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Aus der Stadt So geht es im Fall Mullham D. weiter
Hannover Aus der Stadt So geht es im Fall Mullham D. weiter
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00:16 26.04.2017
Von Tobias Morchner
Melissa S. war am Karsonnabend in der Südstadt getötet worden. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Die Anzeige im Familienteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom Sonnabend fiel sofort ins Auge. Eine liebevoll gefertigte Zeichung zeigte die Köpfe von vier jungen Frauen, die hintereinander her gehen. Noten in der Zeichnung deuten an, dass dabei fröhliche Musik läuft oder die vier vielleicht sogar selbst ein Lied auf den Lippen führen. „Bisher haben wir immer auf Dich gewartet, nun musst Du auf uns warten“, lauten die ersten Zeile des Textes.

Ein 25 Jahre alter Syrer soll nicht nur einen Bekannten in Kleefeld, sondern auch drei Tage zuvor die 27-jährige Melissa S. erstochen haben.

Auf diese besondere und zugleich ungewöhnliche Weise verabschieden sich drei Freundinnen von der 27-jährigen Melissa S., Spitzname Lissy, die am Karsonnabend in der Südstadt vollkommen zufällig das Opfer eines brutalen Verbrechens geworden ist. Gegen 22.30 Uhr wurde die Pharmazeutisch-Technische Assistentin, die 2009 mit Bekannten durch Island gereist war, nur wenige Schritte vor ihrer Wohnung von dem 25-jährigen Syrer Mullham D. mit einem Messer niedergestochen und tödlich verletzt. Täter und Opfer, das hat die Staatsanwaltschaft inzwischen bestätigt, hatten keinerlei Verbindung miteinander und kannten sich nicht. Drei Tage später, davon sind die Behörden ebenfalls überzeugt, erstach Mullham D. in Kleefeld auch Yahua A., seinen Landsmann und besten Freund. Der 25-Jährige sitzt seit der zweiten Tat in Untersuchungshaft.

Spenden für Naturschutzbund

In der liebevoll gestalteten Traueranzeige beschreiben die drei Freundinnen, was sie an Melissa S. besonders geschätzt haben. Ihre Wutausbrüche beim Kartenspiel oder ihre Angewohnheit, ihre zu engen Socken zurecht zu zupfen. „Deine vielen kleinen Marotten werden uns fehlen“, schreiben sie. Die Familie der so plötzlich mitten aus dem Leben gerissenen jungen Frau teilte in einer weiteren Anzeige mit, die Trauerfeier für Melissa S. werde am Sonnabend auf dem Empelder Friedhof stattfinden. Statt Kränzen werden Spenden für den Naturschutzbund Deutschland erbeten. „Eigentlich war alles selbstverständlich, nur das Ende nicht“, hieß es im Text der Anzeige.

Ein Anwohner entdeckt eine lebensgefährlich verletzte Frau auf dem Bürgersteig. Die 27-Jährige wurde in eine Klinik gebracht, wo sie kurz darauf starb. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus.

Während die Hinterbliebenen der 27-Jährigen und viele Syrer in Hannover ihre Trauer um die beiden Opfer von Mullham D. noch nicht verarbeitet haben, geht die juristische Aufarbeitung des Falls in die nächste Runde. Am Montag soll dem 25-Jährigen im Amtsgericht der zweite Haftbefehl verkündet werden. Es besteht kein Zweifel daran, dass Mullham D. weiter im Gefängnis bleibt. Doch weiterhin vollständig ungeklärt ist die Frage nach der Schuldfähigkeit des Mannes. Jörg Salzwedel, der Rechtsanwalt des 25-Jährigen, hatte bereits erklärt, sein Mandat leide unter Verfolgungswahn. „Er fühlte sich sogar durch sein Handy und seinen Laptop überwacht“, sagt der Jurist. Deswegen habe er in jüngster Zeit auch stets ein Messer mit sich geführt. Ein psychiatrisches Gutachten soll jetzt klären, was zu dem massiven Gewaltausbruch bei dem 25-Jährigen, der bis dato polizeilich nicht im Geringsten aufgefallen war, geführt haben könnte. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, ob eine mögliche Erkrankung des mutmaßlichen Täters auf seine Erlebnisse in seinem Heimatland fußen oder von Geschehnissen beeinflusst worden sind, die hier in Deutschland passiert sind.

Suche nach Gutachter schwierig

Doch die Suche nach einem geeigneten Gutachter gestaltet sich derzeit schwierig. „Wir brauchen jemanden, der nicht nur die fachliche Kompetenz aufweist, sondern auch deutsch und arabisch kann“, sagt Rechtsanwalt Salzwedel. Einen Übersetzer werde er wegen des komplizierten Sachverhaltes nicht akzeptieren, kündigte der Verteidiger an. Fest steht bislang auch: In der Region gibt es einen solchen Gutachter nicht.

Doch selbst wenn der benötigte Fachmann ausfindig gemacht werden kann, muss der 25-Jährige, der 2014 mit einem Studentenvisum nach Hannover gekommen ist, um hier Elektrotechnik zu studieren, der inzwischen aber Asyl beantragt und es auch bewilligt bekommen hat, auch bereit sein, sich den Fragen des Gutachters zu öffnen. Macht er nicht mit, dauert alles noch länger. „Ich rechne damit, dass wir frühestens in sechs bis acht Wochen einen ersten Termin machen können“, sagt Salzwedel. Von diesem Termin hängt allerdings einiges ab. Hält der Gutachter Mullham D. für psychisch krank und ordnet eine Unterbringung in einem Krankenhaus anstelle der Untersuchungshaft an, wäre das ein Zeichen für die mindestens eingeschränkte Schuldfähigkeit des Syrers.

So kommentieren Leser die tödlichen Attacken

Zwei Menschen soll Mullham D. in der vergangenen Woche in Hannover erstochen haben. Die Taten bewegen die Menschen, sie sind das Gesprächsthema in der Stadt – und auch im Internet. Selten haben so viele Menschen über einen HAZ-Artikel diskutiert. Hier lesen Sie eine Zusammenfassung.

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