundschulen in Hannover jetzt einmal in der Woche verpflichtenden Nachmittagsunterricht. Wenn alle Kinder bis 15 Uhr bleiben, kann der Tag ganz anders gestaltet werden. Ist das zu viel für Sechsjährige? 

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In Hannover gibt es nun erstmals verpflichtenden Ganztagsunterricht in Grundschulen.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Nach dem Gespensterlied ist erst mal Frühstückspause. Während die Erstklässler an der Otfried-Preußler-Schule in der Südstadt in ihr Pausenbrot beißen, liest Förderschullehrerin Almut Püschel ihnen eine Geschichte aus Otfried Preußlers Buch „Das kleine Gespenst“ vor. Alle sind ruhig und gelassen, gestresst wirkt niemand. Weder die beiden Lehrerinnen noch die drei Schulbegleiterinnen, die Kinder schon gar nicht. Dabei haben sie alle noch einen langen Tag vor sich. Die Kinder sitzen im Kreis und sprechen über ihren Tagesplan: Singen, Deutsch, Mathematik, Lern- und Übungszeit, dazwischen Mittagessen – dienstags ist Unterricht bis 15 Uhr.

Seit diesem Sommer ist die Grundschule eine der wenigen Grundschulen in der Stadt mit einem verpflichtenden Nachmittagsangebot bis 15 Uhr. Zunächst an einem Tag in der Woche, bis 2018 soll es auf bis zu zwei Tage ausgedehnt werden. Ist das zu viel für Sechsjährige? Schulleiterin Alexandra Vanin schüttelt entschieden den Kopf: „Die Eltern sagen immer, dass ihre Kinder am Dienstag besonders entspannt aus der Schule kommen.“ Die Lehrer können sich an diesem Tag mehr Zeit lassen mit dem Unterrichten, verstärkt zwischen Lern- und Erholungszeiten abwechseln. Pädagogen nennen das die Rhythmisierung des Ganztags. Gemeint ist, dass es an verpflichtenden Ganztagsschulen keinen harten Bruch mehr gibt zwischen Unterricht am Vormittag und Spaßangeboten wie Tanzen, Fußball oder Töpfern am Nachmittag. Wenn alle Kinder bis 15 Uhr bleiben, kann der Tag ganz anders gestaltet werden. Da kann der Übungsleiter vom Turnklubb zu Hannover (TKH) mit den Kindern auch mal morgens Fußball spielen, und die Mathestunde beginnt erst nach dem Mittagessen. An sogenannten offenen Ganztagsschulen mit freiwilligen Angeboten hingegen sind Vormittag und Nachmittag weniger verzahnt, außer über Personen, also Lehrer, die morgens unterrichten und nachmittags Arbeitsgemeinschaften anbieten.

Die Eltern seien nicht abgeschreckt gewesen von dem Pflichtganztag, sagt Vanin. Es gab diesen Sommer weit mehr Bewerbungen für die fünf ersten Klassen, als am Ende aufgenommen werden konnten. Vermutlich schätzen Berufstätige es nicht nur, wenn ihre Kinder zuverlässig betreut sind, sondern sehen auch die pädagogischen Chancen des Konzepts. „Das entschleunigt“, sagt Vanin: „Dienstag ist ein wunderbarer Tag.“ Neben dem Pflichttag gibt es an den anderen vier Tagen in der Woche freiwillige AG-Angebote bis 17 Uhr. Rund 180 der 320 Schüler nehmen laut Vanin auch an diesem Ganztagsangebot teil.

Auch wenn das Gebäude in der Meterstraße schon in die Jahre gekommen ist, so sehr, dass die Grundschule in dieser Woche in ein ganz neues Schulzentrum an der Birkenstraße umzieht, viel von dem, was hier stattfindet, ist Schule von morgen. Statt eines starren Schulbeginns gibt es eine Art Gleitzeit: Eltern können die Erstklässler zwischen 7 und 8.30 Uhr bringen, nur nach 8.30 Uhr sollte niemand mehr kommen. „Das kennt man aus dem Kindergarten“, sagt Vanin. Statt Trennung zwischen Kindern mit und ohne Handicap lernt man hier zusammen. Wer einen Schulbegleiter braucht, hat keinen festen, sondern einen aus einem Pool von Sozialassistenten. Das erhöht die Verlässlichkeit der Betreuung auch im Krankheitsfall, lässt die Kinder aber andererseits auch selbstständiger werden. Statt Zensuren gibt es Lernentwicklungsberichte, Lernbücher und -bäume, an denen die Schüler ihren Leistungsstand ablesen können. Am neuen Standort in der Birkenstraße werden immer die Jahrgänge eins bis vier in einem Haus unterrichtet, die vier Häuser sind nach vier Büchern des Namensgebers der Schule benannt: „Gespensterhaus“, „Hotzenplotzhaus“, „Wassermannhaus“ und „Hexenhaus“. Auch dass die Lehrer zusammen mit den Kindern Mittag essen, gehört zum Konzept.

Auf dem Weg zum Ganztagsschulland

In Niedersachsen gibt es mittlerweile rund 1700 Ganztagsschulen, das sind etwa zwei Drittel aller Schulen, die meisten haben allerdings ein offenes Angebot. Zum Schuljahr 2016/2017 haben jedoch 14 Schulen einen Antrag auf Änderung ihrer Gebundenheit hin zu mehr Pflichtangeboten gestellt. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) ermöglicht es den Schulen auch, nur einzelne Klassenzüge eines Jahrgangs auf den Ganztagsbetrieb umzustellen. In einem Flächenland wie Niedersachsen sei Flexibilität das A und O, sagt sie. Dies komme der Familienrealität näher und ermögliche eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bis 2019 stellt das Land für den Ausbau der Ganztagsschulen 486 Millionen Euro zur Verfügung, die Schulen sollen auch deutlich besser mit Lehrerstunden ausgestattet werden. „Niedersachsen wird Ganztagsschulland“, sagt Heiligenstadt stets gern. In Zeiten des Lehrermangels habe jedoch die Sicherung des Pflichtunterrichts Vorrang vor dem Ganztagsangebot.

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