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Aus der Stadt So können selbst taube Menschen wieder hören
Hannover Aus der Stadt So können selbst taube Menschen wieder hören
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00:15 30.08.2016
Joachim Albrecht hat seine Weltreise in einem Zwölftonner in Hannover begonnen. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Das Brüllen eines Löwen in der Savanne, rauschende Wellen an der Küste und tropische Vögel im Urwald – vor etwa drei Jahren hätte Joachim Albrecht diese einzigartigen Klänge nur noch aus der Erinnerung abrufen können. Der Mittfünfziger aus Bad Salzuflen war im Begriff, sein Gehör zu verlieren. „Mit etwa 30 Jahren sagte mir mein Arzt, dass es Probleme gibt“, erzählt er. Warum er immer schlechter hören konnte, weiß er bis heute nicht. Bei manchen Menschen trete das Problem stressbedingt durch permanente Hörstürze auf, andere bekämen falsche Medikamente verschrieben oder das Immunsystem sei fehlerhaft, berichtet er. Bis er 40 Jahre alt war, arbeitete der Diplombetriebswirt als Führungskraft in der IT-Branche. Dann habe er sich beurlauben lassen – an Gespräche auf Englisch und ständige Telefonkonferenzen war nicht mehr zu denken. Auch sein Hobby, das Tauchen, musste er aufgeben - und der Traum von einer Weltreise rückte außer Reichweite.

Das „Wunder“, wie Albrecht es nennt, geschah vor drei Jahren. Nachdem auch das Hörgerät seinen Dienst versagte, hatte er sich nach Alternativen umgesehen – und wurde in Hannover fündig. Mit einem sogenannten Cochlea-Implantat (CI) könne selbst tauben Menschen die Fähigkeit zum Hören zurückgegeben werden, hieß es im Internet. Albrecht ließ sich operieren – und konnte die Geräusche der Welt erneut erfahren. „Es war, als hätte man einen Schalter umgelegt“, erklärt er. Zwar gebe es einen Unterschied zum üblichen Hören, aber dieser sei minimal. Prompt ließ er sich auch am anderen Ohr ein weiteres Implantat einsetzen – „So ist es besser, man hört stereo“, scherzt er. Selbst tauchen gehen kann er wieder, wenn auch nicht ganz so tief wie früher. Bei der ersten Gelegenheit flog er nach Australien und später nach Afrika, um seine Reiselust zu stillen. „Das waren aber mehr so Schnupperreisen“, sagt Albrecht. „Das war unbefriedigend.“ In drei Wochen könne man ein Land nicht richtig bereisen, da müsse man schon länger unterwegs sein.

So lebte sein Traum wieder auf, die Welt zu erkunden. Sein Vorhaben: Mit einem umgebauten dänischen Militärfahrzeug über Nord- und Südamerika bis in den Süden Afrikas und womöglich darüber hinaus zu fahren. Am Dienstag ist er nach Hamburg aufgebrochen, um von dort die Fähre nach Kanada zu nehmen. Wie lange er unterwegs sein wird, weiß Albrecht noch nicht – Jahre könne es aber dauern. „Ich habe kein Zeitlimit“, sagt er. Und die Familie? „Die sind froh“, versichert der Ehemann und zweifache Vater. Gelegentlich will er auch einmal in die Heimat fliegen, um Frau und Kinder zu besuchen. Er erzählte auch den Mitarbeitern der Cochlear GmbH, die ihm vor und nach der Operation helfend zur Seite standen, von seinem Plan - die sich sogleich an der etwa zweieinhalbjährigen Reisevorbereitung beteiligten. Albrecht wird regelmäßig mit Kraftstoff sowie Zubehör für sein geländetaugliches Fahrzeug und seine Implantate ausgestattet. Für das Unternehmen ist das nicht ganz uneigennützig: Sie wollen zeigen, dass die CI-Träger fast uneingeschränkt die Klänge der Welt wahrnehmen können.

Im Notfall will das Unternehmen dem Weltreisenden beistehen, wenn es Probleme mit seiner Hörhilfe gibt. „Wo immer Sie sind auf dieser Welt, wir werden eine Lösung finden“, verspricht Thomas Topp, Cochlear-Geschäftsführer Deutschland. Er bewundere den Mut seines Patienten, allein mit seinem Fahrzeug die Welt zu bereisen. Denn trotz des erneuerten Hörvermögens haben die Implantate auch ihre Tücken. Große Räume mit vielen Hintergrundgeräuschen machen das Verstehen schwer – und auch fremden Sprachen zu folgen sei anstrengend und ermüdend. Das habe er schon in englisch- und spanischsprachigen Vorbereitungskursen gemerkt, erzählt Albrecht. „Das ist eine große Herausforderung für mich.“ Auf der anderen Seite: „In Ländern wie Vietnam versteht man auch niemanden“, sagt er und grinst. „Auch da kommt man zurecht.“

So funktioniert das Cochlea-Implantat

Stimulierter Hörnerv: Anders als beim handelsüblichen Hörgerät wird ein Cochlea-Implantat nicht im Ohr eingesetzt, sondern unter die Kopfhaut gepflanzt. Es wandelt akustische Signale in elektronische Impulse und stimuliert damit den Hörnerv, der sich in der sogenannten Cochlea, der Hörschnecke im Innenohr befindet. Zu dem Gerät gehört auch ein Soundprozessor mit einer Sendespule, der wie bei einem Hörgerät hinter dem Ohr angebracht ist. Durch diese Technik kann Gehörlosen die Fähigkeit des Hörens wiedergegeben werden – auch Kindern, die von Geburt an taub sind.

Von Nils Oehlschläger

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