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Aus der Stadt Lehrer kämpfen um Deutschklassen für Flüchtlinge
Hannover Aus der Stadt Lehrer kämpfen um Deutschklassen für Flüchtlinge
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00:15 09.06.2017
Von Bärbel Hilbig
Das Kultusministerium strebt Kürzungen an – obwohl Kinder von Zuwanderern immer noch große Probleme haben. Quelle: dpa
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Hannover

Die Ministerin argumentiert, die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge gehe zurück. Speziell die Sprachlernklassen sollten überprüft werden, denn spätestens nach einem Jahr sollen Schüler aus diesen Intensivlerngruppen in eine normale Klasse wechseln.
„Kinder reifen aber nicht so pünktlich, wie man sich das im bürokratischen Deutschland vorstellt“, sagt Rudolf Kleine-Huster, stellvertretender Leiter der IGS Kronsberg. In der Sprachlernklasse bringt der Mathematiklehrer gerade einem Zwölfjährigen bei, weiter als bis zehn zu rechnen. Mehrere seiner Schüler sind in ihren Heimatländern nicht oder nur kurz zur Schule gegangen. „Es gibt keine Chance, dass sie nach einem Jahr schon erfolgreich beim normalen Unterricht mitmachen.“

Manchen Schulen in Hannover hat die Landesschulbehörde die Sprachförderstunden zum neuen Schuljahr deutlich gekürzt. Einige beschwerten sich und konnten durch Nachverhandlungen mehr für ihre Schützlinge herausholen oder hoffen noch darauf. „Ich kenne keine Schule, die tatsächlich das bekommt, was sie als Bedarf gemeldet hat“, berichtet Rainer Lubert, Leiter der Pestalozzischule, in Bezug auf die Haupt-, Real- und Oberschulen.

Es bleibt weniger für alle

Das betrifft ausgerechnet auch Grundschulen wie die Fichteschule in Hainholz. „Wir haben immer Zuwandererkinder, die ohne Deutschkenntnisse mitten im Schuljahr zu uns kommen“, betont Schulleiterin Cornelia Heimbucher. Der Anteil der Schüler aus Einwandererfamilien liegt konstant bei 80 bis 95 Prozent. Die Stunden für die Sprachlernklasse, zu der aktuell Kinder aus Polen, Somalia, Rumänien, Syrien und dem Irak gehören, sind gestrichen. Damit bekommt die Schule im neuen Schuljahr insgesamt weniger Deutschförderstunden. „Für die Kinder, deren Familien schon länger in Deutschland leben, bleibt weniger übrig. Sie brauchen die Unterstützung aber auch“, bilanziert Heimbucher.

95 Prozent der Kinder
der Fichteschule in Hainholz kommen aus Einwandererfamilien.
In der Sprachlernklasse
sitzen derzeit Schüler
aus Polen, Somalia,
Rumänien, Syrien
und dem Irak.

Umfangreiche Überprüfung

Zur Überprüfung des Bedarfs mussten die Lehrer bei der Landesschulbehörde ein umfangreiches Sprachförderkonzept einreichen. Sie hatten alle Schüler aufzulisten, die aktuell zusätzliche Deutschstunden bekommen – mit Namen, Alter, Herkunft und Art der Förderung. Ob die sensiblen Personaldaten der Schüler bei der Planung helfen, bezweifeln viele Pädagogen.

Tatsächlich sind manche Schulleiter mit Kürzungen einverstanden, weil ihre Schüler inzwischen weniger Sprachförderung brauchen. Insgesamt hat sich die Situation in Hannover aber kaum entspannt. Rudolf Kleine-Huster hat ausgerechnet, dass seine Schule nach den Definitionen des Kultusministeriums Anspruch auf rund 260 Sprachförderstunden hätte. Aktuell bekommt die IGS Kronsberg weniger als die Hälfte. Im neuen Schuljahr soll es besser werden, aber die insgesamt zu knapp bemessenen Ressourcen führen zu Verteilungskämpfen. „Wir nehmen uns die Stunden gegenseitig weg. Das ist fatal“, sagt Kleine-Huster.

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