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So hilft Hannover Flüchtlingen

Portal "Hannover hilft" So hilft Hannover Flüchtlingen

Sie wollen einen Beitrag leisten, um Flüchtlingen in der Region Hannover zu helfen? Dann sind Sie hier genau richtig: Gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden bringt die HAZ beim Web-Portal "Hannover hilft" freiwillige Helfer und Hilfesuchende zusammen. 
Die Aufgabe ist eine Herausforderung, manchmal ist dabei einige Geduld nötig – aber drei Hannoveraner berichten, wie es geht.

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Pia Salvers hilft als Dolmetscherin. 

Quelle: Surrey

Hannover. "Hannover hilft" ist ein Projekt der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung in Kooperation mit Wohlfahrtsverbänden in Hannover. Wir möchten mit dieser Aktion eine Brücke bauen zwischen den vielen hilfsbereiten Menschen aus der Region und den hier arbeitenden Hilfsorganisationen.

Bereits im September trafen sich dafür in der HAZ-Redaktion Vertreter gleich mehrerer Wohlfahrtsverbände und diskutierten offen über die Organisation der Hilfe für Flüchtlinge in Hannover. Die HAZ entwickelte daraufhin in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem evangelischen Flüchtlingsnetzwerk der Diakonie und Johanniter und im engen Kontakt zum Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte ein Internetportal, bei dem sich Helfer registrieren lassen können. Mittlerweile haben sich 660 Sachspender angemeldet, 580 Menschen spenden Zeit, das Portal wurde inzwischen fast 100 000-mal aufgerufen.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen in der Region ist überwältigend. Vor allem die Spenden von Fahrrädern wurden schnell abgefragt und über die Träger verteilt. Die Beschreibungen für Zeitspenden lesen sich teils wie qualifizierte Bewerbungen. Die Leser bieten Kinderbetreuung an, Hilfe bei Behördengängen und in der Kleiderkammer oder einfache Transporte. Vor allem Leser mit Sprachkenntnissen sind noch immer gefragt. Doch die Vermittlung kann dauern.
Viele Einrichtungen setzen mittlerweile auf Ehrenamtliche, die in der Nachbarschaft wohnen. Andere Träger verweisen darauf, dass man sich in bestimmte Aufgaben erst einarbeiten muss. Daher bitten die Netzwerkmitglieder um Geduld, wenn Zeitspender noch nicht kontaktiert wurden. Da noch immer jede Woche weitere Flüchtlinge in Hannover ankommen, ändert sich auch laufend der Bedarf an Hilfsangeboten.

Die HAZ bietet unter dem Titel haz.li/hannoverhilft daher eine interaktive, permanent aktualisierte Karte an. Dort können Leser den Bedarf von 60 Einrichtungen für Flüchtlinge nachlesen und erfahren, wie sie konkret helfen können. Derzeit ist vor allem Winterkleidung für Männer in kleinen Größen gefragt.     

Drei Hannoveraner berichten nun, wie sie geholfen haben: 

„Das war ja nichts“

Das erste Mal sah Makram Zebian die syrische Familie in der Medizinischen Hochschule Hanover nur ein paar Minuten vor dem Eingriff. Mutter und Vater hatten ihren Sohn mitgebracht, ihr 16 Jahre altes Kind mit einem leichten Downsyndrom und womöglich einem Herzfehler. Das sollte im Krankenhaus nun im Magnetresonanztomografen (MRT) abgeklärt werden. Die Patienten liegen in einer engen Röhre, ohne Blickkontakt zu Ärzten und Schwestern, Anweisungen kommen über einen Kopfhörer. Schwerer zu ertragen, wenn Kind und Eltern kein Deutsch verstehen. Die Familie war nervös.

Makram Zebian, 33, lebt seit 14 Jahren in Deutschland. Er ist im Libanon aufgewachsen und nach Deutschland zum Studium gekommen. Noch im Goethe-Institut lernte er sieben Monate intensiv Deutsch, später schloss er in Braunschweig sein Studium der Elektrotechnik ab. Inzwischen arbeitet Makram Zebian bei Conti in Hannover.

Dann kam die Anfrage, ob er in der MHH übersetzen wollte, man bereite ein MRT für ein syrisches Kind vor. „Genau so etwas hatte ich mir vorgestellt“, sagte Zebian, eine Aufgabe, bei der Sprachkenntnisse gefragt wären. Sorgen, dass es menschlich nicht passen könnte mit der Familie, verflogen schnell. Sie war dankbar, mit MakramZebian in Arabisch zu besprechen, was sie bewegte.

Seine Aufgabe war leicht, aber wichtig. Der Libanese übersetzte in ein Mikrofon, was Ärztin und Assistentin vorsagten. Er erklärte dem Jungen, dass es einen kleinen Piks im Arm gibt, weil ein Kontrastmittel gespritzt wird. Dass er einen Kopfhörer bekommt, die MHH aber leider keine arabische Musik zur Ablenkung auf Lager hat. Der kleine gelbe Ball in seiner Hand war für den Notfall gedacht, er solle ihn einfach drücken. In Zebians angenehmem Tonfall hörte das Kind bekannte arabische Worte. Tief einatmen. Atem anhalten. Weiteratmen. Zebian saß fünf Meter entfernt von dem Jungen und sah nur dessen Beine. Am Anfang hatte der syrische Patient Probleme, aber dann, sagt Zebian, „hat er es sehr gut gemacht“.

Nach einer Stunde war alles vorbei. Der Vater wollte hinterher unbedingt einen Kaffee ausgeben unten in der Ladenpassage der Klinik. Man vereinbarte, dass die Familie Makram Zebian wieder anruft, wenn Untersuchungsergebnisse vorliegen. Der Libanese sieht seine Hilfe eher in geringem Licht. „Was ich getan habe, das war ja nichts. Aber es hilft, wenn jeder ein bisschen tut.“

„Wir kriegen das hin“

Sein Berufsleben hat Rainer Claussen, 68, zumeist in Banken verbracht. Zuletzt arbeitete er in Frankfurt, aber nun ist er im Ruhestand und hat Zeit in Hannover. Über die Flüchtlinge, die seit Monaten in großer Zahl nach Deutschland kommen, hat er eine klare Meinung: „Da ist die Zivilgesellschaft gefordert. Das Land hat genug Erfahrung darin, Menschen aufzunehmen, und deshalb glaube ich, dass Angela Merkel recht hat. Wir kriegen das hin.“

Natürlich ist auch Claussen Teil dieser Zivilgesellschaft, und er hat sich dafür entschieden, seine Erfahrung aus dem Arbeitsleben für Flüchtlinge nutzbar zu machen. Vor einigen Tagen traf sich Claussen mit einem jungen Mann aus dem Iran, 33 Jahre alt und geflüchtet aus Teheran. Nach zwei Jahren in Deutschland ist er anerkannter Asylbewerber, was ihm nicht nur ein Leben in Sicherheit ermöglicht, sondern auch die Chance zu arbeiten. So wurde Rainer Claussen Pate eines hoffnungsfrohen Flüchtlings, den er eben erst kennengelernt hatte.
„Wir haben uns erst einmal beschnuppert“, erzählt er. Dann wurde es schnell konkret. Gemeinsam sind sie durchgegangen, was der junge Mann an schulischer und beruflicher Qualifikation vorzuweisen hat. Und was unbedingt in einem Lebenslauf stehen muss, der vor deutschen Personalchefs Bestand haben will.

Dabei war nicht alles das, was es auf den ersten Blick schien. In Teheran studierte der Iraner Industriemanagement. Kein Begriff, der hier gebräuchlich ist, erklärt Claussen. Es stellte sich heraus, dass die Ausbildung vergleichbar der Betriebswirtschaft ist. In dieser Richtung hatte der Iraner in seiner Heimat bereits gearbeitet. Seine Idee ist es jetzt, irgendwann in Deutschland eine eigene Firma zu gründen und Maschinen in den Iran zu liefern.

Gute Idee, fand auch Rainer Claussen. Da könnte sein Pate sich zuvor bei hannoverschen Unternehmen in der Praxis bewähren, „jemand, der Persisch spricht, das kann doch nützen“. Doch sein Anruf bei einer Kammer verlief enttäuschend. Claussen erkundigte sich nach Namen von Unternehmen mit Kontakten in den Iran, bekam aber keine Auskunft. Jetzt will sich der Banker im Ruhestand hinsetzen und alle Daten ordnen. „Ich mache erst mal einen Entwurf für einen Lebenslauf.“ Später einen Arbeitsplatz für den jungen Mann zu finden ist die größere Schwierigkeit. Er glaubt, dass man wohl, metaphorisch gesprochen, mit einem Halbmarathon rechnen muss. Aber Rainer Claussen hält auch längere Distanzen für Strecken, die man schaffen kann. 

„Das ist ja keine Belastung"

Einmal in der Woche beginnt für Pia Salvers, 22 Jahre alt und Studentin der Philosophie und Germanistik, der Tag um 8 Uhr morgens vor den Glastüren der Ausländerbehörde. In der Schlange vorm Amt warten bereits die schwangeren Frauen auf die ehrenamtliche Dolmetscherin. Das Erkennen ist für die Frauen, die aus vielen Nationen stammen, kein Problem. „Ich sehe ja als Einzige wie eine Deutsche aus“, sagt Salvers. Bis es losgeht auf den Fluren, kann es dauern. Eine Nummer ziehen. Warten. Mit den Frauen sprechen. Zum Sachbearbeiter gehen, das Zettelchen mit der Nummer in der Hand. Übersetzen, was die Behörde sagt. Übersetzen, was die Frauen sagen. Die Amtssprache ist Deutsch.

Die Sprachfähigkeiten der Hamburgerin mit Studien- und Arbeitsplatz in Hannover sind gefragt. Englisch und Französisch fließend, Spanisch in Grundkenntnissen, sie bedauert, dass Arabisch fehlt. Salvers ist eine von den vielen freiwilligen Helfern in der Stadt, die leisten, was die Hauptamtlichen in Kommunen und Hilfsorganisationen nicht schaffen können. Einmal in der Woche ärgert sie sich dann in den Amtsstuben, dass dort nur wenige Mitarbeiter Englisch sprechen. „In einer Ausländerbehörde! Das regt mich jedes Mal wieder auf.“

Erfahrungen mit Bürokratie hat die 22-Jährige bereits gemacht. An der Universität hilft sie ausländischen Studenten. Nun geht es darum, den zum Teil hochschwangeren Frauen, die ohne Dokumente nach Deutschland kommen, als Dolmetscherin zu helfen, die Unterlagen für einen Aufenthalt zu bekommen. Die Behörde prüft und spricht immer dann einen Aufenthaltstitel zu, wenn Frauen knapp vor der Geburt stehen und ein deutscher Vater angegeben wird. Eine rechtlich zulässige Methode, die in Flüchtlingsunterkünften, wie berichtet, dann umstritten ist, wenn diese Frauen keine Kriegsflüchtlinge sind, sondern aus sicheren Herkunftsländern stammen.

Pia Salvers will auch in den nächsten Monaten weiter helfen. Das Bachelor-Studium ist so gut wie durch, derzeit arbeitet sie an der MHH im Bereich Bioethik. Ein Auslandsaufenthalt ist geplant, eine Promotion im Hinterkopf. Genügend Zeit also für Amtshilfe. „Mittwoch ein paar Stunden in der Behörde zu sein, das ist ja keine Belastung.“

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