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So haben die Türken in Hannover gewählt

Verfassungsreferendum So haben die Türken in Hannover gewählt

Auch in Hannover haben zahlreiche Türken für oder gegen die Verfassungsreform abgestimmt - rund 58 Prozent waren für die Stärkung Erdogans. Die Gegner der Verfassungsreform indes mögen sich auch am Tag nach dem Referendum nicht öffentlich bekennen - die Angst vor negativen Konsequenzen hält an.  

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In Hannover wurde in einer Messehalle gewählt.

Quelle: dpa

Hannover. Der 39-jährige Türke, der am Tag nach dem Referendum mit Freunden in einem Steintor-Restaurant sitzt, schüttelt den Kopf: „Wir verstehen nicht, warum es in Deutschland so eine große Zustimmung für Erdogan gegeben hat.“ Man dürfe schon lange nicht mehr sagen, was man denkt, die Spitzel des Präsidenten seien überall – und darum mag der Mann aus der Lebensmittelbranche auch nicht seinen Namen nennen. Während laut vorläufigem Ergebnis insgesamt 51,4 Prozent der Türken für die Verfassungsreform von Recep Tayyip Erdogan gestimmt haben, waren es in Deutschland gar 63,1 Prozent. Das Wahllokal auf dem hannoverschen Messegelände hat eine etwas niedrigere Zustimmungsquote von 58,56 Prozent registriert.

Bis zum 9. April konnten die Deutschtürken, die in Hannover leben, am Messegelände über die Verfassungsänderung in der Türkei abstimmen.

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Ein Gastronom, 46 Jahre alt und Kurde, versucht eine Erklärung für das Abstimmungsverhalten der in Deutschland lebenden Türken zu finden: „Manche haben aus Angst mit Ja gestimmt, viele aber auch als Gegenreaktion auf die negativen Berichte über die Türkei.“ Dass Erdogan eine Abstimmung über die Todesstrafe auf den Weg bringen will, kann er sich nicht vorstellen: „Das könnte später einmal auf ihn und seine Familie zurückfallen.“

Autokorso am Steintor: Feiern nach der Abstimmung.

Quelle: Petrow

Eine Geschäftsfrau jesidischen Glaubens, seit vielen Jahren in Deutschland verwurzelt, sieht die nächste Abstimmung in Reichweite: „Mit der Wiedereinführung der Todesstrafe will der Präsident PKK-Chef Abdullah Öcalan endlich ans Messer liefern.“ Seit 17 Jahren sitzt der Kurdenführer auf einer Gefängnisinsel in Haft. Die 38-Jährige selbst hat sich an der Abstimmung für oder gegen den „Diktator“ nicht beteiligt, glaubt aber, dass Erdogan mit seiner Politik scheitern und demaskiert wird: „Und vielleicht geht es ihm dann wie Saddam Hussein im Irak.“

Der Einzige der Befragten, der seinen Namen nennen mag, ist Muzaffer Tekin. Für ihn hat die gesamte Türkei mit dem Referendum gewonnen, unter Erdogan sei das Land regelrecht aufgeblüht. Dass sich die Gemeinschaft türkischsprachiger Hannoveraner nach dem knappen und mit Wahlfälschungsvorwürfen belasteten Ausgang des Referendums weiter entzweit, glaubt der 45-jährige Bäcker nicht: „Meine Frau hat anders als ich mit Nein gestimmt, ihre Familie war auch unterschiedlicher Meinung, aber deswegen muss man sich doch nicht anfeinden.“ Dass sich an diesem Tag in den Steintor-Restaurants niemand von den Nein-Sagern zu erkennen geben will, macht aber allzu deutlich, wie tief das Misstrauen bei vielen wurzelt.

Abstimmung auf dem Messegelände

Zwei Wochen lang hatten in Deutschland lebende Türken Zeit, über das türkische Verfassungsreferendum abzustimmen. Für die Wahlberechtigten im Bereich des Konsulats Hannover wurde dafür eigens ein Wahllokal auf dem Messegelände eingerichtet: Rund 17 000 Türken aus Hannover konnten abstimmen, insgesamt waren dort genau 107 372 Personen wahlberechtigt, 42,67 Prozent von ihnen gaben zwischen 27. März und 9. April ihre Stimme ab. Im benachbarten Hamburg beteiligten sich laut Wahlkommission in Ankara 50,53 Prozent der 83 852 Wahlberechtigten an dem Referendum. Die Wahlbeteiligung lag damit deutlich über der bei der Parlamentswahl 2015.

Trotz der aufgeheizten Stimmung lief die Stimmabgabe in Hannover friedlich ab: Vor der Messehalle 2 hielt die Besatzung eines Polizeiwagens Wache, musste aber nicht eingreifen. Bereits am ersten Wahltag waren Türken aus Niedersachsen – etwa aus Osnabrück, Hameln, Celle oder Salzgitter – und selbst aus Halle angereist.

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