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Aus der Stadt So funktioniert eine Tattoo-Entfernung
Hannover Aus der Stadt So funktioniert eine Tattoo-Entfernung
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00:17 15.12.2017
Einst spendeten die Tattoos auf Steffis Rücken Trost an einem Teifpunkt. Jetzt entfernt ileen Wapenhaus die Tinte aus der Haut mit einem Laser. was durchaus schmerzhaft ist.   Quelle: Fotos: Franson
Hannover

Das große Rückentattoo ist in einer Lebens- und Beziehungskrise entstanden. Vor einigen Jahren, mit 30, hat Steffi sich einen Mann und eine Frau fast flächendeckend in die zweite Hautschicht stechen lassen. „Ich war an einem Tiefpunkt, das Paar sollte symbolisieren, worauf es im Leben ankommt“, erzählt die mittlerweile 36-jährige Mutter. „Und dass man kämpfen, zusammenhalten muss und nicht gleich aufgeben darf.“ Die Krise ist vorbei, das Leben geerdet, jetzt soll das Tattoo aus vergangenen Zeiten verschwinden. „Ich fühle mich einfach nicht mehr wohl damit“, sagt die zierliche Visagistin, die bereits in einem anderen Studio behandelt wurde – mit mäßigem Erfolg. Rund zwei Jahre wird sie sich gedulden müssen, bis die Hautbilder verschwunden sind, die tätowierte Frau ist bereits heller Pigmentierung gewichen und nicht mehr zu erkennen. „Ich finde Frauen sind ohne einfach am schönsten.“

Früher hui, heute pfui: Wer sein Tattoo nicht mehr mag, kann es entfernen lassen. Billig ist das nicht.

Seit fünf Jahren haben sich Andrea Goeman und ihr Team – unter dem Geschäftsnamen Endlich ohne – in der Oststadt auf das Entfernen missliebiger oder misslungener Tattoos spezialisiert. Dazu zählt auch ein zu dick aufgetragenes Permanent Make-Up. Sie haben Fortbildungen gemacht und bringen in der Regel eine medizinische Grundausbildung mit. Goeman ist Heilpraktikerin und ehemalige Medizinstudentin, Kollegin Eileen Wapenhans Fachkrankenschwester. In ihrem kleinen Studio an der Fridastraße rücken sie leidgewordenen Tätowierungen mit verschiedenen Lasern zu Leibe. „Manche Tattoos sollen komplett verschwinden, andere lediglich aufgehellt werden“, erzählt Andrea Goeman. So wie bei Mitarbeiterin Judith Beck, die eine Lilie samt Kreuz auf dem Rücken trägt. Die Symbole verlieren zunächst durch die Laserbehandlung ein wenig an Farbkraft verlieren. „Das Bild bedeutet mir viel, Lilie ist der Name meiner Tochter, und das Kreuz erinnert an den frühen Unfalltod eines besonderen Freundes“, sagt Beck. Das Motiv soll daher lebenslänglich bleiben.

Teure Behandlung

Im Studio geht es zu wie in einem Taubenschlag. Die Laserbehandlung dauert jeweils höchstens zehn Minuten, „sie ist durchaus schmerzhaft, da es ja wie kleine Verbrennungen sind, die der Laser verursacht“, erklärt Goeman. Eine Sitzung zur Behandlung eines kleinen Motivs kostet rund 80 Euro, bei großformatigen werden rund 200 Euro fällig. Sechs bis zwölf Sitzungen sind die Regel, was bedeutet, dass die Entfernung um ein vielfaches kostspieliger ist als das Stechen einer Tätowierung. Viele von Goemans Kunden – 70 Prozent sind weiblich – kommen, um sich Jugendsünden entfernen zu lassen. „Tribals, das sind geschwungene Linien, über dem Steiß etwa. Symbole, die ihre Kraft verloren haben. Oder Namen von Menschen, die keine Rolle mehr im Leben spielen.“

Aus diesem Grund erträgt auch Nele Schild die Schmerzen. Auf ihren Fußrücken hat sich die 25-jährige Kauffrau einst gemeinsam mit der besten Freundin einen Anker stechen lassen. „Irgendwann habe ich keinen Rückhalt mehr erfahren, auch während einer schwierigen Phase mit bedrohlicher Krankheit“, erzählt sie. Nele Schild hat sich zunächst entschlossen, ein Mandala über den Anker zu tätowieren. „Das ist ein schwarzer Fleck geworden, ganz furchtbar.“ Der muss jetzt weg, dafür nimmt sie rund ein Dutzend schmerzhafte Sitzungen in Kauf. „Tattoos stechen ist das eine, eine Entfernung in Sachen Schmerz eine ganz andere.“ Da nutzt auch die Betäubungscreme nur bedingt. Von Bildern auf ihrer Haut hat die ­25-Jährige vorerst Abstand genommen.

Erfolg sieht man erst nach drei Wochen

Andreas Herzog hat eigentlich erst richtig angefangen. Rücken und Brust des 57-jährigen Gärtners sind großflächig tätowiert, vor fünf Jahren erst hat er den Tätowierer seines Vertrauens gefunden. Der Hirsch auf dem linken Unterarm aber soll verschwinden. „Zum einen ist die Figur verlaufen, weil ich zu schnell wieder gearbeitet und mich verletzt habe“, sagt Herzog. Zum andern sei es ihm wichtig, die Tattoos leicht mit Kleidung bedecken zu können. „Vorurteile gibt es immer noch, die Menschen gucken schon anders, wenn man bunt daherkommt.“ Fünf Minuten dauert seine Sitzung, Patient und Lasertherapeuten bekommen Schutzbrillen, die betreffende Stelle wird desinfiziert, dann klackt der Laser und hinterlässt weiße Flecken auf der Haut, wo einst Teile des Hirschs gewesen sind. „Den Erfolg sieht man richtig aber erst in rund drei Wochen“, sagt Therapeutin Goeman. Es dauere, bis der Körper über das Lymphsystem die Farbe unter der Haut abtransportiere. 

Narben hinterlässt die Behandlung in der Regel nicht, es kommt aber auf die Pigmentierung der Haut des Patienten an, ob nach dem Lasern sämtliche Schattierungen verschwinden. „Dauer und Intensität der Behandlung richten sich zudem nach Farbe und Tiefe der Tattoos“, erklärt Goeman. Auch wenn die Prozedur langwierig und schmerzhaft ist, die meisten Kunden von Endlich ohne liebäugeln schon wieder mit einem neuen Tattoo. „Die Akzeptanz ist groß, wenn wir im Altenheim sind, werden alle tätowiert sein“, meint Mitarbeiterin Judith Beck. Bis auf Steffi vermutlich – sollte bis dahin der Mann auf ihrem Rücken auch verschwunden sein. 

Von Susanna Bauch

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