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Das sind die Frühlingsboten

Vogelstimmen erkennen Das sind die Frühlingsboten

Wenn die Fenster dieser Tage geöffnet sind, ertönen von draußen viele Stimmen: Die Amsel, der Zilpzalp und der Buchfink sind die lautesten unter ihnen. Peter Saemann kennt sie alle. Er ist seit 34 Jahren Naturschützer aus Leidenschaft und zeigt bei einem Spaziergang, was man im Frühling alles entdecken kann, wenn man nur bewusst hinschaut – und hinhört.

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Hobbyornithologe Peter Saemann zeigt das Frühlingserwachen während eines Spaziergangs am Koldinger See. Foto: Franson

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Horch mal, eine Mönchsgrasmücke!“ Peter Saemann ist auf dem kleinen Schotterparkplatz am Koldinger See gerade erst aus seinem Auto gestiegen und hat einen befreundeten Naturbeobachter begrüßt. Beide sind komplett in Olivgrün gekleidet. Man kennt sich hier. Eine Mönchsgrasmücke, das muss eine der ersten in diesem Frühjahr sein. Beide staunen. Anerkennendes Nicken. „Die Mönchsgrasmücke heißt ja nur deswegen so, weil das Männchen eine kleine schwarze Haube wie eine Mönchskappe auf dem Kopf hat“, erklärt Saemann.

Der 77-Jährige bewegt sich vertraut in dieser Umgebung. „Wenn ich die Brücke von der Alten Feuerwehr in die Leinemasch überquere, bin ich in einer anderen Welt.“ Seit 34 Jahren setzt er sich für den Naturschutz ein, länger noch beschäftigt er sich mit der Natur. Immer wieder kommt er auf seine große Bibliothek zu sprechen, Bücher vor allem über Vögel, Wildkräuter und Schmetterlinge reihen sich dort aneinander.

Der Zilpzalp, die Drossel und der Buchfink sind schon seit einigen Wochen wieder in der Region hörbar. Die anderen Arten der Grasmücke kommen erst später, auch die Gartengrasmücke. „Ich nenne sie immer ,die böse Schwiegermutter’ - sie hört einfach nicht auf zu zwitschern“, sagt der 77-Jährige mit einem Grinsen. Besonders aber wartet Peter Saemann, den alle nur Pitt nennen, auf die Nachtigall: „Ein sehr unscheinbarer, kleiner, brauner Vogel für so einen tollen Klang.“ Er imitiert das lange Fiepen der Nachtigall, gefolgt vom berühmte „Nachtigallenschlag“, einem rhythmischen, scharrenden oder schlagenden Zwitschern. Saemann kann auch den Sprosser oder die Mönchsgrasmücke, deren Gesang ähnlich viele Silben hat wie sie selbst. „Und die Singdrossel bestellt: ,Vier Bier, vier Bier, vier Bier‘“. Seine Stimme ist nun hoch und beinahe schrill. So steht Peter Saemann in der Koldinger Natur und fiept und scharrt, zwitschert und ist ganz eins mit sich und seiner Umgebung. Die Gesänge der Vögel hat er im Kopf. Man könne sich Eselsbrücken bauen, sagt er, wie auch immer er das macht.

Der Ruf der Amsel:


Diese Zeit im Frühling ist für Peter Saemann mit die schönste im Jahr. Die Vögel, seine Vögel, kehren nach und nach von ihrer Winterreise heim, die sie entweder nach Nord- und Mittelafrika oder zu den südlichen Inseln Englands geführt hat, wo durch den Golfstrom ebenfalls milde Temperaturen herrschen. „Das ist ein richtiges Wunderwerk der Natur, dass die Vögel wissen, wohin sie im Winter müssen, und im Frühling ihren Brutplatz von letztem Jahr wiederfinden“, sagt Saemann bewundernd. Enten und Gänse fliegen über den See hinweg, Kormorane sitzen behäbig auf der gegenüberliegenden Insel. Auch Uferschnepfen, Kampfläufer und Rothalstaucher könne man hier sichten - und wenn man Glück hat, auch den Eisvogel. „Das wäre der Hammer“, sagt Saemann und schaut aufgeregt über das Wasser. „Unseren Edelstein“, nennt er ihn aufgrund des auffälligen Gefieders: „Es glitzert richtig in der Sonne und schimmert wie Eis. Blau und weiß und manchmal etwas rötlich.“

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, meinte schon Hesse, und dies gilt jedes Jahr aufs Neue: Wenn der Frühling einkehrt, werden die Tage wieder länger und die Natur entfaltet sich. Saemann kennt viele der Wildkräuter und Blüten, die den Wegesrand langsam mit Farbtupfern bedecken. Während in den gepflegten Gärten derzeit Tulpen, Osterglocken, Magnolien und Forsythien blühen, sind es in der freien Natur Gänseblümchen, Buschwindröschen und Schleen in Weiß, Löwenzahn und Frühlingsscharbockskraut in Gelb und Hundsveilchen, Wiesenschaumkraut und Leberblümchen in Rosa und Lila. Hier und dort lassen sich bereits Anfang April die ersten Schmetterlinge sehen: Zitronenfalter, Tagpfauenauge oder Kleine Füchse. Die Raupen ernähren sich von den Brennnesseln und vor allem von gelb blühenden Blumen, erklärt Saemann. „Alle Insekten sehen tendenziell schlecht“, sagt er und deutet dabei auf eine vorbeifliegende Hummel, „deshalb fliegen sie besonders gern das strahlende Gelb dieser Blüten an.“

Der Ruf des Buchfink:


Er weiß viel über die Dinge, die ihn umgeben. Und er will seine Umgebung schützen. „Leider hängt Niedersachsen da ein bisschen hinterher“, sagt der 77-Jährige mit Blick auf den See, über den gerade Gänse hinwegfliegen. Er meint damit die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie von 1992, nach der längst alle schutzwürdigen Gebiete zu Schutzzonen hätten ausgewiesen sein müssen. In Niedersachsen ist das bisher nur teilweise geschehen.

Für Peter Saemann ist die Natur direkt vor seiner Haustür eine Herzensangelegenheit. „Das ist doch das, wofür ich lebe“, sagt er. „Der Nachwelt das zu erhalten, was wir heute sehen können." Und hören, vor allem im Frühling.

Der Nabu bietet regelmäßig Touren mit Vogelkundlern an. Unter nabu.de gibt es im Internet weitere Informationen.

Die Nachtigall

Ein poetisches Geschöpf. Die Literatur verwies schon oft auf ihren besonderen Klang und den berühmten „Nachtigallenschlag“.


Die Bachstelze

Sie fällt durch ihr kontrastreiches, schwarz-weiß-graues Gefieder und den stelzentypischen Wippschwanz auf. Der charakteristische Ruf ist ein hohes, metallisches dschiwid.

Die Mönchsgrasmücke

Namensgebend für diesen Vogel ist seine schwarze Kappe, die an eine Mönchskappe erinnert.


Die Goldammer

Der gelbe Vogel hat einen besonderen Klang, ähnlich einem „Ti-ti-ti-ti-ti-ti-tüüh“. Die Eselsbrücke aus dem Volksmund lautet hierfür: „Wie wie wie hab ich dich lieb“.


Der Aurorafalter

Die Raupen der Schmetterlinge ernähren sich von Brennnesseln und vor allem von gelb blühenden Blumen.

Das Tagpfauenauge

Er ist der Schmetterling des Jahres 2009 und gehört zur Familie der Edelfalter

Das Wiesenschaumkraut

Es dominiert mit seinen weiß bis zart violetten Blüten ab Ende April bis Mitte Mai häufig das Erscheinungsbild nährstoffreicher Feuchtwiesen.

Das Scharbockskraut

Ein ganz typischer Frühjahrsblüher. Seine jungen Blätter sind essbar.

Von Katharina Derlin

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