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Jeder fünfte Krankenhauspatient isst das Falsche

Projekt vom Henriettenstift Jeder fünfte Krankenhauspatient isst das Falsche

Rund 20 Prozent der Patienten, die in Krankenhäuser aufgenommen werden, weisen Zeichen von Fehlernährung auf. Eine erschreckende Zahl, auf die das Diakovere-Krankenhaus Henriettenstift jetzt mit ungewöhnlichen Fragen an seine Patienten reagiert. 

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Oberarzt Timm Franzke und Diätassistentin Susanne Weiner kümmern sich um gesunde Ernährung für Kranke.

Quelle: Nancy Heusel

Hannover. Bei der Aufnahme in das Henriettenstift sollen die Kranken künftig Auskunft darüber geben, ob sie in letzter Zeit wenig gegessen oder abgenommen haben. „Es ist dabei egal, aus welchem Grund ein Patient ins Krankenhaus kommt. Wir wollen bei allen sicherstellen, dass sie vernünftig ernährt sind“, erklärt Timm Franzke, Oberarzt im Zentrum für Viszeralchirurgie des Henriettenstifts.

Ein Gewichtsverlust kann dabei ein deutliches Zeichen sein. Das Krankenhaus will Patienten mit Mangelernährung auf die Spur kommen, weil bekannt ist, dass die Heilungschancen für diese Kranken geringer ausfallen. Wenn Menschen zum Beispiel Eiweiß, Vitamine oder Spurenelemente nicht in ausreichender Menge aufnehmen, führt dies besonders im Krankheitsfall zu zusätzlichen Komplikationen. „Sie sind geschwächt, bekommen häufiger Wundheilungsstörungen und auch andere Probleme“, erklärt Ernährungsmediziner Franzke.

Im Henriettenstift starten die Mitarbeiter jetzt zunächst im Viszeralmedizinischen Zentrum mit einer erweiterten Behandlung. Bei allen neuen Patienten ermitteln die Mitarbeiter mit einem kurzen Fragebogen Hinweise. Besteht der Verdacht auf Mangelerscheinungen, gehen die Ärzte dem mit einem Screening intensiver nach.

„Wir können es Menschen nicht am Gewicht ansehen. Spezielle Vorlieben beim Essen können auch zu Fehlernährung führen“, erklärt Diätassistentin Susanne Weiner. Ein hagerer Senior könne einem ausgewogenen Speiseplan folgen, ein kraftstrotzender Bodybuilder dagegen zu wenig Vitamine zu sich nehmen.

Susanne Weiner, die einige Zusatzqualifikationen absolviert hat, ist jetzt eigens für die Ernährungsberatung eingestellt worden. Sie erstellt einen auf Ernährung bezogenen Therapieplan für die Patienten. Es kann passieren, dass die Ärzte nun eine Operation um zwei Wochen verschieben, damit sich der Allgemeinzustand des Kranken vorher bessert. Es kann auch sein, dass manchen Patienten in der Klinik dann besonders kalorienreiche Mahlzeiten vorgesetzt werden.

„Was die Patienten bei uns lernen, sollen sie zu Hause mit Pflegedienst und Hausarzt fortführen“, erläutert Franzke. Die Beratung bietet die Klinik auch vor und nach dem Krankenhausaufenthalt in einer Sprechstunde an.

Zu den Menschen, die häufig schlecht ernährt sind, gehören ältere Menschen, die verwirrt sind und nicht allein ans Essen und Trinken denken. Susanne Weiner begegnet das Problem auch bei Patienten mit chronischer Darmentzündung oder Verstopfung, Menschen mit starken Schmerzen, Alkoholikern und Krebspatienten, an denen ihr Tumor zehrt.

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