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So kommen Hannovers Tiere über den Winter

Zoo- und Wildtiere So kommen Hannovers Tiere über den Winter

Babyöl für Elefantenohren und Heizplatten für die Löwen: Um die Zoo-Tiere vor Kälte zu schützen, wenden die Pfleger besonderes Tricks an. Aber auch die Wildtiere in und um Hannover wissen sich bei den Minustemperaturen zu helfen. 

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Tierpfleger Jürgen Kruse und Christoph Wöllner pinseln der Elefantendame Indra die Ohren gegen die Kälte ein. 

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Die Prozedur kennt Indra schon lange. Vor 43 Jahren wurde die asiatische Elefantendame im Zoo Hannover geboren, und sie hat bereits so manchen frostigen Winter mitgemacht. Darum lässt sie es mit Gleichmut über sich ergehen, dass ihre Ohren mal wieder mit Öl eingepinselt werden. Zum Schutz vor der Eiseskälte tragen Tierpfleger Jürgen Kruse und sein Kollege Christoph Wöllner das Pflegeprodukt für zarte Babyhaut großflächig mit einem Pinsel aus dem Baumarkt auf. Denn bei Minusgraden sind die Dickhäuter wahre Dünnhäuter. „Vor allem die Haut an den Ohren ist sehr empfindlich“, erklärt Kruse, der die neunköpfige Elefantenfamilie in diesen Tagen täglich „winterfest“ macht.

Babyöl für Elefantenohren und Heizplatten für die Löwen: Um die Zoo-Tiere vor Kälte zu schützen, wenden die Pfleger besondere Tricks an. 

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Damit die Zoobesucher die Elefanten auch bei frostigen Temperaturen sehen können, werden die Tiere, so weit es vertretbar ist, zumindest für kurze Zeit aus dem geheizten Stall geholt. Gegen 12 Uhr wagen sie sich für maximal eine halbe Stunde vor die Türen des Dschungelpalasts – nach einer warmen Dusche und einem stärkenden Frühstück aus Heu und Rüben. Rundum im Warmen bleiben die Affen, die sich – ähnlich wie Menschen – schnell erkälten können. Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Drills haben es sich in der kalten Jahreszeit im Urwald- und Tropenhaus gemütlich gemacht und verzichten auf einen Ausflug nach draußen. Die Berberlöwen Binta und Chalid dagegen finden es zu langweilig, den ganzen Tag im Stall auszuharren. Damit die Raubtiere sich die Zeit auf interessantere Weise vertreiben könne, haben die Zoomitarbeiter an mehreren Stellen unter dem Sand der Sambesi-Landschaft Heizplatten installiert, die den Pelz wärmen.

Abgehärtet sind die Eisbären in der Alaska-Landschaft Yukon Bay: Unerschrocken springen sie von ihrem verschneiten Felsen ins eiskalte Wasser. Eine dicke Speckschicht und ihr spezielles Fell schützen vor der Kälte. „In der Arktis vertragen Eisbären Temperaturen bis zu minus 50 Grad“, erklärt Tierpfleger Stefan Germann. Ob Sprinter und Nanuq aus Yukon Bay auch derart winterhart sind, mussten sie noch nicht unter Beweis stellen. Germann hat gewisse Zweifel. Schließlich wurden die beiden Bären nicht im Polargebiet geboren, sondern in Holland und Österreich.“  

Von Juliane Kaune

Hannovers Wildtiere sind geübte Überwinterer

Manche machen einen ausgiebigen Winterschlaf, manche verlassen ihre Höhlen nur noch selten, andere gehen mitten im Schnee ganz unverfroren auf die Pirsch. Für alle Wildtiere, die in und um Hannover leben, aber gilt: Sie finden hier genug Nahrung. „Füttern soll man sie nicht“, stellt Thomas Sporn, Jägermeister im Jägermeisterbezirk Hannover-Stadt, klar. Grundsätzlich kämen die Wildtiere auch im Stadtgebiet gut über den Winter. Der Experte warnt vor unüberlegten Eingriffen in die Natur: „Man sollte die Tierwelt möglichst sich selbst überlassen.“ Wer Waschbären, Dachsen, Füchsen oder anderen Wildtieren zusätzliche Mahlzeiten anbiete, trage dazu bei, dass sie zahm würden und sich stärker vermehrten. Beides sei so von der Natur nicht vorgesehen, erklärt Sporn. Und es habe Konsequenzen: „Ich ärgere mich immer, wenn die Leute, die im Frühjahr einen Fuchs in ihrem Garten füttern, sich beschweren, weil einige Wochen später plötzlich vier Füchse kommen.“ 

Die Schläfer

Für Fledermäuse und Igel heißt es in der kalten Jahreszeit einfach: schlafen, schlafen, schlafen. Darum ist es besonders wichtig, Igeln kein Futter bereitzustellen (vor allem keine Milch wegen Durchfallgefahr). Denn dadurch verzögert sich ihr natürlicher Biorhythmus, oft ziehen sie sich erst verspätet zum Winterschlaf zurück. Wenn ein Junges im Herbst noch nicht genug Fleisch auf den Rippen hat, wird es auch den Winter nicht überleben. Das Aufpäppeln ist dann zwar möglich – sollte aber von professionellen Igelfreunden durchgeführt werden.

Die Schleckermäuler

Rund 100 Füchse sind in Hannover unterwegs. Zu finden sind sie in der Nähe von Grünflächen, Friedhöfen oder Teichen. „Es kann auch passieren, dass ein Fuchs am Neuen Rathaus entlangläuft“, sagt Jagdmeister Sporn. Etwa 50 Waschbären sind in der Stadt inzwischen ebenfalls heimisch – mit steigender Tendenz. Sie verstecken sich gern in Gartenschuppen, Laubhaufen oder Dachrinnen. Beide Tierarten „naschen“ mit Vorliebe im Abfall. Den geschickten Waschbären gelingt es sogar, Mülltonnen umzuschubsen oder Müllsäcke aufzureißen. Achtung bei der Abfalltrennung: In vielen Haushalter werfen fälschlicherweise Fleischreste in Biotonnen oder auf Komposthaufen geworfen – das zieht die Wildtiere verstärkt an.

Die Scharrer

Für das Damwild im Tiergarten gilt striktes Fütterungsverbot. Etwa 120 Tiere sind dort unterwegs. An der Leineaue und weitläufigeren Grünflächen sind zudem Rehe zu Hause. Mit ihren Hufen können die Tiere den Schnee wegscharren, um an Gräser, Eicheln oder Wurzeln zu gelangen. Ist die Schneedecke zu hoch oder der Boden abgegrast, verbeißen sich die Tiere gern in Baumrinden. Im tiefsten Winter kann der Jagdmeister auch zur Notzeit aufrufen: Dann ist es ausschließlich Jagdberechtigten gestattet, das Wild zu füttern. Auf der Suche nach Nahrung scharren Fasane und Rebhühner ebenfalls, was das Zeug hält, doch sie kommen im Winter nicht ganz so weit durch die Bodendecke. Zudem droht ihnen Gefahr: Sie stehen beim Bussard auf dem Speiseplan.

Die Alpha-Tiere

Im Winter 2014 wurde ein Wolfspärchen bei Großburgwedel, im Fuhrberger Wald und bei Celle gesichtet. Auch im vergangenen Jahr seien im Bereich nördlich von Burgdorf Wölfe beobachtet worden, sagt Jagdmeister Thomas Sporn. Den Winter können sie problemlos überstehen. Denn sie jagen alles, was ihnen über den Weg läuft: Rehe, Hasen, Wühlmäuse, Schafe – aber auch Dackel und andere kleinere Hunde. Die sollten darum stets gut angeleint sein.

Die Bodenwühler

Zwischen Maschsee und Wilkenburger Straße fühlen sich in den Leineauen etwa 20 Wildschweine wohl. In Misburg auf der Industriebrache von Deurag-Nerag wurde zudem eine Bache mit ihren Frischlingen gesichtet. Das größte Wildtier im Stadtgebiet kommt im Winter gut zurecht: Mit seinen Hauern kann es die Erde auch bei leichtem Frost durchwühlen, um an Wurzeln, Bucheckern und Eicheln zu kommen. Erst bei hart gefrorenem Boden wird das mühsam bis unmöglich. Auch wenn die Wildschweine durch die städtische Nähe an die Menschen gewöhnt sind, gilt es, vorsichtig zu sein: Hunde sollten stets angeleint werden, vor allem dann, wenn Muttertiere mit ihrem Nachwuchs unterwegs sind. Schon im Laufe des Januar könnte das der Fall sein. Gibt es danach noch mal einen Kälteeinbruch, überleben die Jungtiere diesen meist nicht.

Von Katharina Derlin

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